Plüderhausen

Hilfe im Notfall: Wo es in Plüderhausen Defibrillatoren gibt

Defibrillator
DRK-Bereitschaftsleiterin Tina Ramisch (vorne) und Bereitschaftsvertreterin Annamarie Herrmann. © Benjamin Büttner

Im Falle eines Herzstillstands kommt es auf jede Sekunde an. Der Betroffene muss umgehend wiederbelebt werden, nicht jeder weiß aber, wie das geht, oder erinnert sich im Ernstfall an möglicherweise lange zurückliegende Sanitätskurse. Im Rems-Murr-Kreis startete 2017 ein Pilotprojekt zur Bekämpfung von Herzinfarkten. Neben einer Aufklärungskampagne wurden in den vergangenen Jahren an vielen Orten Defibrillatoren installiert, auch in Plüderhausen. Aber wo sind sie in Plüderhausen zu finden? Und wie können Laien sie zuverlässig nutzen?

Tina Ramisch, Bereitschaftsleiterin beim DRK-Ortsverein Plüderhausen, gibt Antworten auf diese Fragen. „Uns geht es auch darum, den Normalbürgern die Angst zu nehmen, zu helfen und die Defibrillatoren zu benutzen“, sagt sie und erklärt zusammen mit der Bereitschaftsvertreterin Annamarie Herrmann wie auch ungeschulte Menschen im Notfall Leben retten können.

Nie den Notruf vergessen

Der Kreislaufstillstand kann laut Tina Ramisch Folge verschiedener Ursachen sein. Grundsätzlich unterschieden werden herzbedingte oder atembedingte Ursachen, zum Beispiel kann es zu einer Atemdepression aufgrund einer Intoxikation etwa durch Drogen kommen. Auch starke Unterkühlung kann einen Herz-Kreislauf-Notfall hervorrufen. Kammerflimmern gehört zum bekanntesten und häufigsten Notfallbild, aber es gibt auch andere Gründe.

Ist der Betroffene bewusstlos, weist aber noch eine normale Atmung auf, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Dabei darauf achten, dass der Kopf überstreckt und der geöffnete Mund den tiefsten Punkt bildet. Dadurch wird sichergestellt, dass die Atemwege frei gehalten werden und Erbrochenes und Blut ablaufen können. Der Betroffene wird so vor dem Ersticken bewahrt.

Stellt der Ersthelfer durch Sehen, Hören und Fühlen jedoch fest, dass der Patient weder bei Bewusstsein ist noch atmet, dann muss die Wiederbelebung unverzüglich eingeleitet werden. Tina Ramisch erläutert: Wenn das Herz stehenbleibt, kann kein Blut und damit kein Sauerstoff in das Gehirn und in die Organe gelangen. Jetzt kommt es auf jede einzelne Sekunde an. Denn der Sauerstoffmangel im Gehirn kann schwerwiegende Folgeschäden mit sich tragen.

Nicht aus Angst vor Fehlern zögern

Zunächst muss der Patient auf eine harte Unterlage gebracht und der Oberkörper frei gemacht werden. Der Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbs ca. im unteren Drittel des Brustbeins, welches man gut tasten kann. Darauf wird der Handballen gelegt, danach deckungsgleich die andere Hand und die Finger angehoben. Mit ausgestreckten Armen und unter Einsatz des eigenen Körpergewichtes drückt man nun senkrecht nach unten. „Es müssen mindestens fünf bis sechs Zentimeter Drucktiefe sein“, so Ramisch. Zusätzlich ist auch die Entlastung zu beachten, damit sich das Herz wieder mit Blut füllen kann. Gedrückt wird mit einer gleichmäßigen Frequenz von 100- bis 120-mal pro Minute. Druck- und Entlastungsdauer sollten gleich sein. Der einzuhaltende Rhythmus lautet: 30-mal drücken und zweimal beatmen.

