Plüderhausen

Beispielhafte Zusammenarbeit: Urbach und Plüderhausen verwalten ihr Trink- und Abwasser gemeinsam

Wasserhochbehälter
Mit der Sanierung des Hochwasserbehälters Sandbühl in Plüderhausen wurde 2019 begonnen. Die Maßnahme wurde in diesem Jahr abgeschlossen. © Gabriel Habermann

Seit vielen Jahrzehnten machen Urbach und Plüderhausen bei Trink- und Abwasser gemeinsame Sache. Der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) betreibt den Trinkwasserbehälter Sandbühl und die Sammelkläranlage Hungerbühl. Jetzt wurde den beiden Kommunen der Haushalts-Plan für das Jahr 2020 vorgelegt. Der Umstand, dass er erst jetzt, vor der Verbandsversammlung im November, verabschiedet werden soll, war jedoch erklärungsbedürftig.

„Das ist nicht der optimale Zeitpunkt“, sagte Verbandsrechner Ottmar Köhler, der auch Kämmerer in Urbach ist, kürzlich im Plüderhäuser Gemeinderat. Für die Verspätung nannte er mehrere Gründe: Zum einen gab es einen Wechsel in der Position des Verbandsrechners, die seit Mai Köhler innehat. Zum anderen ist in diesem Jahr die Umstellung des Rechnungswesens von der Kameralistik auf die Doppik erfolgt.

Das Landratsamt hatte deshalb bereits kritisch nachgefragt. Solange der Haushalt noch in diesem Jahr vorgelegt wird, gebe es aber keine Bedenken, versicherte Köhler, der dann die Kennzahlen des Haushalts präsentierte. Im laufenden Jahr erhöht sich die Liquidität des Verbands auf rund 850 000 Euro, außerdem sinken die Schulden um rund 60 000 Euro auf knapp 395 000 Euro. Und es werden keine neuen Kredite aufgenommen.

In was will der Verband in diesem Jahr investieren?

Nachdem der Verband im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro investiert hat, vor allem in die Sanierung des Trinkwasserbehälters Sandbühl, in dem das von der Landeswasserversorgung bezogene Wasser gespeichert wird, stehen in diesem Jahr keine größeren Investitionen an. Rund 215 000 Euro werden in die Automatisierung der Sammelkläranalage, eine Dosiereinrichtung für Kreide (dazu später mehr) sowie die Fertigstellung des Hochbehälters investiert.

Mittelfristig wird sich diese Summe aber wieder erhöhen. Unter anderem steht die Erneuerung des Zwischenhebewerks an, für das etwa 600 000 Euro notwendig sind. „Außerdem müssen wir im Betriebsgebäude vor allem bei der Heizung etwas tun. Die ist in einem kritischem Zustand.“

Bürgermeister lobt geordneten Haushalt

Bürgermeister Andreas Schaffer lobte den Haushalt als „sehr geordnet“, das habe beim GVV aber Tradition. Andreas Theinert (CDU) nannte den Verband ein „Paradebeispiel interkommunaler Zusammenarbeit“ und fragte schelmisch auf die prekäre Finanzlage von Plüderhausen anspielend: „Können wir die Überschrift ändern und daraus den Haushalt Plüderhausen machen?“

Klaus Harald Kelemen (SPD) sprach von einer „tollen übergemeindlichen Einrichtung“, kritisierte jedoch, dass im Stellenplan keine Auszubildenden vorgesehen sind. Das habe man mehrfach versucht, aber niemand gefunden, entgegnete GVV-Geschäftsführer Ludwig Kern, „obwohl das ein Berufsbild mit Zukunft ist.“ Das Gremium hat sich dann bei einer Gegenstimme (Kelemen, wegen der fehlenden Azubi-Stelle) für den Haushalt ausgesprochen. Der Urbacher Gemeinderat stimmte dem Haushalt geschlossen zu.

Warum braucht die Abwasserreinigung eine neue Dosiereinrichtung für Kreide?

