Plüderhausen

Im Walkersbacher Bürgerhaus soll ein Jugendtreff entstehen - doch ist das rechtlich überhaupt erlaubt?

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Soll nach dem Ende des Lockdowns wieder mit Leben gefüllt werden: Das Bürgerhaus in Walkersbach. © Gaby Schneider

Er soll das Gemeinschaftsgefühl fördern, den Zusammenhalt im Ort stärken und den Kindern und Jugendlichen ein sinnvolles Angebot zur Freizeitgestaltung machen: ein geplanter Jugendtreff im Walkersbacher Bürgerhaus. Der Gemeinderat hat dem Projekt grünes Licht erteilt und stellt dafür 5000 Euro im Haushalt zur Verfügung. Ob er aber tatsächlich im Dachgeschoss des Bürgerhauses kommen wird, das ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern.

Bereits Zeltlager im Walkersbacher Tal organisiert

Anna Schiffner, Bettina Schuppert und Daniela Barth würden am liebsten sofort durchstarten. Die drei Mütter aus Walkersbach haben bereits Erfahrung in der Jugendarbeit, sie organisieren seit fünf Jahren gemeinsam im Sommer ein Zeltlager im Walkersbacher Tal. Coronabedingt musste das Lager im vergangenen Jahr ausfallen. Als Alternative haben sie Spieleabende angeboten – und sind dabei auf die Idee zu dem Jugendtreff gekommen.

„Leider wird ja heute das Handy immer wichtiger“, sagt Daniela Barth, „deshalb wollen wir etwas machen, wo die Jugendlichen mehr miteinander in Kontakt kommen.“ Ein erstes Konzept für den Jugendtreff haben sie bereits vorgelegt: Es sieht vor, dass jeweils an ein bis zwei Samstagen im Monat ein Programm stattfindet. Zunächst von 16 bis 19 Uhr für die Grundschüler, ab 18 Uhr dann für alle ab Klasse 5. Gegen 21.30 Uhr soll dann Schluss sein. Ganz bewusst habe man die Überschneidung zwischen beiden Gruppen geplant, sagt Bettina Schuppert, nämlich „damit sie sich begegnen können“. So könnten die Älteren sich in Achtsamkeit gegenüber den Jüngeren üben. Und später dann vielleicht selbst Aufgaben übernehmen oder eigene Angebote machen.

Angebot wird gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen geplant

Denkbar sind bei den Treffen etwa Wanderungen, Lagerfeuer und Ausflüge, gemeinsames Kochen und Backen oder Gemeinschaftsspiele. Was für ein Programm dort genau stattfindet, das sollen die Walkersbacher Kinder und Jugendlichen selbst bestimmen. „Wir fragen bei ihnen ab, wie sie es sich vorstellen, weil wir das mit ihnen gemeinsam entwickeln wollen“, sagt Anna Schiffner. Dazu haben die Initiatoren extra einen Brief verfasst. Gesucht werden Ausflugs- und Spielideen und Vorschläge für gemeinsame Anschaffungen, die in den geplanten Gruppenraum kommen könnten. Der dann von den Kindern auch selbst gestaltet werden soll.

Das Interesse dafür sei im Ort definitiv vorhanden, berichtet Schuppert, die dem Brief ein kleines Rätsel angehängt hat. „Dabei geht es darum, dass sie bestimmte Punkte im Ort ablaufen und ein bisschen etwas tun können in dieser Zeit.“

Auch einen rechtlichen Rahmen hat der Jugendtreff bereits: Er läuft unter dem Dach des Bürgervereins. Ortswart Nick Schuppert hat die Mütter dabei unterstützt – und die Gemeinde ihre Unterstützung signalisiert. Schiffner betont: „Grundsätzlich sind wir das Sprachrohr für die Bedürfnisse der Jugendlichen. Deshalb wünschen wir uns, dass die Gemeinde das ernst nimmt, uns weiterhin unterstützt und ein offenes Ohr für unsere kreativen Ideen hat.“

„Wir nehmen das Angebot sehr gerne an“, sagte Bürgermeister Andreas Schaffer dazu kürzlich im Gemeinderat.

Viel Lob für das Projekt aus dem Gemeinderat

Auch CDU-Rat Andreas Theinert nannte das eine „klasse Idee“. Sein Fraktionsvorsitzender Ulrich Scheurer lobte: „Wir können froh sein, in Walkersbach so eine funktionierende Bürgerschaft zu haben.“ Auch Marcel Schindler (SPD) plädierte dafür, das im Ortsteil jetzt umzusetzen, denn der sei räumlich schließlich so getrennt und die Altersklasse nicht so mobil, um die Angebote im Kernort wahrnehmen zu können.

Silvan Vollmar (FW-FD) hielt die Idee zwar auch für sinnvoll, hatte jedoch Bedenken wegen des Verfahrens. Weil ein Verein der Träger sein soll, wäre das dann aus seiner Sicht Vereinsarbeit. Eine solche Summe könnte womöglich andere Vereine neidisch machen, so seine Befürchtung.

Bürgermeister Schaffer stellte klar, dass das keine Vereinsförderung sei, sondern eine Jugendarbeit, wie sie auch in Plüderhausen angeboten wird. Der Verein diene nur zur rechtlichen Absicherung. Und die Summe werde nur einmalig und wenn Rechnungen vorgelegt werden ausgezahlt.

Bei einer Enthaltung entschied sich das Gremium schließlich dafür, das Projekt mit 5000 Euro zu fördern.

Der Walkersbacher Ortswart Nick Schuppert bat noch darum, zu klären, ob ein solcher Jugendtreff überhaupt im Bürgerhaus stattfinden kann. Denn das ist baurechtlich nicht als Veranstaltungsort zugelassen, wie das Landratsamt vor einem Jahr festgestellt hat (obwohl es als solches seit Jahrzehnten genutzt wird). Auch gibt es eine Verfügung, die den Betrieb einschränkt. Das Gremium hat deshalb einstimmig einen Antrag auf Nutzungsänderung beschlossen. Welche brandschutzrechtlichen Vorschriften dadurch auf das Gebäude zukommen, bleibt abzuwarten.

Bürgerhaus nach Lockdown wieder „normal nutzbar“, sagt Schaffer

Bürgermeister Schaffer geht auf unsere Nachfrage indes davon aus, dass das Walkersbacher Bürgerhaus nach dem Ende des Lockdowns wieder normal nutzbar ist. Denn „die Verfügung des Landratsamtes untersagt derzeit ja nur Veranstaltungen nach 22 Uhr mit erheblichem externen Besucheraufkommen“.

Ein Jugendtreff im Dachgeschoss wäre davon überhaupt nicht betroffen.

Er soll das Gemeinschaftsgefühl fördern, den Zusammenhalt im Ort stärken und den Kindern und Jugendlichen ein sinnvolles Angebot zur Freizeitgestaltung machen: ein geplanter Jugendtreff im Walkersbacher Bürgerhaus. Der Gemeinderat hat dem Projekt grünes Licht erteilt und stellt dafür 5000 Euro im Haushalt zur Verfügung. Ob er aber tatsächlich im Dachgeschoss des Bürgerhauses kommen wird, das ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern.

Bereits Zeltlager im Walkersbacher Tal

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