„Es ist wichtig, keine Angst davor zu haben, etwas falsch zu machen. Der Patient hat in diesem Zustand nichts mehr zu verlieren“, so Tina Ramisch. Ziel der Massage sei es, einen minimalen Kreislauf zu erhalten. Die Herzdruckmassage darf keinesfalls unterbrochen werden, außer wenn ein Schock durch den Defibrillator ausgelöst wird.

Defi führt Helfer durchs Programm

„Der Defibrillator ist ein weiteres Glied in der ganzen Rettungskette“, so Ramisch, „ersetzt aber in keinem Fall die Herzdruckmassage.“ Zweck des automatisierten externen Defibrillators (AED) sei es, bei einer Herz-Rhythmus-Störung durch gezielte Stromstöße das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen. Während der Ersthelfer die Herzdruckmassage durchführt, betätigt der Zweithelfer das Gerät. Da mit Strom gearbeitet wird, ist es auch zur eigenen Sicherheit wichtig, dass der Patient auf trockener Unterlage liegt.

„Es sind nicht alle Defis einheitlich gestaltet, vom System sind sie aber gleich.“ Bei allen Modellen wird genau gesagt, was zu tun ist. Einige Modelle enthalten zusätzlich eine Sprachauswahl. „Der Defi führt die Helfer durch das Programm“, sagt Tina Ramisch. So sage die Sprachsteuerung beispielsweise: „Kleidung vom Brustkorb entfernen, Klebelektroden auf den nackten Brustkorb kleben und fest andrücken.“ Eine Analyse führt das Gerät automatisch durch, es erkennt, ob ein Schock abgegeben werden muss, oder nicht. Denn nicht bei allen Arten der Herz-Kreislauf-Stillstände ist das der Fall. Der Schock selbst wird erst durch das Drücken eines Knopfes ausgelöst, wenn das Gerät sagt: „Schock empfohlen.“

Wo sind Defibrillatoren in Plüderhausen?

Die Defibrillatoren sind mit einem weißen Herzsymbol und grünem Hintergrund gekennzeichnet. Ein öffentlich zugängliches Gerät wurde von der Bürgerstiftung gespendet und befindet sich vor dem Rathaus am Haupteingang. Auch am evangelischen Gemeindehaus gibt es Zugang zu einem der Defibrillatoren. Jener wurde von der evangelischen Kirche finanziert. Zudem befindet sich ein Defi in Walkersbach, in der Praxis „State of Balance“ im Paul-Dorsch-Weg 23. Auch an der Hohbergschule im Gebäude A ist ein Schockgeber platziert. Während des Schulbetriebs ist die Anwendung dieses Defibrillators möglich. In Kürze erfolgt eine weitere Installation in der Hohbergsporthalle.

An der Badestelle wurde ebenfalls ein Schockgeber für die Öffentlichkeit bereitgestellt. Dieses Gerät steht, wie auch der Defibrillator der Firma Bahmüller, aber nur tagsüber zur Verfügung. In der Praxis von Dr. Frederik Häußermann und Dr. Klaus-Dieter Völzke befindet sich ein weiterer Defibrillator, der während der Praxiszeiten zugänglich ist. Tina Ramisch merkt an: „Defis gibt es in vielen öffentlichen Gebäuden und sind auf Fluchtplänen gekennzeichnet. Auch alle unserer Helfer vor Ort sind mit einem Defi ausgerüstet und in kürzester Zeit, meist vor dem Rettungsdienst am Notfallort.“

Im Falle eines Herzstillstands kommt es auf jede Sekunde an. Der Betroffene muss umgehend wiederbelebt werden, nicht jeder weiß aber, wie das geht, oder erinnert sich im Ernstfall an möglicherweise lange zurückliegende Sanitätskurse. Im Rems-Murr-Kreis startete 2017 ein Pilotprojekt zur Bekämpfung von Herzinfarkten. Neben einer Aufklärungskampagne wurden in den vergangenen Jahren an vielen Orten Defibrillatoren installiert, auch in Plüderhausen. Aber wo sind sie in Plüderhausen zu finden?

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