Plüderhausen

CDU-Räte in Plüderhausen wollen Bücherei schließen

Bücher Bücherregal Bücherei Gemeindebücherrei ausleihen
Symbolbild. © Pixaby

Punkt Nummer 46 auf der Liste mit Sparvorschlägen, die dem Gemeinderat präsentiert wurde, klang eigentlich recht harmlos. Die Haushaltsstruktur-Kommission hatte vorgeschlagen, eigene Räumlichkeiten für die Gemeindebücherei zu finden. Der Pachtvertrag für den aktuellen Standort läuft schließlich bald aus.

Die Verwaltung sollte prüfen, ob die aktuellen Räumlichkeiten der Ratsstube für die Unterbringung der Gemeindebücherei tauglich sind, und der Gemeinderat 2022 darüber beraten. Plüderhausen würde durch diesen Vorschlag Mietkosten sparen, da die Räumlichkeiten der Ratsstube im Gemeindebesitz sind.

Ulrich Scheurer (CDU): "Damit sparen wir auch mal dauerhaft etwas ein"

Ulrich Scheurer, der selbst Mitglied der Kommission war, überraschte dann in der Gemeinderatssitzung mit einem radikalen Vorschlag; Er forderte, die Bücherei komplett zu schließen. Scheurer sagte, er sei entsetzt, wie manche Gemeinderatskollegen mit den Finanzen umgehen: „Man muss auch mal an die großen Ausgaben rangehen, da gibt es sicher auch mal einen schmerzhaften Einschnitt. Aber damit sparen wir auch mal dauerhaft etwas ein.“

Michael Gomolzig (CDU): Eine Schülerbücherei würde genügen

Sein Fraktionskollege Michael Gomolzig, Rektor im Ruhestand, sprang Scheurer bei, wohlwissend, dass es die Kollegen im Gremium überraschen würde, wenn ein Lehrer sich gegen eine Bücherei ausspricht. „Ich unterstütze das, denn hier haben wir einen riesen Posten. “

Diese Forderung soll keine Kritik an der Bücherei sein, „die arbeitet gut“. Aber man könnte doch alternativ an der Schule eine Schülerbücherei eröffnen. Zumal sich der Fokus von den Büchern hin zu Hörbüchern und DVDs verlagert habe. „In der Schule wäre sicher wieder mehr das Buch gefordert.“ Auf der Strecke blieben dann zwar die Erwachsenen, „aber wir haben auch das offene Bücherregal, und wenn ich was wirklich Gutes will, gehe ich nach Stuttgart“. Gomolzig schloss seine Ausführungen mit folgendem Vergleich: „Natürlich fahre ich gerne Rolls Royce, aber wir haben nicht das Geld dazu. Die Bildung geht deshalb nicht unter.“

Reiner Schiek, ebenfalls CDU, ergänzte: „Das ist eine Freiwilligkeitsleistung, bei der man richtig sparen könnte, das ist ein Batzen Geld.“

GLU-Rat Erich Wägner, Leiter der Stadtbücherei in Lorch, zeigte sich entsetzt von den Beiträgen seiner Gemeinderatskollegen. „Das treibt meinen Blutdruck in die Höhe.“ Er fragte sich, welches Weltbild bei der CDU vorherrsche. Mit der Realität der Bibliotheken habe all das nämlich reichlich wenig zu tun.

Erich Wägner (GLU): "Bücherei schließen geht gar nicht"

„Eine moderne Bücherei betreibt heute Leseförderung. Wir wollen die Kinder aber nicht nur zum Lesen animieren, eine gute Bücherei ist auch ein wichtiger außerschulischer Bildungspartner.“ Dort geschehen viele wertvolle Dinge, die den Horizont erweitern. „Wollen wir den jetzt schließen?“ Die Stadt Schorndorf mache es gerade richtig, „die gehen nach vorne, bauen neu“. Im Übrigen sei Baden-Württemberg eines der wenigen Länder, in denen Bibliotheken eine Freiwilligkeitsleistung seien. „Die allermeisten haben ein Büchereigesetz und es ist Pflicht.“ Kurzum: „Bücherei schließen geht gar nicht.“

Bürgermeistesr Schaffer: Die Schule wäre kein geeigneter  Standort

Bürgermeister Andreas Schaffer reagierte mit Skepsis auf den Vorschlag aus den Reihen der CDU. „Die Bücherei hat jetzt einen hervorragenden Standort in der Ortsmitte, das sorgt für Frequenz, die an der Schule fehlt.“ Die Ratsstube bei der Staufenhalle hält der Bürgermeister für eine denkbare Alternative. Er glaube außerdem nicht, dass der Gemeinderat jetzt einfach so über eine Schließung der Bücherei entscheiden könne.

Auch Klaus Harald Kelemen (SPD) sprach sich gegen den Schließungs-Vorschlag der CDU-Räte aus. „Wir haben ja auch einen Bildungsauftrag.“

Aus den Reihen der CDU-Fraktion distanzierte sich dann Markus Proschka vorsichtig von seinen Kollegen. „Ich hätte auch gerne eine Prüfung, die Kosten sind sehr hoch, aber jetzt gleich einen Antrag zu stellen, die Bücherei sofort zu schließen, das halte ich für zu schnell.“

Den vorgeschlagenen Standort Ratsstube halte er aber nicht für optimal. Man solle deshalb die Schule als Alternative prüfen, so sein Antrag.

Marcel Schindler (SPD) wunderte sich über den Zeitpunkt des CDU-Vorschlags. „Wir treffen uns über Monate, und dann kommt so ein Vorschlag aus der Hüfte geschossen.“ Was den möglichen Standort Schule anbelangt: Hier sei vor einem halben Jahr im Gremium diskutiert worden, ob man möglicherweise die Schlossgartenschule dorthin verlegt und in dem Zuge alle Räumlichkeiten nutzt. „Dann ist bestimmt kein Platz für eine Bücherei.“

Thomas Reißig (SPD) : Der absurdeste Vorschlag in 35 Jahren

Sein Fraktionskollege Thomas Reißig (SPD) sagte: „Ich bin immer noch sprachlos und habe einen Brummschädel. In 35 Jahren habe ich nicht erlebt, dass so ein absurder Antrag gestellt wurde.“

Die Schließung der Bücherei stand dann am Ende aber gar nicht mehr zur Abstimmung, die CDU stellte dazu keinen Antrag. Stattdessen hat das Gremium bei einer Enthaltung (Marcel Schindler) beschlossen, eigene Räumlichkeiten als Alternative für den jetzigen Standort zu prüfen.

Punkt Nummer 46 auf der Liste mit Sparvorschlägen, die dem Gemeinderat präsentiert wurde, klang eigentlich recht harmlos. Die Haushaltsstruktur-Kommission hatte vorgeschlagen, eigene Räumlichkeiten für die Gemeindebücherei zu finden. Der Pachtvertrag für den aktuellen Standort läuft schließlich bald aus.

Die Verwaltung sollte prüfen, ob die aktuellen Räumlichkeiten der Ratsstube für die Unterbringung der Gemeindebücherei tauglich sind, und der Gemeinderat 2022 darüber beraten.

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