Plüderhausen

Ehemaliges Bischoff-Areal in Plüderhausen: Aus Gewerbe- soll Wohnfläche werden

Firma Bischoff
Seit den neunziger Jahren liegt die Fläche brach. © ALEXANDRA PALMIZI

Eigentlich sollte in der letzten Sitzung vor Weihnachten nur die Aufstellung einer Bebauungsplan-Änderung verabschiedet werden. Damit sollte der Weg geebnet werden für ein Bauprojekt der Kreisbau in Plüderhausen. Sein grundsätzliches Einverständnis dafür hatte der Gemeinderat bereits erteilt. Zu beschließen hatte das Gremium lediglich die Abgrenzung des Gebiets für ein späteres Bauvorhaben – und damit „ein politisches Signal“, wie Bürgermeister Andreas Schaffer betonte.

Wieso schöpft die Gemeinde nicht selbst den Mehrwert ab?

Doch Carlo Fritz, FW-FD-Gemeinderat, wollte lieber noch einmal ganz grundsätzlich über das Areal sprechen. Es handelt sich dabei um das ehemalige Bischoff-Areal. Seit der Geschäftsaufgabe des ehemaligen Automobilzulieferers in den neunziger Jahren liegt die Fläche brach. „Wenn wir beschließen, aus dem Gewerbegebiet jetzt ein Baugebiet zu machen, dann steigt der Wert.“ Wieso, fragte Fritz, erwäge man in diesem Fall eigentlich kein Aufkaufverfahren? Er kenne das aus anderen Kommunen – und es habe nur Vorteile. „Wir müssten dazu in Vorleistung gehen, könnten dann aber auch den Mehrwert abschöpfen.“ Er schlug deshalb vor, „dass es die Gemeinde selbst in die Hand nimmt und versucht, diesen Grund und Boden aufzukaufen“.

„Ich verstehe Sie gut, Herr Fritz“, sagte Bauamtsleiter Ludwig Kern. „Das Verfahren ist aber zu weit fortgeschritten, als dass wir da noch einsteigen könnten. Und mit dem Aufstellungsbeschluss vergeben wir uns nichts, es wird im Prinzip nur die Umfassungslinie eines Verfahrens festgelegt.“ Bürgermeister Schaffer meinte außerdem, „wenn wir das vor zwei Jahren vorgeschlagen hätten, hätten wir keine Mehrheit im Gemeinderat bekommen“.

Verfahren zu weit fortgeschritten

„Wir vergeben uns nichts?“, fragte Reiner Schiek (CDU) rhetorisch. „Ich habe schon so oft erlebt, dass wir einen solchen Beschluss fassen - und nachher sagen Sie uns, wir sind schon zu weit.“

Claudia Jensen (FW-FD) meinte, sie sei grundsätzlich derselben Meinung wie Fritz, das Verfahren sei aber auch aus ihrer Sicht schon zu weit fortgeschritten. „Können wir nicht künftig schauen, wo wir Grundstücke aufkaufen können? Das machen wir zu wenig.“ Bürgermeister Schaffer sagte, das könne man, aber er wundere sich schon ein wenig über diesen plötzlichen Schwenk. „Das Grundstück war zehn Jahre auf dem Markt.“ Jetzt, wo private Investoren in Vorleistung gegangen sind, komme das Gremium mit solchen Ideen an. Seit zwei Jahren werde bereits daran geplant, und das mit einem der erfahrensten Planer für Konversionsflächen überhaupt.

Entscheidungen müssen verlässlich sein, findet Bürgermeister Schaffer

„Man kann dem Investor doch anbieten, dass er das uns in Rechnung stellt, aber wir sind dann Herr im Ring. Jetzt schöpft es die Kreisbau ab“, meinte Carlo Fritz. Schaffer erinnerte noch einmal daran, dass der Gemeinderat bereits eine Grundsatzentscheidung getroffen hat für dieses städtebauliche Projekt, „da müssen wir ein Stück weit verlässlich sein. Das wäre ja ein tolles Signal an die Investoren, wenn Plüderhausen seine Versprechungen nicht einhält“.

Das sah Markus Proschka (CDU) ähnlich. Er sagte, „das hätten wir vor zwei Jahren machen müssen“. Jetzt, wo alles geklärt sei, zu sagen, das mache Plüderhausen jetzt selber, halte er für falsch.

Wohnquartier mit Sozialwohnungen

Ob die Gemeinde dennoch etwas von dem Mehrwert abschöpfen könne, wollte Erich Wägner (GLU) wissen. „Wir können einen Umlegungsvorteil abschöpfen, aber keinen Planungsvorteil“, antwortete Bauamtsleiter Kern. „Das ist bitter, aber es ist so. Wenn wir aus Gewerbeflächen Wohnflächen machen, geht das leider nicht.“

Das Konzept der Kreisbau sieht ein Wohnquartier vor, das auch Sozialwohnungen beinhaltet. Silvan Vollmar (FW-FD) wollte wissen, ob der soziale Wohnungsbau jetzt schon verbindlich festgeschrieben werden könne. „Im Zusammenhang mit einem Aufstellungsbeschluss können wir das nicht machen“, sagte Bürgermeister Schaffer. Dazu sei eine gesonderte Vereinbarung nötig. Aber da der Kreis Millionensummen für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt hat und man in Plüderhausen in diesem Bereich bereits gute Erfahrungen mit der Kreisbau gemacht habe, gab er sich zuversichtlich. Außerdem erwarte er, dass die Gemeinde von dem Projekt der Kreisbau finanziell profitiere – und zwar gerade wegen der Sozialwohnungen, die sie nicht selbst bauen müsse, „das ist in den ersten 20 Jahren nämlich defizitär“.

So stimmten die Räte ab

Angesichts der Skepsis mancher Räte schlug Schaffer vor, das Konzept der Investoren in einer Sondersitzung vorzustellen. „Dann warten wir doch so lang“, kommentierte das Carlo Fritz, der eine Vertagung des Themas beantragte. Diese fand bei sieben Jastimmen, sieben Neinstimmen und vier Enthaltungen jedoch keine Mehrheit.

Im Gegensatz zur Aufstellung des geänderten Bebauungsplans, den 13 Gemeinderäte befürworteten. Drei stimmten dagegen, drei enthielten sich.

Eigentlich sollte in der letzten Sitzung vor Weihnachten nur die Aufstellung einer Bebauungsplan-Änderung verabschiedet werden. Damit sollte der Weg geebnet werden für ein Bauprojekt der Kreisbau in Plüderhausen. Sein grundsätzliches Einverständnis dafür hatte der Gemeinderat bereits erteilt. Zu beschließen hatte das Gremium lediglich die Abgrenzung des Gebiets für ein späteres Bauvorhaben – und damit „ein politisches Signal“, wie Bürgermeister Andreas Schaffer betonte.

Wieso schöpft

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