Plüderhausen

Flüchtlings-Aufnahme: Plüderhausen bald am Anschlag, Appell des Bürgermeisters

Adelberger Straße
Das Haus der Gemeinde in der Adelberger Straße 18 soll abgebrochen werden, um für einen Neubau Platz zu machen, in dem Flüchtlinge und Obdachlose unterkommen können. © Benjamin Büttner

Es dürfte niemanden mehr überraschen, der die Nachrichten verfolgt: Auch in Plüderhausen droht eine Belegung von Sporthallen zur Aufnahme von geflüchteten Menschen – „wenn es so weitergeht“, so sagte Bürgermeister Benjamin Treiber im Gemeinderat. „Ich habe das Gefühl, dass wir hier im Stich gelassen werden durch die übergeordneten politischen Ebenen.“ Im Gegenzug lobte er die große Bereitschaft der Plüderhäuser, privat Menschen aufzunehmen. Er appellierte aber auch: „Wir sind darauf angewiesen, dass weiterer freier Wohnraum zur Verfügung gestellt wird.“

Sonst werde es so kommen, dass man irgendwann über öffentliche Gebäude wie Sporthallen als Notunterkünfte reden müsse. Im Gespräch mit unserer Zeitung präzisiert Benjamin Treiber die derzeitige Lage: „Wir kommen aktuell noch der Verpflichtung nach und erfüllen die Aufnahmequote. Und wir können das voraussichtlich auch bis Ende des Jahres so halten.“ Vor allem die Ukrainer sind bisher privat untergekommen. Laut Treiber wohnen derzeit lediglich zehn von 74 Ukrainern in Plüderhausen in Wohnungen der Gemeinde (Stand Dienstag, 11. Oktober).

Treiber könnte den OB-Brandbrief unterschreiben

Im Gemeinderat sagte Treiber zu dem Brandbrief, den die Oberbürgermeister-Kollegen aus dem Kreis kürzlich an Bund und Land adressiert haben: „Da könnte ich jeden Satz unterschreiben.“ Es stimme: Die Kommunen sind am Rande der Belastbarkeit angekommen. „Wir sind uns alle einig, dass wir gerne helfen, aber dafür auch die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen vom Land.“ Aus dem Gemeinderat nahm er die Bitte mit, mit den Bürgermeister-Kolleginnen und -Kollegen in der Nachbarschaft zu sprechen, ob nicht von ihnen auch ein entsprechender Appell lanciert werden kann. Den öffentlich viel beachteten Brandbrief hatten die sechs Oberbürgermeister im Kreis verschickt.

Im Gemeinderat ging es nicht nur um die schwierige Gesamtsituation, sondern auch um konkrete Pläne der Gemeindeverwaltung zur Schaffung von mehr und besserem Wohnraum für geflüchtete Menschen und Obdachlose. Das Gremium stimmte dem vorgelegten Konzept mehrheitlich mit einer Gegenstimme zu. Dieses Konzept sieht als zentralen Punkt vor, das Haus in der Adelberger Straße 18 abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Es ist alt und in einem schlechten Zustand.

„Wenn man sich das Gebäude allein von außen anschaut, sieht man, warum wir das abbrechen müssen“, sagt Bürgermeister Benjamin Treiber. Die Energie- und Unterhaltskosten für das Haus seien extrem hoch. Zuletzt sei dort für eine Zeit lang eine ukrainische Familie untergekommen. Da sei nicht einmal eine Küche drin gewesen, die hätte die Familie selbst eingebaut.

Neubau für 18 bis 35 Personen

Mit dem Neubau, so der Plan der Gemeinde, könnten dann an dem Standort mehr Menschen unterkommen als bisher. Wie viele genau, dazu könne er derzeit noch nichts sagen, bevor man konkreter geplant habe, so der Bürgermeister. Es werde wohl kleine, flexible Wohneinheiten geben, die von Familien oder Einzelpersonen bewohnt werden könnten, ähnlich wie im vor einigen Jahren entstandenen Gebäude in der Schulstraße. In der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat ist von, je nach Größe des neuen Hauses, möglichem Platz für zwischen 18 und 35 Personen die Rede.

Mit der größeren Unterbringungskapazität an der Stelle wäre es dann möglich, sich von anderen, ebenfalls veralteten und im Unterhalt teuren Immobilien der Gemeinde zu trennen, so das Konzept weiter. Es könnten dann auch kommunale Grundstücke verkauft werden, um wiederum den Neubau in der Adelberger Straße teilweise mitzufinanzieren. Bei grob geschätzten Baukosten von 1,6 Millionen Euro hofft die Gemeinde zudem auf einen Zuschuss von 400.000 Euro aus einem Förderprogramm des Landes. Wie die Finanzierung genau aussieht und ob dazu Grundstücke oder Immobilien veräußert werden, das soll erst in den anstehenden Haushaltsberatungen diskutiert und beschlossen werden.

Benjamin Treiber denkt an mögliche Verkäufe zum Beispiel an die örtliche Hilde-und-Herrmann-Walter-Stiftung. Damit würde man sicherstellen, dass die Mieten in den Wohnungen dort günstig blieben und keine Baugrundstücke oder Immobilien privatisiert würden.

Die eine Gegenstimme gegen das Immobilienkonzept zur Flüchtlings- und Obdachlosenunterbringung kam von Reiner Schiek (CDU). Er sprach sich dafür aus, zu warten, bis das Land eine bessere Finanzierung solcher Projekte zusichert. Die geringe Förderung sei „ein Witz“.

Bedarf für Geflüchtete und Obdachlose für Jahrzehnte hoch

Was die Hoffnung angeht, die neu gebauten Wohnungen könnten längerfristig als Sozialwohnungen mit günstigen Mieten zur Verfügung stehen, die im Gemeinderat von manchen geäußert wurde, teilt Bürgermeister Benjamin Treiber diese eher nicht. Er geht davon aus, dass der Bedarf für die Flüchtlings- und Obdachlosenunterbringung für Jahrzehnte hoch bleiben wird: „Wenn man sich die Probleme in der Welt anschaut, die klimatischen Veränderungen und die Konflikte.“

Er geht auch davon aus, dass angesichts der aktuellen Preisentwicklungen die Anforderungen im Bereich der Obdachlosenunterbringung für die Gemeinde steigen. „Es wird für viele Menschen eine Herausforderung sein, Miete und Nebenkosten zu zahlen.“ Deswegen sei zu befürchten, dass es mehr Obdachlosen-Fälle gebe.

Er betont: Objekte wie das in der Adelberger Straße seien ausdrücklich für geflüchtete oder asylsuchende und obdachlose Menschen gedacht.

Es dürfte niemanden mehr überraschen, der die Nachrichten verfolgt: Auch in Plüderhausen droht eine Belegung von Sporthallen zur Aufnahme von geflüchteten Menschen – „wenn es so weitergeht“, so sagte Bürgermeister Benjamin Treiber im Gemeinderat. „Ich habe das Gefühl, dass wir hier im Stich gelassen werden durch die übergeordneten politischen Ebenen.“ Im Gegenzug lobte er die große Bereitschaft der Plüderhäuser, privat Menschen aufzunehmen. Er appellierte aber auch: „Wir sind darauf

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