Plüderhausen

Holzkohle-Verkauf am Samstag (27.08.) in Plüderhausen: Köhler erhalten Tradition

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Köhlerverein
Manfred Krautter mit dem diesjährigen Meiler. Im Hintergrund die Hütte, in der die Mitglieder des Vereins nachts schlafen, wenn sie den Meiler bewachen müssen. © ALEXANDRA PALMIZI
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Köhlerverein
Kräftig am Schaufeln: Den Meiler zu bewachen kostet Zeit. © ALEXANDRA PALMIZI

Es ist der größte Meiler, den der Köhlerverein Schwäbischer Wald mit Sitz in Plüderhausen je gebaut hat. Etwa 15 Raummeter hat er, schätzt Manfred Krautter, Vorsitzender des Vereins und Naturparkführer in der Region. Ein angemessenes Projekt für das Zehn-Jahre-Jubiläum des Köhlervereins in diesem Jahr. Aber was kann der Meiler, der für den Laien aussieht, wie ein einfacher Erdhügel, eigentlich? Und was bewegt die Mitglieder des Vereins dazu, sich tagelang die Nächte um die Ohren zu schlagen, um ihn zu bewachen?

Zunächst zur ersten Frage: Wenn die Köhler den Meiler an diesem Samstag aufmachen, wird die Holzkohle in seinem Inneren sichtbar, die auf dem Grundstück beim Ziegenhof Kohl auf traditionelle Art entstanden ist. Ab 11 Uhr bis zum späten Nachmittag lohnt es sich für Schaulustige vorbeizukommen, um den Köhlern bei der Arbeit zuzuschauen oder die lokale Holzkohle zu erwerben. Damit diese entsteht, investieren die Köhler einiges an Arbeit und Zeit.

Wie die Holzkohle im Meiler langsam heranreift - und was schiefgehen kann

Bereits Mitte August hat der Köhlerverein den Meiler auf dem Ziegenhof gebaut. Dafür brauchten sie zunächst eine Bodenplatte aus „Abfallbrettern“, dann platzierten sie eine Richtstange in deren Mitte. Kreisförmig drumherum stellten sie in der sogenannten „Meilerstellung“ möglichst dicht Scheitholz auf. Es folgten eine zweite Schicht Holz und eine Schicht Heu, bevor die Köhler die Richtstange absägen und das Konstrukt mit „Lösche“, einem Erdgemisch von vorangegangenen Meilern, über das Holz geben konnten. Dabei ließen sie die Spitze frei, zündeten den Hügel oben an und ließen ihn erst einmal eine gute halbe bis Dreiviertelstunde kräftig brennen, bevor sie auch die Spitze mit der Lösche abdeckten. Danach kommt es auf das Fingerspitzengefühl und die Erfahrung der Köhler an.

Mit Luftlöchern lenken sie geschickt die Glutfront im Innern des Meilers, die sich langsam über Tage hinweg nach unten ausbreitet, wobei die Holzkohle entsteht. Wenn der Rauch, der dabei aus dem Meiler kommt weiß oder grau ist, ist alles in Ordnung. Verfärbt er sich bläulich, dann ist zu viel Sauerstoff im Meiler, es brennt ein Feuer, das es wieder zu reduzieren gilt. Während dieser Zeit gilt es, den Meiler rund um die Uhr zu bewachen. Selbst nachts schliefen je zwei der Vereinsmitglieder in einer Hütte unweit des Meilers und stellten sich alle zwei Stunden den Wecker, um nach dem Meiler zu sehen. Weil das Volumen des Meilers schrumpft, können ungewollte Risse oder Löcher entstehen, die zu viel Luft ins Innere lassen und ein Feuer entfachen. Dann müssen die Köhler nachbessern, die Löcher wieder bedecken.

Wie es funktionier hat, zeigt sich am Samstag

Wie gut oder schlecht dieser Prozess der Holzkohleherstellung gelaufen ist, das zeigt sich eigentlich erst, wenn die Köhler den Meiler am Samstag aufmachen. „Für uns ist das auch eine Überraschung“, sagt Manfred Krautter. „Wir wissen nicht, wie viel verkohlt ist.“ Es habe aber noch kein Jahr gegeben, in dem die Holzkohleherstellung überhaupt nicht funktioniert habe. Der Vereinsvorsitzende rechnet damit, dass der Verein am Samstag um die 300 Säcke Holzkohle „ernten“ kann. Diese werden dann entweder von Besucherinnen und Besuchern direkt erworben oder später im Hofladen auf dem Ziegenhof verkauft. Weg geht sie laut Krautter auf jeden Fall immer.

10 Jahre Köhlerverein - die Anfänge

Normalerweise stellt der Köhlerverein Schwäbischer Wald wegen des hohen Zeitaufwands für die Mitglieder bei der Bewachung des Meilers nur alle zwei Jahre Holzkohle her. In diesem Jahr machte er aber aufgrund des Jubiläums eine Ausnahme, danach geht es im Zweijahresrhythmus weiter. Wie es zur Gründung des Vereins kam, erzählt Manfred Krautter.

„Ich habe 2010 als Naturparkführer den ersten Walkersbacher Waldglastag organisiert“, sagt er. Im Begleitprogramm erklärten zwei Forstleute, die noch mit dieser Tradition vertraut sind, auch, wie ein traditioneller Kohlemeiler funktioniert. Manfred Krautter hörte und schaute offensichtlich gut zu und war fasziniert von dem alten Handwerk, das, so erzählt er, zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Handvoll Köhler und ihre Helfer in ganz Baden-Württemberg beherrschten.

Ein kleiner Verein, der eine alte Tradition bewahren will

Im Anschluss kamen Simon Kohl und Dominic Hafner, beide seit Beginn im Verein, auf ihn zu und zusammen bauten sie zwei Jahre später einen kleinen Meiler. „Dabei hatten wir einige Zaungäste und dachten, es wäre doch gut, wenn man diese alte Tradition weitergibt, damit das Wissen nicht verloren geht“, erzählt Manfred Krautter. Inzwischen zählt der Verein 13 Mitglieder und ist auch nicht darauf ausgelegt, sonderlich zu wachsen. „Wir haben nur für zehn bis zwölf Leute Arbeit“, erklärt Manfred Krautter.

Auch in diesem Jahr seien einige Interessierte vorbeigekommen, während der Meiler brannte, um zu sehen, was sich da abspielt oder um es ihren Kindern zu zeigen. Wer nun noch dabei sein will, wenn die Köhler ihren Meiler, der in diesem Jahr übrigens relativ pflegeleicht war, aufmachen, der kann am Samstag vorbeikommen. Die Köhler freuen sich über Besucherinnen und Besucher.

Es ist der größte Meiler, den der Köhlerverein Schwäbischer Wald mit Sitz in Plüderhausen je gebaut hat. Etwa 15 Raummeter hat er, schätzt Manfred Krautter, Vorsitzender des Vereins und Naturparkführer in der Region. Ein angemessenes Projekt für das Zehn-Jahre-Jubiläum des Köhlervereins in diesem Jahr. Aber was kann der Meiler, der für den Laien aussieht, wie ein einfacher Erdhügel, eigentlich? Und was bewegt die Mitglieder des Vereins dazu, sich tagelang die Nächte um die Ohren zu schlagen,

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