Plüderhausen

Corona-Verordnung: Darf der Plüderhäuser Badesee weiter geöffnet bleiben?

Badesee01
Seeaufsicht Martin Dannenhauer sorgt dafür, dass es am Badesee geordnet zugeht. © Ralph Steinemann

Kinder bauen Sandburgen am Ufer, Stammgäste sitzen auf Klappstühlen beim Kiosk und im Wasser ziehen ein paar Schwimmer ihre Bahnen. Eigentlich ist das am Plüderhäuser Badesee an einem Samstagnachmittag im Mai ein gewohntes Bild – und doch ist die Idylle nicht selbstverständlich. Mehr als drei Wochen lang galt am Badesee ein Aufenthaltsverbot. Baden und Verweilen war untersagt; spazieren gehen war zwar noch möglich, sich auf eine Bank zu setzen und die Landschaft zu genießen aber nicht.

„Das hat uns einige Kritik gebracht“, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer zu den Erfahrungen der vergangenen Wochen. „Viele Sportschwimmer nutzen den See gerne, weil sie lange Bahnen schwimmen können.“ Die Athleten seien auf den Welzheimer Aichstrutsee ausgewichen, wo auf dem Außengelände viele Leute unterwegs gewesen seien. „Dort wurde kritisiert, dass viel los ist und bei uns, dass nichts los war“, so Andreas Schaffer.

Als bekannt wurde, dass das öffentliche Leben wieder schrittweise hochgefahren wird, beschloss die Plüderhäuser Verwaltung, auch das Verweilen am Badesee wieder zu erlauben. Seit Donnerstag dürfen Gäste den See wieder nutzen und auch das Schwimmen ist erlaubt. Ob das so bleibt, ist allerdings noch unklar.

„Das Land hat am Mittwoch einen neuen Entwurf für seinen Fünf-Stufen-Plan verschickt“, erklärt Andreas Schaffer das Problem. In dem Plan sind mehrere Kategorien von Stufe 0 („bereits geöffnet“) bis Stufe 4 („derzeit nicht abschätzbar“) gelistet, die einen Überblick darüber geben, was wann voraussichtlich wieder aufmachen darf.

Das Wort „Badesee“ tauchte in dem neuen Entwurf vergangenen Mittwoch laut Andreas Schaffer das erste Mal auf, in den ersten zwei Entwürfen des Planes sei immer nur von „Schwimm- und Hallenbädern, Thermal- und Spaßbädern sowie Saunen“ die Rede gewesen. In dem neuen Entwurf sind Badeseen jetzt auch unter der Stufe 4 kategorisiert, was heißt, dass das Datum für ihre Öffnung noch nicht abschätzbar ist.

Der See bleib vorerst geöffnet

Bislang ist der Entwurf allerdings nur ein Entwurf und noch keine Vorschrift. Die Verwaltung hat beschlossen, den Badesee erst einmal geöffnet zu lassen. Andreas Schaffer hat sich indes mit einer E-Mail an den Gemeindetag gewandt. „Wir möchten Sie bitten, sich dafür einzusetzen, dass Badeseen nicht mit Freibädern gleichzusetzen sind“, schreibt er darin. „In beiden wird zwar geschwommen, aber die äußeren Umstände und die Flächen sind nicht vergleichbar und sollten differenziert betrachtet werden.“

Die Landschaft um den Badesee ist kein abgegrenzter Schwimmbereich, so Schaffer. Deshalb gelte dort im Moment die Corona-Verordnung. „Da können sich Leute frei bewegen“, sagt er. Solange sie sich an die Regeln halten. „Das Aufenthaltsgebot haben wir damals auf Anraten der Polizei erlassen, weil der See als Touristenattraktion am Wochenende viele Leute angezogen hat.“ Schaffer zieht Vergleiche mit der Yburg in Kernen und der Grabkapelle am Rotenberg. „Menschenansammlungen sind nicht einfach zu überwachen“, sagt er. „Das Thema haben wir nach wie vor.“

Im Moment funktioniert das aber wohl ganz gut. Das Wetter war am Wochenende durchwachsen, was wohl auch ein Grund dafür ist, dass keine Menschenmassen an den Badesee gestürmt sind.

