Plüderhausen

Die verhinderte AfD-Kandidatur

ortsschild Plüderhausen symbol symbolbild
Ortsschild von Plüderhausen. © Joachim Mogck

Plüderhausen. Zur Kommunalwahl wird die AfD im Rems-Murr-Kreis nur in vier Großen Kreisstätten antreten. Für Plüderhausen ist keine Liste vorgesehen. Zwei Plüderhäuser, darunter ein AfD-Mitglied, wollten deshalb auf eigene Faust in den Gemeinderat. Der Versuch scheiterte jedoch an einer nötigen Unterschrift aus dem Ortsverband der Partei.

Corinna Daiß ist verletzt, erschüttert, hat am Donnerstag, wie sie sagt, viel geweint. Denn sie fühlt sich hintergangen. Und das ausgerechnet von der Partei, für die sie arbeitet (der sie aber nicht angehört). Daiß ist Mitarbeiterin des Heidenheimer AfD-Landtagsabgeordneten Heiner Merz.

Max-Eric Thiel, seit den ersten Tagen Mitglied der AfD und stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbands (der neben Schorndorf auch Urbach und Plüderhausen repräsentiert), sagt hingegen: Aus formalen Gründen habe er gar nicht anders entscheiden können.

Keine Unterstützung vom Kreisverband

Daiß hatte zusammen mit einem AfD-Mitglied unabhängig von der Partei beschlossen, für den Gemeinderat zu kandidieren. Diesem Vorhaben hatte der Kreisverband keine Unterstützung zugesagt, wie ein internes Schreiben zu der Sache vom Oktober vergangenen Jahres belegt, das uns vorliegt. Wenn sie kandidieren wollten, so müssten sie das selbstständig organisieren, heißt es dort. Denn: Die AfD Rems-Murr hatte beschlossen, dass nur dort eine Liste im Namen der Partei antreten wird, wo mindestens die Hälfte der Plätze besetzt werden kann. Um die Chancen zu erhöhen, in Fraktionsstärke einziehen zu können, wie Thiel erklärt. Dies war aber nur in vier Großen Kreisstädten der Fall.

Daiß wollte trotzdem in den Gemeinderat einziehen, und das unter dem Label der AfD, deren Interessen sie nach eigenem Bekunden vertritt, auch wenn sie kein Mitglied ist. Zusammen mit einem Plüderhäuser AfD-Mitglied organisierte sie eine Wahlveranstaltung, lud, so sagt sie, ordnungsgemäß ein, wurde nominiert und reichte die Unterlagen beim Gemeindewahlausschuss ein. Dort wurde ihr beschieden, dass so weit alles korrekt und fristgerecht gewesen sei. Doch dass noch nötige Unterschriften aus dem Ortsverband fehlten. Die bekamen die beiden Kandidaten dann aber nicht.

Formalie oder persönliche Gründe?

Denn sowohl der Ortsverbands-Vorsitzende Martin Huschka* als auch Max-Eric Thiel weigerten sich, ihre Unterschrift abzugeben. Aus Thiels Sicht waren die notwendigen Formalien nicht erfüllt. Es sei bei der Veranstaltung etwa niemand vom Orts- oder Kreisverband anwesend gewesen, auch er selbst nicht. Eine Einladung dazu habe er nie erhalten, „Wie hätte ich da unterschreiben können, dass alles korrekt abgelaufen ist?“

Daiß widerspricht und vermutet vielmehr persönliche Gründe. „Thiel blockiert uns absichtlich, weil er uns nicht leiden kann.“

Viel Zustimmung im Ort

Dabei habe sie im Ort viel Zustimmung erhalten für ihre Kandidatur. Die dreifache Mutter nennt unter anderem den nicht barrierefreien Bahnhof als Grund, sich im Gemeinderat engagieren zu wollen. Doch daraus wird nun nichts. Dass ein Mitglied der Partei, hinter deren Zielen sie steht, ihre Kandidatur verhindert habe, empfinde sie als besonders bitter.

Persönliche Gründe hätten keine Rolle gespielt, sagt Thiel. Er folge vielmehr der Linie des Kreisverbandes. Eine Liste in Plüderhausen sei nicht vorgesehen. Und bei selbstständigen Kandidaturen wären die Parteigremien nicht zuständig. Wenige Stunden vor Ende der Einreichungsfrist (Donnerstag, 18 Uhr) für die Gemeinderatswahl sei er dann um eine Unterschrift gebeten worden. Die habe er dann aber aus den genannten Gründen nicht geleistet.

Daiß konnte deshalb keinen Wahlvorschlag mehr abgeben. Es wird in Plüderhausen bei dieser Wahl keine AfD-nahe Liste geben. Und dass Corinna Daiß noch einmal den Versuch wagt, darf - Stand jetzt - als eher unwahrscheinlich gelten.

*Anmerkung: In der ersten Version des Artikels hatten wir geschrieben, dass Martin Huschka die Liste mit seiner Unterschrift unterstützt hat. Huschka dementiert dies.