Plüderhausen

Gefährlicher Weg zu Schule und Spielplatz: Eltern aus Plüderhausen wollen Lösung

Kiinder Verkehr
Wann kann ich hier sicher über die Straße? Für Kinder ist das eine nur schwer einzuschätzende Verkehrssituation. © Gabriel Habermann

Kein Gehweg, kein Zebrastreifen, dafür eine schwer einsehbare Straße und Autos, die in hoher Geschwindigkeit um die Kurve fahren: Diese Situation beklagen Anwohner des Falkenwegs in Plüderhausen. Und sie fordern jetzt eine Lösung von der Gemeinde.

Gefährliche Situation in der Lerchenstraße

Wie gefährlich der Gang über die Lerchenstraße tatsächlich ist, das hat Stefanie Klasen erst unlängst wieder einmal erlebt. Da wollte sie mit ihren beiden Kindern vom beliebten Spielplatz in der Straße nach Hause laufen. Eigentlich kein weiter Weg, wohnt sie doch nicht einmal hundert Meter entfernt im Falkenweg. Die Verbindungsstraße, die dazu überquert werden muss, ist aber viel befahren. Je nach Tageszeit kann es also mehrere Minuten dauern, bis die Straße frei ist. „Und es muss dann immer schnell gehen, da sofort das nächste Auto um die Kurve kommt.“

Beim Überqueren passierte es schließlich: Ihr dreijähriger Sohn stolperte und lag mitten auf der Straße. Als sie ihm aufhelfen wollte, rollte der Kinderwagen samt ihrer einjährigen Tochter davon – und dann kam bereits das nächste Auto mit hoher Geschwindigkeit angefahren. „Gott sei Dank war eine weitere Bewohnerin des Falkenwegs in der Nähe und konnte den Kinderwagen schnell und sicher von der Straße bringen, während ich meinen weinenden Sohn von der Straße getragen habe.“

Früher war die Strecke kaum befahren, heute ist es eine Verbindungsstraße

Auch Guiseppe Procaccino hat an der Straße zahlreiche gefährliche Situationen erlebt. Mit seiner Frau Susana lebt er seit vielen Jahren im Falkenweg. Er sah in dieser Zeit, wie der Verkehr immer mehr zunahm. Vor allem, seit die Bundesstraße nicht mehr durch die Ortsdurchfahrt führt und die Lerchen- sowie Schurwaldstraße zu einem wichtigen Verbindungsweg im Ort wurden. Vor 50 Jahren, als das Viertel entstand, endete die Straße noch in einer Sackgasse, es gab damals auch noch kaum Fahrzeuge, die dort unterwegs waren. Heute ist das ganz anders – es gibt beträchtlichen Verkehr. Auch Lastwagen, die von der Bundesstraße ins Industriegebiet unterwegs sind, nutzen die Strecke (Richtung Badesee gibt es nämlich ein Lkw-Durchfahrtsverbot). 50 Stundenkilometer sind hier gesetzlich erlaubt, was den Anwohnern aber zu hoch ist. Und „viele Autos fahren zu schnell um die Kurve herum“, so Procaccino.

Kein Gehweg und kein Zebrastreifen

17 Mädchen und Jungen leben gerade im Falkenweg. Und diese alleine auf den Weg zur Schule, zum Spielplatz oder in die Ortsmitte gehen lassen, das ist den Eltern der jüngeren Kinder schlicht zu riskant. „Das geht nicht“, sagt etwa Kadrias Nantore und zeigt auf den nicht vorhandenen Gehweg auf der Südseite der Lerchenstraße.

Stefanie Klasen führt noch einen weiteren Grund an: Weit und breit gibt es keinen Fußgängerüberweg. „Der nächste Zebrastreifen ist ein paar Hundert Meter weg.“ Das ärgert die zweifache Mutter. Denn „den Kindern wird dadurch die Selbstständigkeit genommen“. Aber auch für Ältere ist die Verkehrssituation an dem Streckenabschnitt schwierig: „Wer mit einem Rollator unterwegs ist, kann nicht rechtzeitig reagieren“, sagt Yannick Schöllhammer.

