Plüderhausen

Corona-Lage an der Hohbergschule Plüderhausen - und wie Schüler damit umgehen

Symbolfotoschulbetreuung
Im Unterricht müssen wegen der hohen Inzidenzen bald wieder Masken getragen werden. © Gaby Schneider

Von den Koalitionsverhandlungen gab es zuletzt positive Signale an die Schulen im Land: Die künftige Ampel-Regierung im Bund will coronabedingte Schließungen, wie sie im vergangenen Winter monatelang stattfanden, ausschließen. Zugleich hat das Land Baden-Württemberg angesichts der stetig steigenden Infektionszahlen angekündigt, die Maskenpflicht im Unterricht wieder einführen zu wollen.

Rektor Jürgen Groitzsch: „Was, wenn die Lage sich zuspitzt?“

„Wir nehmen das relativ entspannt auf“, sagt Jürgen Groitzsch, Rektor am Hohbergschulzentrum in Plüderhausen. Seit Beginn der Pandemie haben sich die Regelungen schließlich beständig geändert. Der Ankündigung, dass Schulschließungen ausgeschlossen werden, traut Groitzsch indes nicht so recht. „Was, wenn die Lage sich zuspitzt?“

An der Schule hatte es zuletzt immer wieder Corona-Fälle gegeben – auch wenn einige Schnelltests sich als falsch positiv erwiesen. Insgesamt achtmal fielen in den vergangenen Wochen dann die PCR-Tests bei Schülerinnen oder Schülern positiv aus. Aktuell gebe es zwei bestätigte Fälle. Für den Schulbetrieb sei das eine Belastung.

Hinzu komme die allgemeine Krankheitswelle. „Bei der bescheidenen Lehrerversorgung kommen wir schnell an Grenzen.“ Diese Woche habe er deshalb bereits sechs Vertretungsstunden halten müssen – eigentlich nicht die Aufgabe eines Rektors. Doch die Schüler wieder heimschicken, das wollte Groitzsch auch nicht.

Appell des Rektors: "Lasst euch impfen!"

Er schließt sich deshalb dem allgemeinen Appell an und sagt: „Lasst euch impfen!“ Verbunden mit dem Hinweis, dass auch Geimpfte weiter vorsichtig bleiben und die Hygieneregeln beachten sollten, „um die kritischen Verläufe zu stoppen“.

Der Rektor sagt das, wohl wissend, dass es auch in der eigenen Lehrerschaft noch Ungeimpfte gibt. „Ich kann das nicht nachvollziehen.“ Er wäre deshalb für eine Impfpflicht bei Betreuungspersonen an der Schule. Immerhin: Bislang haben sich keine Lehrerinnen oder Lehrer infiziert.

Bei der Elternschaft sei die Lage im Moment ruhig. Vereinzelt gebe es kritische Stimmen. Eine Familie habe man erst unter Androhung eines Bußgelds dazu gebracht, ihr Kind, das keine Maske tragen sollte, in den Präsenzunterricht gehen zu lassen. Aber das sei ein Ausnahmefall gewesen.

Wenn der Ausnahmezustand auf die Psyche schlägt

Grundsätzlich hätten sich viele Kinder mit der Situation arrangiert und nähmen es sportlich. Bei einigen habe dieser anhaltende Ausnahmezustand aber durchaus auf die Psyche geschlagen. Gerade für die Jugendlichen in der Pubertät sei dies eine belastende, nicht mehr so unbeschwerte Zeit, findet Groitzsch.

Schulsozialarbeiter Bernd Fetzer kann diesen Eindruck bestätigen. Wobei er durchaus auch Positives erlebe. „Wir haben Schüler, die das gut wegstecken.“ Auch nehme er eine gewisse Wertschätzung für die Schule wahr, die so vorher nicht vorhanden war. „Sie wissen plötzlich Dinge zu schätzen, die vorher Alltag waren.“ Fetzer hat zuletzt viele junge Menschen erlebt, die motiviert waren und sich gefreut haben über all das, was nach dem letzten, harten Pandemie-Winter wieder möglich war.

