Plüderhausen

Corona: Wie sich die Omikron-Welle auf die Schulen rund um Schorndorf auswirkt

Hohbergschule
Pausenhof an der Hohbergschule: Zum Infektionsschutz werden die Schulklassen hier in den Pausen getrennt. © Gaby Schneider

Die Omikron-Welle sorgt momentan für historisch hohe Infektionszahlen. Die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis ist inzwischen auf knapp 1000 angestiegen. Und ein Ende der fünften Corona-Welle ist nicht in Sicht. Die Sorge wächst, dass es wegen vermehrter Quarantänefälle zu Einschränkungen beim öffentlichen Leben kommt. Wie ist die Situation an den Schulen?

„Deutliche Steigerung“ der positiven Fälle an der Hohbergschule

„Die Einschläge werden härter“, sagt Rektor Jürgen Groitzsch. Zwar befindet sich an der Plüderhäuser Hohbergschule von den mehr als 30 Klassen momentan nur eine in Quarantäne. Dies sei dann der Fall, wenn 20 Prozent der Klasse positiv auf das Virus getestet wurde. Doch bei den Infiziertenzahlen sei zuletzt spürbar „eine deutliche Steigerung“ festzustellen.

Rund 20 Tests schlugen seit Ende der Weihnachtsferien positiv an, knapp die Hälfte davon seit dem vergangenen Wochenende. „Und es grassiert durch alle Klassenstufen.“ Immerhin: „Die Lehrerschaft ist bisher verschont geblieben.“ Deshalb könne der Schulbetrieb in Präsenz auch aufrechterhalten werden. Das sei den Eltern besonders wichtig. Manche würden aus Sorge aber auch lieber ihre Kinder zu Hause lassen – was im Moment nicht möglich ist.

Das Thema Corona sei an der Schule momentan vor allem organisatorisch eine Herausforderung, so Groitzsch. Denn die einzelnen Klassenstufen müssen auf dem Gelände separiert werden. Der Pausenhof ist dementsprechend in verschiedene Quarantäne-Zonen aufgeteilt. Was von Vorteil ist: „Wir haben an der Schule sehr viele Eingänge“, dadurch sei es sehr gut möglich, die Begegnungen zu reduzieren.

Eltern reagieren in Plüderhausen verständnisvoll auf die Situation

Was Rektor Groitzsch ebenfalls positiv hervorhebt: „Man spürt bei den Eltern Verständnis für die Situation.“ Das sei im vergangenen Corona-Winter nicht unbedingt so gewesen, wo er zahlreiche kritische Elternbriefe erhalten habe, vor allem wegen der Maskenpflicht im Unterricht. Inzwischen sei das an der Schule kein großes Thema mehr. Eine Handvoll der rund 750 Schülerinnen und Schüler habe eine ärztlich attestierte Befreiung.

Jürgen Groitzsch hofft jetzt vor allem eines: „Dass unsere Lehrer fit bleiben, denn wir haben alle höchstes Interesse daran, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten.“ Für den Fall, dass sich die Lage in den kommenden Tagen und Wochen zuspitzen sollte, habe man am Schulzentrum vorsorglich schon mal Videokonferenzen mit den Erstklässlern eingeübt. „Wir haben das Know-how dazu“, sagt Rektor Groitzsch, „aber wir wünschen es den Schülern nicht.“

Schulzentrum bislang verschont

Am Schulzentrum Rudersberg ist von der Omikron-Welle noch nicht viel zu spüren. „Über alle Klassen verteilt haben wir sechs Infizierte“, berichtet Thomas Smolarczyk. Insgesamt 650 Mädchen und Jungen besuchen die Schule, „wir sind hier in Rudersberg im Moment auf einer Insel und warten noch auf den Peak“, sagt der Rektor.

Für den Fall, dass bald wieder der Fernunterricht anstehe, sei man aber mit den mehr als 100 Leihlaptops, die es an der Schule gebe, gut vorbereitet. Und „alle Klassen haben bereits einen Testdurchlauf gemacht, ob sie damit erreichbar sind“.

Der Umgang mit den Corona-Regeln, den Testungen und der Quarantäne sei mittlerweile sehr kontrolliert. „Eltern und Lehrer gehen sehr verantwortungsbewusst mit der Situation um.“ Zwar gebe es eine Handvoll Maskenbefreiungen unter den Schülern, „aber von Ärzten, denen wir durchaus vertrauen“. An der Schule spiele das Thema im Grunde keine Rolle mehr. „Und die Kollegen ertragen die Mehrbelastung mit stoischer Geduld und der Hoffnung, dass es bald aufhört“, berichtet Smolarczyk.

Fachkräftemangel bereitet Rudersberger Schulleiter Sorgen

Was dem Schulleiter indes gerade mehr Sorge bereitet, ist der eigentlich erfreuliche Umstand, dass gleich mehrere Lehrerinnen schwanger sind – und einige davon aus gesundheitlichen Gründen ein sofortiges Arbeitsverbot bekommen haben. Das Schulamt habe zwar ein paar Vertretungsstunden organisiert. Und auch aus der eigenen Lehrerschaft habe das Schulzentrum Kräfte mobilisieren können, „aber das ist noch nicht ausreichend“.

