Plüderhausen

Das Plüderhäuser Theaterbrettle war sein Leben: Rolf Ottenbacher ist tot

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Rolf Ottenbacher, auch genannt „Oberbrettle“ in seinem Element auf der Bühne des Plüderhäuser Theaterbrettles. © Alexandra Palmizi

„Das ist mein Leben hier“, sagte Rolf Ottenbacher einst im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Rede war vom Plüderhäuser Theaterbrettle, das er mitgegründet und aufgebaut hat – und das ohne den Ur-Plüderhäuser sicher nicht zu dem geworden wäre, was es heute ist: nämlich eine weit über Plüderhausen hinaus bekannte Institution im Mundarttheater. Jetzt ist Ottenbacher im Alter von 84 Jahren verstorben.

Mehr als 1200 Auftritte mit dem Theaterbrettle

„Oberbrettle“ nannte man ihn auch anerkennend, denn er war es, der 1986 zusammen mit seinen bereits verstorbenen Brüdern Heinz und Werner nicht nur das Theaterbrettle gründete. Ottenbacher war auch 26 Jahre lang Erster Vorsitzender sowie Ehrenvorsitzender. Und er standt an die 1200 Mal selbst auf der Bühne, spielte dabei viele Hauptrollen, bevor er sich vor vier Jahren aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurückzog.

„Rolf Ottenbacher war 150 Prozent Theatermensch“, sagt Martina Schmid, die Vorsitzende des Theaterbrettle. Ottenbacher gab in seiner aktiven Zeit so gut wie alles für den Verein. Er stand nicht nur auf der Bühne und dem Verein vor. Eine Zeit lang betrieb er auch die Wirtschaft im Theaterbrettle. Er übernahm die Kartenreservierungen sowie deren Verkauf. Und organisierte für den Verein die beliebten Fahrten zu den Opernfestspielen nach Verona. Gäbe es das Theaterbrettle nicht, „würd i bucklig romlaufa und warta, bis das Leben vorbei ist“, meinte er im Gespräch mit der Zeitung zu seinem Abschied von der Bühne vor vier Jahren scherzhaft.

Der Höhepunkt: Das eigene Theaterhaus am Kitzbüheler Platz

Ottenbacher war von Beruf Versicherungsvertreter, betrieb in Plüderhausen die Generalagentur der Württembergischen. Darüber hinaus baute er die Landesgirokasse im Ort mit auf und hatte ein Reisebüro. Das Theaterbrettle war ihm aber so wichtig, dass er 2006, im Alter von 59 Jahren, seine Generalagentur dafür aufgab.

Als „absolutes Highlight“ seiner aktiven Zeit bezeichnete er einmal das Gebäude am Kitzbüheler Platz, in dem der Verein sein Domizil hat. (Zuvor war der Verein in der Hohbergstube zu Gast). 1987 kaufte das Brettle ein leerstehendes Bürogebäude in Winnenden, verpflanzte es nach Plüderhausen und baute es in viel Eigenarbeit aus. Eine Baracke sei das gewesen, erinnert sich Bürgermeister Andreas Schaffer. Der Verein habe das mit viel Engagement fachgerecht eingerichtet. „Mittlerweile ist das eine hochwertige Bühne“.

"Ein lebensfroher, sehr angenehmer Mensch"

Hochwertig sei auch der Inhalt: „Das ist qualitätvolles Mundarttheater“, findet Schaffer. Und erfolgreich obendrein: bevor die Corona-Pandemie den Betrieb stoppte, mit in der Regel 50 Auftritten pro Jahr – alles komplett selbst und ehrenamtlich von den Vereinsmitgliedern organisiert. „Dass das so lange Zeit gehalten hat, war auch sein Verdienst“, sagt Schaffer, der Ottenbacher wie folgt beschreibt: „Er war ein lebensfroher, sehr angenehmer Mensch. Er war verlässlich, bei ihm sind die Fäden zusammengelaufen.“ Und er habe immer alle motiviert, mitzumachen.