Hinzu komme eine teils wilde Parksituation rund um den Spielplatz. „Die Autos parken oft bis an die Kreuzung heran“, berichtet Janina Heger, die im gegenüberliegenden Elsterweg wohnt. Immerhin: Im Falkenweg hat die Gemeinde vor einigen Jahren den Kurvenbereich bereits mit einer Zickzack-Linie markiert. Das soll signalisieren, dass dort nicht geparkt werden darf.

Die Wünsche der Anwohner – und was davon gesetzlich möglich ist

Was die Anwohner deshalb fordern? Mehr Verkehrssicherheit durch eine Reduzierung auf 30 Stundenkilometer, einen Fußgängerüberweg und im Idealfall auch einen Gehweg zwischen Zeisig- und Elsternweg.

Doch so einfach dürfte das nicht werden, sagt Bürgermeister Benjamin Treiber, der um die besondere Situation am Falkenweg weiß. Denn Plüderhausen hat keine eigene Verkehrsbehörde und ist von den Entscheidungen des Landratsamts abhängig. „Wir werden das Thema bei der nächsten Verkehrsschau aber vorbringen“, verspricht er. Auch die Schurwaldstraße werde in diesem Zusammenhang thematisiert. In beiden Bereichen sollen Verkehrsmessungen durchgeführt werden. „Ich möchte aber nicht allzu viel Hoffnung machen, dass es da eine Änderung geben wird“, sagt Bürgermeister Treiber.

Weshalb ein Zebrastreifen unrealistisch ist

Alle drei Jahre findet eine Verkehrsschau mit Landratsamt, Polizei und Verwaltung statt. Im Frühjahr 2023 ist die nächste geplant. Doch bereits vor drei Jahren hat das Landratsamt den Wünschen nach einem Fußgängerüberweg eine Absage erteilt, berichtet Sabrina Hollmann vom Ordnungsamt auf unsere Nachfrage. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens sei es aufgrund des fehlenden Gehwegs nicht möglich, die Fußgänger vom Zeisig-, Falken- und Elsternweg zu bündeln. (Gegen einen Gehweg an der Stelle sprächen laut Hollmann die Kosten und die relative Enge der Fahrbahn.) Zweitens müsste für einen Zebrastreifen die Bushaltestelle in der Straße verlegt werden – weil ansonsten keine ausreichende Sicht mehr bestünde, wenn ein Bus hält. Außerdem sehe die Richtlinie für Fußgängerüberwege vor, dass die Straße bei Tempo 50 an einem Überweg auf 100 Meter einsehbar sein muss, was an dieser Stelle nicht geht.

Gemeinde: Tempo 30 wäre denkbar, Verkehrsmessungen ab November

Aus Sicht der Gemeinde wäre eine Temporeduzierung auf der gesamten Strecke von der Lerchen- über die Schurwald- bis zur Adelberger Straße indes durchaus denkbar. Dazu müssten aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein – unter anderem ein Verkehrsaufkommen von 450 Fahrzeugen pro Stunde.

Deshalb finden im November, Dezember und Januar jetzt jeweils für eine Woche durchgängig Verkehrszählungen mit einem Messgerät statt. Rechtzeitig zur Verkehrsschau dürfte dann klar sein, ob die Anwohner eine Chance auf Tempo 30 haben.

Kein Gehweg, kein Zebrastreifen, dafür eine schwer einsehbare Straße und Autos, die in hoher Geschwindigkeit um die Kurve fahren: Diese Situation beklagen Anwohner des Falkenwegs in Plüderhausen. Und sie fordern jetzt eine Lösung von der Gemeinde.

Gefährliche Situation in der Lerchenstraße

Wie gefährlich der Gang über die Lerchenstraße tatsächlich ist, das hat Stefanie Klasen erst unlängst wieder einmal erlebt. Da wollte sie mit ihren beiden Kindern vom beliebten Spielplatz

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