„Es gibt keine Probleme“, sagt Aufseher Martin Dannenhauer vom Ordnungsamt der Gemeinde. „Besonders die Kinder sind gottfroh und haben mal wieder richtig Spaß.“ Am Samstagnachmittag hat er alles im Griff. Bei einem Rundgang um den See bittet er zwei junge Männer, sich etwas weiter von einem Pärchen, das es sich auf einem Steg gemütlich gemacht hat, wegzusetzen. Die zwei zeigen sich sofort verständnisvoll und ziehen ihre Handtücher einen halben Meter weiter an den Stegrand.

Der Kiosk, die Toiletten und die Duschen sind noch geschlossen

„Im FKK-Bereich habe ich sortiert“, sagt Martin Dannenhauer. „Die liegen oft etwas näher aneinander, weil sie sich kennen.“ Bei seinem Rundgang hat er aber auch dort keine Beanstandungen mehr zu machen und kehrt an den Kiosk zurück. Der hat leider noch geschlossen, die Toiletten und die Duschen ebenso. Das teilt Dannenhauer auch gleich zwei Jungs mit, die in Richtung der Duschen unterwegs sind. „Wir laufen uns nur ein bisschen warm“, sagen die zwei und lachen. Generell machen die Menschen am See einen gut gelaunten Eindruck. „Es kommen nur nette Leute“, findet Dannenhauer. Am Samstag waren es bis mittags um die 300, schätzt er, abends waren noch einmal einige Schwimmer da.

Früher am Tag hat Dannenhauer allerdings eine siebenköpfige Gruppe mit Grill im Gepäck wieder weggeschickt. „Wenn der Eingang sauber ist“, meint Dannenhauer, „habe ich auch am Rest vom See keine Probleme.“ Wer „Saufmaterial“ mitbringt oder einen Grill aufs Gelände schmuggeln will, muss wieder abziehen. Auch Hunde sind nicht erlaubt.

Alle anderen dürfen gerne auf das Gelände. Martin Dannenhauer freut sich, dass der See wieder für alle zugänglich ist. Ihm hat es keinen Spaß gemacht, die Menschen in den vergangenen Wochen vertreiben zu müssen. Wenn sich ein 80-Jähriger auf einer Bank ausruhen wollte, hat er auch mal ein Auge zugedrückt. Insgesamt weiß er aber: „Wenn die Bestimmungen nicht eingehalten werden, müssen wir wieder schließen.“

Ob es soweit kommt, hängt aber auch davon ab, was die Landesregierung bald entscheidet. „Wir warten jetzt einfach mal ab“, sagt Andreas Schaffer. Am Freitag war er selbst draußen am Badesee. „Das war wunderbar, die Leute freuen sich und die Kinder besonders.“ Das bestätigt eine Frau, die am Samstag mir ihrer Familie den See besucht: „Es ist schön, dass wieder Leben herrscht“, sagt sie. „Das war die letzten Wochen schon ein bisschen traurig.“

Kinder bauen Sandburgen am Ufer, Stammgäste sitzen auf Klappstühlen beim Kiosk und im Wasser ziehen ein paar Schwimmer ihre Bahnen. Eigentlich ist das am Plüderhäuser Badesee an einem Samstagnachmittag im Mai ein gewohntes Bild – und doch ist die Idylle nicht selbstverständlich. Mehr als drei Wochen lang galt am Badesee ein Aufenthaltsverbot. Baden und Verweilen war untersagt; spazieren gehen war zwar noch möglich, sich auf eine Bank zu setzen und die Landschaft zu genießen aber

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper