Plüderhausen

Beim Honig droht im Remstal dieses Jahr ein Totalausfall

Bienen und Imker
Nick Schuppert (links) und Dieter Trump vom Imkerverein Remstal am Vereinsbienenstand. © Gabriel Habermann

Seit mehr als 20 Jahren ist Nick Schuppert Imker. Im Remstal kümmert er sich um 70 Bienenvölker. Doch ein Honig-Jahr wie dieses hat der Walkersbacher noch nie erlebt. „Stand heute ist es ein Totalausfall“, sagt Schuppert, der Mitglied beim Imkerverein Remstal ist und dort Zuchtkurse leitet. Ihm sei kein Imker bekannt, der in diesem Jahr schon Honig aus dem Remstal geschleudert habe.

Die Folgen des Klimawandels bereiten den Imkern Sorgen

Schuld daran ist das nasskalte Frühjahr, das bis Ende Mai anhielt. Auch wenn es in dieser Zeit geblüht hat, sei für die Bienenvölker kein Flugwetter gewesen. Dazu hätte es sonniger und wärmer sein müssen. Erst ab 16 bis 18 Grad würden sie Nektar produzieren. „Von März bis Mai mussten wir deshalb zufüttern“, berichtet Schuppert. Und zwar bis zu einem halben Kilo pro Volk und Tag. „Das war zu dieser Zeit noch nie der Fall.“ Und leider habe er dieses Jahr auch manche Ausfälle zu beklagen gehabt. „Wir haben da Lehrgeld zahlen müssen.“

Dabei sei das Individuum Biene eigentlich sehr anpassungsfähig. Mit den Hitzesommern der vergangenen Jahre sei es daher gut zurechtgekommen. „Die Bienen sind in der Lage, ihre Kästen runterzukühlen.“ Wie eine kollektive Klimaanlage würden sie mit ihren Flügeln für frische Luft sorgen. Es seien ertragreiche Jahre gewesen. Dennoch bereiten Schuppert die Folgen des Klimawandels Sorgen. Denn die Biodiversität nimmt ab, und der Wald hat zuletzt sehr stark unter der Trockenheit gelitten. „Wenn drum herum die Natur stirbt, geht es auch der Biene an den Kragen.“

Verein kann sich nicht über Mitgliedermangel beklagen

Problematisch sei auch, dass der Blühbeginn in den letzten Jahren immer früher war, teilweise bereits Ende März, „dann kommt alles auf einmal, und man muss schauen, dass die Völker auch stark und bereit sind“.

Wie das am besten gelingt, das vermittelt der Imkerverein Remstal in seinen Neuimkerkursen. Die waren auch in Corona-Zeiten sehr gut besucht, berichtet Dieter Trump, Kassierer des Vereins. In den vergangenen 16 Jahren haben daran rund 500 Frauen und Männer teilgenommen, pro Jahr finden zwei Kurse mit jeweils mehr als 20 Teilnehmern statt. Coronabedingt konnten die letzten Kurse nur digital stattfinden. Das Interesse war dennoch groß.

„Wir können uns jedenfalls nicht über sinkende Mitgliederzahlen beklagen“, sagt der Schorndorfer. Jedes Jahr werden es rund zehn Prozent mehr, aktuell verzeichnet der Verein 380 Mitglieder zwischen Waiblingen und Waldhausen, davon stammen alleine 120 aus Schorndorf und immerhin 15 aus Plüderhausen. Das sorgt für eine überdurchschnittliche Völkerdichte im Remstal. Bundesweit liegt die Zahl bei 2,3 Völkern pro Quadratkilometer, in Württemberg bei 5,2, im Remstal liegt sie teils weit darüber. Den Spitzenwert hält Weinstadt, wo auf einem Quadratkilometer fast neuneinhalb Bienenvölker schwärmen.

Warum Bienenhalter besser einen Neuimkerkurs besuchen sollten

Das zeigt: Imkern liegt momentan im Trend. Dieter Trump sieht darin aber auch eine Gefahr. Nämlich, „dass viele denken, das sei ein Selbstläufer“. Bienenvölker könne sich nun mal jeder zulegen. Anders als beim Angeln sei dafür kein entsprechender Schein notwendig.„Bienen halten kann jeder, das ist ein Problem“, sagt Trump. Etwa dann, wenn die Pflege oder der Kampf gegen die berüchtigte Varroamilbe vernachlässigt wird.

Dann kann ein nachlässiger Imker einen Keimherd schaffen und damit den anderen das Leben schwer machen. Denn bislang ist kein Mittel gefunden worden, das die Bienen dauerhaft gegen Varroa schützt. Klar sei, ergänzt Schuppert, dass, wer den Kampf gegen die Varroa nicht konsequent betreibt, seine Bienen über kurz oder lang verlieren werde. Selbiges gelte für Imker, die sich nicht um die Nachzucht der Königin kümmerten. Spätestens nach drei Jahren drohe das Volk dann wegzusterben – „und davon müssen wir wegkommen“.

Was zur guten imkerlichen Praxis gehört

In den Kursen des Imkervereins werde deshalb die gute imkerliche Praxis gelehrt, sagt Trump. Dazu zähle das Wissen um die Biologie des Insekts, das Auswintern und den Sommerbetrieb, aber auch die Schwarmkontrolle, denn „ein Schwarm, der seinen Kasten verlässt, ist dem Tod geweiht“, außerdem können sich wilde Schwärme auch schnell zu Varroaquellen entwickeln. Im Neuimkerkurs wird zudem der Umgang mit Honig und Wachs vermittelt, es geht aber auch um Fragen des Unfall- und Arbeitsschutzes sowie um die Frage, wie sich möglichst rückenschonend imkern lässt. Viele würden genau aus diesem Grund im Alter ihre Bienen aufgeben.

Wie ein Volk dann erhalten werden kann, vermittelt Nick Schuppert bei seinen Zuchtkursen. Denn nur wer regelmäßig neue Königinnen nachzieht, kann sein Bienenvolk auch stark halten. Gezüchtet wird die Königin (auch Weisel genannt) deshalb ausschließlich von den besten Völkern. Dazu müssen die Imker die wilden Weisel-Zellen, in denen sich die Bienen selbst eine Nachfolgerin ziehen, ersetzen durch die Made einer gezüchteten jungen Königin, die mit einer künstlichen Weisel-Zelle in den Kasten gehängt wird.

Dieses Wissen teilt der Imkerverein Remstal gerne – auch mit Schulklassen, Kindergärten oder Firmen. „Wir sind auch dazu bereit, Stellplätze zu vermitteln oder Honigvölker zu organisieren“, sagt Trump. Wer sich dafür interessiert, kann gerne unverbindlich vorbeischauen beim Imkertreff, immer am letzten Sonntag des Monats um 9.30 Uhr am Vereinsbienenstand. Nach monatelanger coronabedingter Pause ist das jetzt endlich wieder möglich.

Seit mehr als 20 Jahren ist Nick Schuppert Imker. Im Remstal kümmert er sich um 70 Bienenvölker. Doch ein Honig-Jahr wie dieses hat der Walkersbacher noch nie erlebt. „Stand heute ist es ein Totalausfall“, sagt Schuppert, der Mitglied beim Imkerverein Remstal ist und dort Zuchtkurse leitet. Ihm sei kein Imker bekannt, der in diesem Jahr schon Honig aus dem Remstal geschleudert habe.

Die Folgen des Klimawandels bereiten den Imkern Sorgen

Schuld daran ist das nasskalte

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper