Plüderhausen

Finanzlage erschwert notwendige Straßensanierungen in Plüderhausen

Welzheimer Straße
Einer der Straßenabschnitte, die dringend saniert werden müssen, ist die untere Welzheimer Straße in Plüderhausen. © Gabriel Habermann

Der Zustand der Straßen wurde bei einer Umfrage des Zeitungsverlags zur Kommunalwahl 2019 als das mit Abstand wichtigste Thema in Plüderhausen benannt. Ein Ergebnis, das manchen in der Gemeinde überraschte – auch Kommunalpolitiker, die eher die prekäre Finanzlage für das entscheidende Thema hielten.

Doch die Infrastruktur einer Gemeinde ist ein Bereich, der nun mal alle betrifft – und daher auch für jeden Bürger relevant ist. Entsprechend einig waren sich die Gemeinderatsfraktionen (mit Ausnahme der Grünen Liste Umwelt), dass in diesem Bereich etwas getan werden muss.

Mehrere Millionen Euro wären notwendig für Maßnahmen 

Die Verwaltung hat den Investitionsbedarf auf mehrere Millionen Euro geschätzt, unter anderem für Sanierungen in der Zehntgasse, der Mühlstraße West, der unteren Welzheimer Straße, weitere kleinere Maßnahmen sowie die Sanierung der Feldwege. Sorgen bereitet seit längerem zudem das Wasserleitungsnetz. Bis zu 30 Prozent der Menge versickert auf dem Weg zum Wasserhahn.

Auch bei zahlreichen Gemeindestraßen, die in der Nachkriegszeit entstanden - und mittlerweile in die Jahre gekommen sind -, hat die Verwaltung mittelfristig einen Handlungsbedarf festgestellt.

Das ist nun ein gutes Jahr her – was ist seitdem in der Sache passiert?

Große Wasserverluste im Leitungsnetz

Im Herbst 2019 hat die Gemeinde das Problem des enormen Wasserverlusts angegangen. Eine Kooperation mit der Landeswasserversorgung, die sich seitdem um die technische Instandsetzung kümmert, soll für Abhilfe schaffen. Erste Maßnahmen an Stellen mit extremem Verlust sind laut Verwaltung bereits erfolgt.

Anfang März fand in Plüderhausen außerdem eine große Verkehrsschau statt. Alle drei Jahre wird diese organisiert. Außer Gemeindevertretern nahmen unter anderem auch das Landratsamt, die Polizei sowie Vertreter der Bahn daran teil.

Wichtige Maßnahmen bei Verkersschau besprochen

Begutachtet wurden im Rahmen der Schau die Bahnübergänge, alle Kreis-, Bundes- und Landesstraßen sowie eine Reihe von Gemeindestraßen. Es ging dabei unter anderem um den besten Standort für einen Behindertenparkplatz, Fußgängerüberwege sowie Lkw-Durchfahrtsver- und -gebote. Bis zu dreißig Punkte seien dabei thematisiert worden, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer. Folgende Themen hat die Verwaltung im Nachgang als besonders wichtig herausgestellt.

  • Aufgegriffen wurde bei der Schau die Kritik an dem Anfang 2019 eingerichteten Behindertenparkplatz (wir haben darüber berichtet). Da dieser am Standort am Brunnenplatz von manchen als etwas zu weit von der Hauptstraße entfernt schien, wurden Alternativstandorte begutachtet. Den Platz vor der Kreissparkasse, der im Gemeinderat vorgeschlagen wurde, haben die Experten aus Sicherheitsgründen jedoch abgelehnt. Dafür empfahlen sie den untersten Parkplatz am Grünen Anger, der an der Einmündung der Brunnenstraße zur Hauptstraße liegt, als Alternative.
  • Vergangenes Jahr wurde die Wilhelm-Bahmüller-Straße saniert und verbreitert. Die Gemeinde möchte diese künftig für den Lkw-Verkehr freigeben, der dann über die Abfahrt am Badesee ins Industriegebiet fahren könnte. Damit soll der Plüderhäuser Süden, insbesondere die Lerchen-, Schurwald- und Adelberger Straße vom Schwerlastverkehr befreit werden. Bei einem Testversuch im Sommer 2019 habe es laut Verwaltung keine Probleme damit gegeben. Die Verkehrsbehörde hat den Vorschlag jedoch bei der Schau abgelehnt. Denn die Fahrbahn sei an einer Engstelle auf Lorcher Gemarkung am Badesee zu unübersichtlich - und müsste ausgebaut werden. Dafür wäre jedoch ein Grunderwerb notwendig. Bürgermeister Schaffer will in der Sache mit Lorch ins Gespräch kommen.
  • Am Badesee wird es keinen Zebrastreifen oder eine Ampel geben. Außerorts sei das nicht zulässig. Alternativ soll es aber das Verkehrszeichen „Vorsicht Fußgänger“ sowie entsprechende Bodenmarkierungen geben, um die Sicherheit für die Fußgänger zu verbessern.
  • Geprüft wurde im Rahmen der Schau ein neuer Fußgängerüberweg an der Einmündung von der Lerchenstraße in den Elsternweg. Ein Problem könnte an dieser Stelle jedoch der Abstand zur bestehenden Bushaltestelle sein.

Seit Wochen herrscht Personalnot im Rathaus

Die große Verkehrsschau wurde noch kurz vor dem Lockdown durchgeführt. Seitdem sind bei der Verwaltung die Ergebnisse noch nicht bearbeitet worden. „Wir haben gerade personell ein Riesendefizit“, sagt Bürgermeister Schaffer. Neben unbesetzten Stellen und Krankheitsfällen nennt er auch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen für Mitarbeiter mit Kindern als Ursachen.

Hinzu kommt, dass sich die prekäre finanzielle Situation der Gemeinde, die sich schon vor der Kommunalwahl eine Haushaltsperre verhängte und Investitionen zurückhielt, noch einmal verschärft hat. Unerwartete Mehrkosten bei verschiedenen Projekten hatten im Gemeinderat für Unmut gesorgt. Eine Haushaltsstrukturkommission wurde im Frühjahr eingerichtet, die nach dauerhaften Einsparmöglichkeiten sucht. Die Coronakrise hat die Einnahmesituation der Gemeinde jetzt noch zusätzlich verschlechtert.

Bürgermeister verweist auf zahlreiche Investitionen der vergangenen Jahre

Viel sei zuletzt investiert worden, entgegnet Bürgermeister Schaffer. Von 2017 bis 2019 seien rund 590 000 Euro für die Straßenunterhaltungen im Haushalt eingestellt gewesen. Außerdem habe die Verwaltung die Mühlstraße Ost, die Remsstraße, den Hunsrückweg, die Bahnhofsstraße samt Umfeld sowie die Bahmüllerstraße und den Weg zum Badesee ertüchtigt.

In diesem Jahr seien vor allem kleinere Maßnahmen durchgeführt worden, etwa der Austausch von Schachtabdeckungen.

„Wir haben noch einiges zu tun“, sagt Schaffer. Aufgrund der Finanzlage seien vorerst aber keine größeren Maßnahmen geplant. Auch der Betrag für die Instandhaltung der Straßen werde geringer ausfallen als in den Jahren zuvor.

Der Zustand der Straßen wurde bei einer Umfrage des Zeitungsverlags zur Kommunalwahl 2019 als das mit Abstand wichtigste Thema in Plüderhausen benannt. Ein Ergebnis, das manchen in der Gemeinde überraschte – auch Kommunalpolitiker, die eher die prekäre Finanzlage für das entscheidende Thema hielten.

Doch die Infrastruktur einer Gemeinde ist ein Bereich, der nun mal alle betrifft – und daher auch für jeden Bürger relevant ist. Entsprechend einig waren sich die Gemeinderatsfraktionen

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