Einige Schüler sind an ihre Grenzen gekommen

Aber es gebe eben auch die andere Seite: Kinder, die sozial vereinsamten, die nur noch vor ihren Bildschirmen saßen und nicht mehr rauskamen. Schülerinnen und Schüler, die in dieser Zeit aufgrund von Bewegungsmangel auch körperlich zugenommen haben. Und die in der Corona-Zeit an ihre Grenzen gekommen sind.

Wobei dies sehr stark vom Elternhaus abhänge, berichtet Fetzer. Man habe genau gesehen, wo die Familien in Schulangelegenheiten engagiert waren und auch die entsprechenden Mittel für eine gute Ausstattung zu Hause hatten.

Sozialarbeiter Bernd Fetzer: „Die Schüler haben gelitten und leiden nach wie vor“

Es habe sich auch gezeigt, dass einige ohne die direkte Kontrolle im Klassenraum während des Fernunterrichts abgetaucht seien. „Das war nicht ganz ohne“, sagt Fetzer. Und das bekämen sie jetzt bitter zu spüren. „Besonders heftig“ habe die Situation jedoch die Klassen 8 bis 10 getroffen. Die Mädchen und Jungen hätten in einer wichtigen Entwicklungsphase auf vieles verzichten müssen, was das Klassengefüge ausmache wie etwa Klassenfahrten.

Unterm Strich sagt Fetzer: „Die Schüler haben gelitten und leiden nach wie vor.“ Vor allem die gefühlte Endlosigkeit der Situation sei belastend – zwei Jahre mögen für Erwachsene nicht lang sein, aber für Kinder und Jugendliche sei das gefühlt eine Ewigkeit.

Auch die offene Jugendarbeit gestalte sich gerade schwierig. Im Jugendhaus am Schulzentrum seien maximal 24 Jugendliche gleichzeitig erlaubt. „Wir mussten deshalb schon Leute wegschicken.“ Das sei eine schwierige Situation und „total schade“. Aber: „Wir sind froh, dass wir überhaupt aufmachen dürfen, Gespräche führen und Angebote schaffen können.“

"Ich wünsche nicht, dass sie noch mal in so eine Isolationsphase müssen", hofft Groitzsch

Grundsätzlich sorgt sich Sozialarbeiter Bernd Fetzer wegen der vielfachen Belastungen, mit denen das Schulzentrum in der Pandemie zu kämpfen hat: von den sich ständig verändernden und sehr kurzfristig erlassenen Regelungen über den Mangel an Lehrpersonal bis hin zu den pandemiebedingten Zusatzaufgaben wie den Schnelltests. Er befürchtet, dass es unter diesen Bedingungen mittelfristig schwer sein wird, das schulische Niveau zu halten, das man vor Corona hatte.

Was das Versprechen der wahrscheinlich künftigen Ampel-Regierung bezüglich Schulschließungen angeht, ist Fetzer deshalb zwiegespalten. „Unter sozialen Gesichtspunkten ist das natürlich zu begrüßen.“ Auf der anderen Seite gebe es im Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen für die Jungen und Mädchen auch sehr viele Belastungsfaktoren. „Die Bedrohung schwingt immer mit.“ Dennoch sagt er: "Insgesamt ist es aber die bessere Lösung.“

Das sieht Rektor Jürgen Groitzsch genauso: „Ich wünsche den Kindern nicht, dass sie noch mal in so eine Isolationsphase müssen.“ Die Entwicklung des Infektionsgeschehens in den kommenden Wochen wird zeigen, ob diese Ansage der künftigen Bundesregierung zu halten ist. Es wäre aber nicht das erste Mal in dieser Pandemie, dass Versprechen seitens der Politik gebrochen werden.

Von den Koalitionsverhandlungen gab es zuletzt positive Signale an die Schulen im Land: Die künftige Ampel-Regierung im Bund will coronabedingte Schließungen, wie sie im vergangenen Winter monatelang stattfanden, ausschließen. Zugleich hat das Land Baden-Württemberg angesichts der stetig steigenden Infektionszahlen angekündigt, die Maskenpflicht im Unterricht wieder einführen zu wollen.

Rektor Jürgen Groitzsch: „Was, wenn die Lage sich zuspitzt?“

„Wir nehmen das relativ

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper