Plüderhausen

Hohbergschule bekommt einen Sozialarbeiter für Problemfälle im Grundschulbereich

gewalttätige Kinder
Mit einer zusätzlichen Stelle sollen Konflikte im Grundschulbereich entschärft werden. © highwaystarz - stock.adobe.com

„Eigentlich ist Plüderhausen von der Schülerschaft her sehr angenehm, aber die Einzelfälle machen uns Sorgen“, sagt Jürgen Groitzsch, Rektor der Hohbergschule. „Es gibt Kinder, die kommen nicht mehr angepasst und sozialisiert in die Schule.“ In jeder Grundschulklasse seien ein bis zwei Fälle, die intensive Betreuung benötigen. „Selbst gestandene Grundschulkollegen haben Warnsignale gesendet, dass sie damit an ihre Grenzen kommen.“

Deshalb hat die Schule die Verwaltung darum gebeten, eine Sozialarbeiterstelle für den Grundschulbereich einzurichten. „Man muss den einzelnen Kindern gerecht werden, und dafür braucht es Zeit.“ Groitzsch betont, dass Schulsozialarbeit keinen Makel darstellt, im Gegenteil: „Das ist für mich ein Prädikat.“ Denn die Probleme, mit denen die Kinder an die Schule kommen, müsse man so früh wie möglich anpacken – und zwar mit einer qualifizierten Fachkraft.

Dass sich der Gemeinderat jetzt mehrheitlich dazu durchgerungen hat, „das ist ein wichtiges Signal in diesen schwierigen Zeiten“, findet Groitzsch. Zusammen mit den Sozialarbeitern der Sekundarstufe sei man damit in Plüderhausen gut aufgestellt.

Kann sich Plüderhausen diese Stelle überhaupt leisten?

Bevor sich das Gremium am Donnerstag mehrheitlich für die Sozialarbeiterstelle aussprach, wurde aber noch ausführlich über das Thema diskutiert. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob sich die finanzschwache Gemeinde eine solche Stelle überhaupt leisten kann – und wenn ja, wie.

Bürgermeister Andreas Schaffer sagte, dass die Gemeinde zwar Bauchschmerzen habe wegen der Mehrkosten, „aufgrund der eindringlichen Appelle der Schule“ habe sich die Verwaltung aber dazu entschieden, eine solche Stelle zu empfehlen.

„Ich möchte dafür werben, das auf jeden Fall zu tun“, sagte Andreas Theinert (CDU). Denn unter den wenigen Kindern, die besondere Aufmerksamkeit benötigen, litten die vielen anderen.

"Wir können kein Geld im Rathauskeller drucken", sagt Gomolzig (CDU)

Michael Gomolzig (CDU), Rektor im Ruhestand, berichtete von seinen eigenen Erfahrungen. Als er 1991 Schulleiter in Remshalden wurde, habe er einen Schulsozialarbeiter angefordert und sei dabei auf breite Ablehnung gestoßen. Sozialarbeit galt damals noch ganz klar als Makel. Es sei aber vielmehr so: „Jede Schule, die das hat, zeigt, dass sie auf Qualität setzt.“ Im Grunde bräuchte es bereits Sozialarbeit im Kindergarten. Doch dann setzte er an zu seinem großen Aber. Denn „bei den Finanzen der Gemeinde wird mir angst und bange. Wer soll das bezahlen?“ Wenn Schulsozialarbeit, dann nur mit einer Umschichtung, nicht mit einer neuen Stelle, forderte der CDU-Rat. „Wir können einfach kein Geld im Rathauskeller kopieren und drucken.“

Claudia Jensen (FW-FD) pflichtete dem bei. „Wir brauchen dringend diese Sozialarbeit in Schulen und Kindergärten. Aber wir sind für beides, funktionierende Schulen und Finanzen, zuständig.“ Deshalb halte sie eine Umschichtung innerhalb der Verwaltung für angebracht.

Dass Schulsozialarbeit teuer sei, das sah auch Erich Wägner (GLU) so, er warb aber für die Einrichtung einer solchen Stelle im Grundschulbereich. Denn „Bildung und Sozialarbeit kosten Geld. Wenn man es bleiben lässt, kostet es unter Umständen noch mehr Geld.“

"Wir müssen diese Kröte schlucken" meint Fritz (FW-FD)

Thomas Reißig (SPD) sprach sich im Namen seiner Fraktion ebenfalls dafür aus: „Wir erachten das als dringende Aufgabe.“ Schon jetzt sei die Schulsozialarbeit im Grunde unterbesetzt. Im Moment gibt es eine 100-Prozent-Stelle für den Sekundarbereich, die sich das Team um Bernd Fetzer neben der offenen Jugendarbeit, auf der ihr Schwerpunkt liegt, aufteilt.

Peik Reitler (FW-FD) sprach sich deshalb gegen eine Umschichtung aus: „Verschieben wäre nur möglich, wenn man die offene Jugendarbeit bleiben lässt. Dann triebe man den Teufel mit dem Belzebub aus.“ Carlo Fritz (ebenfalls FW-FD) sah das genauso: „Wir müssen, auch wenn wir uns weiter verschulden, diese Kröte schlucken, anders geht es nicht.“

Sein Fraktionskollege Silvan Vollmar formulierte dann zwei Bitten: Zum einen stellte er den Antrag, die Stelle zu befristen. So könne man schauen, wie sich der Bedarf entwickelt, und dann gegebenenfalls die Stelle wieder streichen. Zum anderen sei es ihm wichtig, dass die Sozialarbeit in einem gemeinsamen Team stattfindet und nicht Grundschul- und Sekundarbereich gegeneinander arbeiten (was laut der Verwaltung auch genauso geplant ist).

„Geben wir jetzt hier wieder Geld aus ohne Ende, das wir gar nicht haben?“, fragte CDU-Rat Reiner Schiek. Für die Stelle könnte die Gemeinde eine jährliche Landesförderung in Höhe von 8350 Euro erhalten, antwortete Bürgermeister Schaffer.

Vollmars Antrag auf eine Befristung der Stelle wurde dann mehrheitlich abgelehnt. Bei zwei Enthaltungen (Ulrich Scheurer und Michael Gomolzig, beide CDU) beschloss das Gremium die Sozialarbeiterstelle für den Grundschulbereich an der Hohbergschule.

Kindergartenpersonal ist an der Grenze der Belastbarkeit

Großen Förderbedarf gibt es offensichtlich auch im Kindergarten-Bereich. In derselben Sitzung befasste sich das Gremium mit einem Antrag des evangelischen Kirchenbezirks Schorndorf für eine zusätzliche pädagogische Fachkraft im Kindergarten Schlossweg. Auch hier stehe das Personal „an der Grenze der Belastbarkeit“, so Bürgermeister Andreas Schaffer. Deshalb schlug die Verwaltung vor, dem zuzustimmen - wenn auch „schweren Herzens“, denn die Gemeinde müsste die zusätzlichen Personalkosten der 50-Prozent-Stelle komplett übernehmen.

Im Gremium wurde deshalb der Wunsch geäußert, diese Stelle doch bei der Gemeinde und nicht beim evangelischen Träger anzusiedeln. So könne man die Fachkraft bei Bedarf auch in anderen Einrichtungen einsetzen. Davon riet die Verwaltung jedoch ab. Aus seiner Erfahrung berichtete Pascal Schill, zuständig für Schulen und Kindergärten, von „unterschiedlichen Grundhaltungen und Werten“ zwischen kommunalen und kirchlichen Trägern, die bei der Arbeit bisweilen für kleinere Konflikte sorgten. Auch Bürgermeister Schaffer riet davon ab: „Das kann man so machen, ist in der Abwicklung aber nicht unbedingt effektiv.“

Zunehmend "verhaltenskreative" Kinder sorgen für Probleme

Anders als im Schulbereich, wo sich die Probleme laut Schulleiter Groitzsch durch alle Bevölkerungsgruppen ziehen, seien in den Kindergärten viele Kinder mit Migrationshintergrund die Herausforderung. „Es ist eine Art Integration, die wir machen müssen“, sagte Reiner Schiek (CDU), was Bürgermeister Schaffer bestätigte: „Das kann man ruhig so ansprechen, das ist auch so an uns herangetragen worden.“ Im Schreiben des Kindergartens an die Verwaltung ist aber auch die Rede davon, dass es „zunehmend mehr verhaltenskreative Kinder“ gebe, „die oft eine Eins-zu-eins-Betreuung benötigen“.

Michael Gomolzig (CDU) zeigte sich skeptisch, dass eine zusätzliche pädagogische Fachkraft die Situation wirklich verbessert: „Es wird darauf hinauslaufen, dass in zehn Jahren eine Erzieherin für zwei Kinder zuständig ist, weil sie sie nicht bändigen kann – und das macht mir Angst.“ Bürgermeister Schaffer meinte dazu: „Da kann man eigentlich nicht widersprechen, das sehen wir genauso.“ Mehrheitlich beschloss dann das Gremium die Einstellung einer 50-Prozent-Kraft für den Kindergarten, die bei der Gemeinde angestellt wird.

„Eigentlich ist Plüderhausen von der Schülerschaft her sehr angenehm, aber die Einzelfälle machen uns Sorgen“, sagt Jürgen Groitzsch, Rektor der Hohbergschule. „Es gibt Kinder, die kommen nicht mehr angepasst und sozialisiert in die Schule.“ In jeder Grundschulklasse seien ein bis zwei Fälle, die intensive Betreuung benötigen. „Selbst gestandene Grundschulkollegen haben Warnsignale gesendet, dass sie damit an ihre Grenzen kommen.“

Deshalb hat die Schule die Verwaltung darum gebeten,

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