„Es war seine Idee, er war die treibende Kraft“, sagt seine Witwe Ursula Ottenbacher zu dem Gebäude am Kitzbüheler Platz. „Er war ein Macher und ein Organisationstalent.“ Der Verein habe damals aber auch viele freiwillige Helfer sowie die Unterstützung örtlicher Handwerker gehabt.

Apropos Kitzbüheler Platz: Auch das war eine Idee von Ottenbacher. Er brachte die Kitzbüheler Heimatbühne nach Plüderhausen. Über den Zeitraum von rund 20 Jahren trat die Theatergruppe immer wieder in Plüderhausen auf. Umgekehrt waren die Remstäler auch schon in Tirol zu Gast. „Ganz lange hat uns eine intensive Freundschaft verbunden“, berichtet Ursula Ottenbacher.

Mehrfach ausgezeichnet für sein Engagement

Für sein ehrenamtliches Engagement erhielt Rolf Ottenbacher unter anderem die Brunnenmedaille der Gemeinde, die Ehrennadel des Landes sowie eine Auszeichnung vom Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg.

„Er war sehr rührig, immer aktiv, er hatte immer etwas am Laufen“, sagt Ursula Ottenbacher über ihren verstorbenen Mann. „Manchmal war er auch ungeduldig. Zum Schluss hin ist er aber sehr demütig geworden durch die Krankheit.“ Zuletzt habe er oft ein schlechtes Gewissen gehabt, weil er nicht mehr aktiv mithelfen konnte - und sich gesorgt um das Theaterbrettle in Corona-Zeiten. „Seine große Sorge war das Brettle bis ganz zum Schluss“, sagt auch die Vereinsvorsitzende Martina Schmid.

Mit dem Theaterspielen kam Rolf Ottenbacher übrigens schon sehr früh in Berührung. In der Nachkriegszeit war er als 18-Jähriger Teil einer Laienspielgruppe. Gemeinsam mit seinen Brüdern Heinz und Werner trat er zudem wiederholt bei der Stuttgarter Karnevalsgesellschaft „Zigeunerinsel“ mit einer eigenen Kabarett-Nummer auf, die den Brüdern auch international Auftritte bescherte, unter anderem in New York. Gemeinsam gründeten sie schließlich den Theaterverein.

Seine zweite Leidenschaft galt der Musik

Ottenbacher war auch über das Theater hinaus in Plüderhausen aktiv. Seine zweite Leidenschaft galt der (klassischen) Musik. 66 Jahre lang war er Mitglied der Sängervereinigung, dort hat er auch seine zweite Frau Ursula kennengelernt. Zuletzt war er Ehrenmitglied des Gesangsvereins, in dem er 35 Jahre lang aktiv sang. Ein Vierteljahrhundert lang war er dort als Vize-Chorleiter aktiv, 17 Jahre lang Jugendreferent. Er baute in dieser Zeit den Jugendchor auf. Außerdem war er sechs Jahre lang im Ausschuss des Vereins – und hat in dieser Zeit den Verein entscheidend geprägt.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Rolf Ottenbacher am 20. Mai nach langer Krankheit verstorben. Er hinterlässt aus erster Ehe drei Töchter, aus zweiter Ehe eine Tochter, wie mehrere Enkelkinder und Urenkel. Am Dienstag, 8. Juni, wird er auf um 13 Uhr dem Friedhof in Plüderhausen beigesetzt. Die Angehörigen bitten, von Beileidsbekundungen am Grab abzusehen.

„Das ist mein Leben hier“, sagte Rolf Ottenbacher einst im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Rede war vom Plüderhäuser Theaterbrettle, das er mitgegründet und aufgebaut hat – und das ohne den Ur-Plüderhäuser sicher nicht zu dem geworden wäre, was es heute ist: nämlich eine weit über Plüderhausen hinaus bekannte Institution im Mundarttheater. Jetzt ist Ottenbacher im Alter von 84 Jahren verstorben.

Mehr als 1200 Auftritte mit dem Theaterbrettle

„Oberbrettle“ nannte man ihn auch

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