Gleichzeitig komme der Schule das Bund-Länder-Förderprogramm „Rückenwind“ zugute. Hier gibt es am Schulzentrum inzwischen rund 30 Kurse. Assistenzlehrer helfen hier zum einen Schülerinnen und Schülern, coronabedingte Lücken zu schließen (etwa für die Prüfungsvorbereitung). Zum anderen werden auch schulische Aktivitäten außerhalb des Unterrichts angeboten, darunter Erlebnispädagogisches – oder auch ein Schwimmkurs. „Das kann stimmungsaufhellend wirken auf unsere Schüler“, weiß Smolarczyk.

„Wir trotzen den widrigen Umständen“, sagt Rektor Smolarczyk

Denn „das Salz in der Suppe fehlt uns momentan“: nämlich der sozial-emotionale Teil des Schullebens. Das traditionelle Winter-Schullandheim etwa musste jetzt zum zweiten Mal in Folge abgesagt werden.

Doch so schwierig vieles im Moment auch sein mag: „Wir trotzen den widrigen Umständen und sehen zuversichtlich in die Zukunft“, sagt Thomas Smolarczyk.

Auch Matthias Rieger, Rektor der Urbacher Wittumschule, hat trotz der Mehrbelastung durch die Omikron-Welle noch Energie. Trotzdem muss er feststellen: „Die Arbeit ist tatsächlich immens und erstreckt sich inzwischen auch nicht mehr nur auf die normalen Arbeitszeiten, sondern in Richtung Wochenende.“ Vieles erreiche ihn zudem abends, „das kann ich dann auch nicht einfach liegen lassen“. Schuld ist zu einem großen Teil der erhöhte Organisationsaufwand, wenn Klassen, in denen Corona-Fälle auftreten, strikt von anderen getrennt werden müssen. Die häufigen Testungen binden ebenso viele Ressourcen.

„Wir merken auch bei uns, dass die Fallzahlen deutlich nach oben gehen, quer durch alle Altersstufen“, sagt Matthias Rieger. Eine Klasse habe er aufgrund zu vieler Corona-Fälle schon für eine starke Woche in den Fernunterricht schicken müssen, am Mittwoch dürfen die Schülerinnen und Schüler wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren.

Schulleiter: „Ich glaube, das ist auch noch nicht die Spitze des Eisbergs.“

An der Wittumschule wird laut Matthias Rieger deutlich, dass ein Corona-Fall in einer Klasse oft auch weitere mit sich bringt. In vorherigen Corona-Wellen sei das nicht immer der Fall gewesen. „Die Ansteckungsgefahr ist jetzt höher“, stellt Matthias Rieger deshalb fest. Wobei meistens nicht nachvollziehbar sei, ob die Schülerinnen und Schüler sich in der Schule angesteckt haben oder im privaten Umfeld, da sie sich oft auch außerhalb der Klassenräume kennen und treffen. Das Infektionsgeschehen sei nicht mehr überblickbar. „Ich glaube, das ist auch noch nicht die Spitze des Eisbergs“, prophezeit Rieger.

Positiv vermerkt er, dass die Krankheitsverläufe in der aktuellen Corona-Welle wohl tatsächlich milder ausfallen, das sei zumindest die Rückmeldung, die er erhalte. „Das spricht sich auch rum unter den Leuten“, sagt er. „Dadurch schlägt mir persönlich eine recht positive Stimmung entgegen, selbst wenn ich mal eine Maßnahme ergreifen muss, die eine Klassenschließung beinhaltet.“ Die Eltern sähen die Situation realistisch, die Angst, die am Anfang der Pandemie bestanden habe, bestehe bei den meisten nicht mehr in diesem Umfang, auch wenn sich einige natürlich weiterhin sorgten. Damals sei die Erkrankung „fast wie ein Stigma“ wahrgenommen worden, Eltern hatten sich bei dem Schulleiter für die Corona-Erkrankung ihrer Kinder entschuldigt. „So wird das nicht mehr gehandhabt, es ist klar, dass wir einfach ein diffuses Infektionsgeschehen haben.“

Präsenzunterricht als beste Lösung

Im Kollegium sei die Angst vor schweren Verläufen einer Corona-Infektion an der Wittumschule eher gering, da die Impfquote bei den Lehrerinnen und Lehrern laut Matthias Rieger sehr hoch ist. „Es gibt schon auch welche, die lieber ein bisschen vorsichtiger sind, aber eine richtige Angst nehme ich nicht mehr wahr“, so Rieger. Er plädiert trotz der hohen Corona-Zahlen dafür, die Schulen offen zu halten. „Die Schule vor Ort funktioniert einfach am besten.“

Die Omikron-Welle sorgt momentan für historisch hohe Infektionszahlen. Die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis ist inzwischen auf knapp 1000 angestiegen. Und ein Ende der fünften Corona-Welle ist nicht in Sicht. Die Sorge wächst, dass es wegen vermehrter Quarantänefälle zu Einschränkungen beim öffentlichen Leben kommt. Wie ist die Situation an den Schulen?

„Deutliche Steigerung“ der positiven Fälle an der Hohbergschule

„Die Einschläge werden härter“, sagt Rektor Jürgen Groitzsch.

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