Einstimmig sprachen sich beide Gremien auch für eine Dosiereinrichtung für Kreide bei der Abwasserreinigung aus. Ludwig Kern erläuterte im Plüderhäuser Gemeinderat zuvor noch kurz den Nutzen der Kreide. Diese helfe dabei, den Schlamm besser vom Klärwasser zu trennen. Außerdem bekomme man damit einen trockeneren Schlamm bei der Entwässerung und müsse auch weniger davon verwerten. Zu guter Letzt verringere die Kreide auch den Schlammanteil im Nachklärbecken. „Damit erhalten wir ein noch klareres Wasser.“

Rund 65 Tonnen Kreide pro Jahr werden in der Kläranlage verwendet. Mit Hilfe der Dosieranlage (Kostenpunkt: 60 000 Euro) könne man künftig Geld bei der Beschaffung und Lagerung sparen, weil man keine Sackwaren benötige, sondern direkt im Silo lagern könne. Kern geht von 4000 bis 5000 Euro weniger pro Jahr aus.

Auch eine Änderung der Verbandssatzung wurde in beiden Gemeinden diskutiert. Hier gab es von Seiten des Gemeinderats Einwände hinsichtlich der Höhe der Freisätze, also jener Beträge, über die der GVV ohne Zustimmung der Gemeinderäte entscheiden kann. Diese sollten von 2500 auf 10 000 Euro erhöht werden. Auf Vorschlag von SPD-Gemeinderat Kelemen sprach sich das Plüderhäuser Gremium mehrheitlich für einen Betrag in Höhe von 7500 Euro aus.

Strittige Diskussion um höhere Freisätze in der neuen Satzung

In Urbach waren die höheren Freisätze ebenso strittig. „Wir sind der Meinung, dass eine Verdreifachung zu hoch wäre“, sagte beispielsweise der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Holzwarth. In den vergangenen Jahren habe es noch nie ein Problem mit den niederen Sätzen gegeben. Einer Verdoppelung der bisherigen Sätze könne seine Fraktion aber zustimmen.

„Da geht es nicht um ein Füllhorn, sondern darum, schnelle Entscheidungen treffen und Themen zügig bearbeiten zu können“, entgegnete die Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen. „Es ist einfach angebracht, eine Satzung von 1998 anzupassen“, fand sie.

„Wir sehen, dass es angepasst werden muss, aber die Verdreifachung ist uns auch ein zu großer Schritt“, sagte die Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzende Ursula Jud, wollte aber wissen, ob es denn in der Vergangenheit tatsächlich schon einmal zu einem Fall kam, bei dem die niedrigen Freisätze dazu geführt haben, dass ein Bauvorhaben gestoppt oder verzögert werden musste.

Freisätze nur verdoppeln statt verdreifachen

„Es ging dabei vor allem um Fälle, in denen eine Maschine kaputtgeht und schnell eine neue angeschafft werden muss“, erklärte Ludwig Kern daraufhin. „Mit 2500 Euro fangen Sie halt in der Maschinentechnik nicht viel an.“ In der Vergangenheit sei das Problem laut Martina Fehrlen in so einem Fall oft über Eilentscheidungen ihres Plüderhäuser Kollegen Andreas Schaffer gelöst worden.

Die Bürgermeisterin plädierte dafür, die Satzung mit der Verdreifachung der Freisätze anzupassen, hatte am Ende aber keinen Erfolg damit. Detlef Holzwarth stellte einen Antrag darauf, die Freisätze im Vergleich zur alten Satzung lediglich auf 5000 Euro zu verdoppeln, der vom Gemeinderat mehrheitlich angenommen wurde. Das Gremium entschied im Anschluss, der Neufassung der GVV-Satzung zuzustimmen, mit Ausnahme der Punkte, in denen formuliert ist, dass die Freisätze verdreifacht werden.

Am Donnerstag, 12. November, wird die Verbandsversammlung dann konkret über den Haushalt, die Dosieranlage und die Satzungsänderung entscheiden.

Seit vielen Jahrzehnten machen Urbach und Plüderhausen bei Trink- und Abwasser gemeinsame Sache. Der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) betreibt den Trinkwasserbehälter Sandbühl und die Sammelkläranlage Hungerbühl. Jetzt wurde den beiden Kommunen der Haushalts-Plan für das Jahr 2020 vorgelegt. Der Umstand, dass er erst jetzt, vor der Verbandsversammlung im November, verabschiedet werden soll, war jedoch erklärungsbedürftig.

„Das ist nicht der optimale Zeitpunkt“, sagte Verbandsrechner

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