Plüderhausen

Impfpflicht für Pflegekräfte: Gibt es schon Kündigungen rund um Schorndorf?

Impfung
Nicht alle Pflegekräfte wollen sich impfen lassen - allgemein ist die Impfquote in diesem Bereich aber hoch. © ALEXANDRA PALMIZI

Die allgemeine Corona-Impfpflicht ist erst einmal geplatzt, die Teil-Impfpflicht für Mitarbeitende unter anderem in Pflegeheimen, Arztpraxen und Krankenhäusern gilt aber bereits seit einem Monat. Zum 15. März mussten Arbeitgeber ungeimpfte Angestellte dem Gesundheitsamt melden. Doch was hat sich seitdem getan? Wurden tatsächlich schon Angestellte wegen einer fehlenden Corona-Impfung entlassen? Wir haben bei den Pflegeheimen rund um Schorndorf nachgefragt.

Die Lage ist einen Monat nach der Einführung der Teil-Impfpflicht nebulös. „Tatsächlich wurden bis heute noch keine Beschäftigungsverbote verhängt“, schreibt Marcel Faißt für die Awo Württemberg, die Heime in Remshalden und Winterbach betreibt. „Allerdings kommen in diesen Tagen in anderen Landkreisen die ersten Schreiben der Gesundheitsämter bei nicht-immunisierten Mitarbeitern an.“ Die Awo gehe also davon aus, dass wohl in den nächsten Wochen die ersten Beschäftigungsverbote drohen.

Impfquote bei Angestellten in Winterbach und Remshalden nahezu bei 100 Prozent

In Remshalden und Winterbach liege die Impfquote bei den Angestellten allerdings bei annähernd 100 Prozent, so dass die Awo hier keine nennenswerten Beschäftigungsverbote befürchtet. „Dennoch haben wir in den letzten Wochen zwei Mitarbeiter verloren, die eine Impfung ablehnen und deswegen ihre Anstellung bei uns gekündigt haben“, so Faißt.

Auch der Diakonie Stetten, die die Alexander-Stifte in Urbach und Rudersberg betreibt, sind noch keine Tätigkeitsverbote bekannt. „Damit war zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht zu rechnen“, gibt Sprecher Steffen Wilhelm Auskunft. Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden zunächst von den Gesundheitsämtern angeschrieben, die entsprechende Nachweise innerhalb einer angemessenen Frist einfordern. „Wir gehen davon aus, dass unsere jeweils zuständigen Einrichtungsleitungen dann im Rahmen des Verwaltungsverfahrens auch noch angehört werden, bevor die Entscheidung über ein Tätigkeitsverbot getroffen wird“, so Wilhelm.

Nachbesetzung von Stellen schwer

Falls es tatsächlich zu Arbeitsverboten kommen würde, wäre das für den Betreiber unter Umständen schwierig, da die Mitarbeitenden einfach fehlen würden, wenn sie wegfallen - „zumindest bis zum voraussichtlichen Ende der Geltungsdauer der Impfpflicht am 31. Dezember 2022.“. Ein schneller Ersatz oder auch eine befristete Vertretung sei angesichts des bestehenden Fachkräftemangels nicht realisierbar. „Unsere Möglichkeiten sind da leider sehr begrenzt“, sagt Steffen Wilhelm. „Momentan sind offene Stellen im Schnitt über neun Monate nicht nachzubesetzen. Insgesamt fehlen Stand heute in ganz Deutschland schon 200.000 Pflegekräfte. Diese Stellen sind alle nicht besetzt.“

Die Zieglerschen, die das Haus am Brunnenrain in Plüderhausen betreiben, haben nach Auskunft von Kommunikationsmanagerin Jacqueline de Riese unternehmensweit von rund 3400 Mitarbeitenden etwa 200 wegen einer fehlenden Corona-Impfung beziehungsweise eines fehlenden Genesenennachweises an die Gesundheitsämter gemeldet. Im Haus am Brunnenrain waren es zwei. Meldung über Beschäftigungsverbote liegen bislang auch hier nicht vor. „Aufgrund der langfristigen Dienstplanung waren wir frühzeitig mit allen betroffenen Mitarbeitenden im Gespräch und können so die Pflege unserer Seniorinnen und Senioren uneingeschränkt sicherstellen“, sagt Jacqueline de Riese auf die Frage, ob das den Betreiber in Schwierigkeiten bringen würde.

Pflegekräfte leiden nach wie vor sehr unter der Pandemie

Es scheint ganz so, dass die Gesundheitsämter bislang keine Tätigkeitsverbote für ungeimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgesprochen haben. Zumindest in den Pflegeheimen rund um Schorndorf ist das der Fall. Ob diese noch kommen oder ob die Teil-Impfpflicht ein zahnloser Tiger bleibt, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Die Pflegekräfte sind währenddessen weiterhin extrem belastet.

„Im dritten Jahr der Pandemie und mit der permanenten Sorge um die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner ist die Belastung und die Anspannung der Kolleginnen und Kollegen extrem hoch“, sagt zum Beispiel Jacqueline de Riese. Für das verantwortungsvolle Handeln und die hohe Solidarität im Team sei der Betreiber sehr dankbar.

Psychische Belastung ist hoch

„Für unsere Mitarbeitenden in Urbach und Rudersberg, aber auch anderswo im Alexander-Stift ist die Situation immer noch sehr belastend“, sagt genauso Steffen Wilhelm. Vor allem, weil das Infektionsrisiko durch die allgemeinen Lockerungen ja nicht kleiner werde und deshalb auch immer wieder Mitarbeitende durch Infektion oder häusliche Quarantäne ausfielen.“ Auch die psychische Belastung ist immer noch sehr hoch und von Entspannung ist im Moment leider noch nichts zu spüren“, so der Diakonie-Sprecher. „Wir hoffen deshalb sehr, dass die Omikron-Welle trotz der Lockerungen bald wieder abflacht, damit unsere Mitarbeitenden endlich wieder etwas Luft holen können.“

Nach Normalität sehnen sich laut Marcel Faißt auch die Awo-Mitarbeitenden. „Da wir in den letzten Wochen leider wieder mehrere Corona-Infektionen in unseren Einrichtungen hatten, mussten die Mitarbeiter zum Teil wieder viele Dienste kompensieren für ausgefallene Kollegen, die selbst in Quarantäne waren“, berichtet er. „Ich habe hier große Achtung und Respekt vor unseren Mitarbeitern, die auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie noch mit solchem Engagement für die Bewohner in unseren Einrichtungen da sind.“

Die allgemeine Corona-Impfpflicht ist erst einmal geplatzt, die Teil-Impfpflicht für Mitarbeitende unter anderem in Pflegeheimen, Arztpraxen und Krankenhäusern gilt aber bereits seit einem Monat. Zum 15. März mussten Arbeitgeber ungeimpfte Angestellte dem Gesundheitsamt melden. Doch was hat sich seitdem getan? Wurden tatsächlich schon Angestellte wegen einer fehlenden Corona-Impfung entlassen? Wir haben bei den Pflegeheimen rund um Schorndorf nachgefragt.

Die Lage ist einen Monat nach

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