Plüderhausen

In Plüderhausen könnten bald 53 Kinder ohne Kita-Platz sein

Kigagemeindehaus
Wurde in diesem Herbst neu eröffnet: Der Kindergarten im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus. © Gaby Schneider

Eigentlich kann sich Plüderhausen freuen. Denn bei jungen Familien ist die Gemeinde gerade sehr beliebt. Bürgermeister Andreas Schaffer berichtete in der jüngsten Gemeinderatssitzung von „stark steigenden Kinderzahlen“. Kehrseite dieser Entwicklung: Die vorhandenen Kitaplätze reichen nicht mehr aus.

Im laufenden Kindergartenjahr konnten 17 Kinder keinen Platz erhalten. Setzt sich diese Entwicklung fort, werden es im Jahr 2022 sogar 53 Kinder sein, denen die Gemeinde keine Betreuung anbieten kann.

Dabei war PIüderhausen nicht untätig, wie Pacsal Schill, bei der Verwaltung zuständig für Kindergärten und Schulen, berichtete. In diesem Jahr entstanden in der Schulstraße 20 provisorische Plätze. Dafür wurde das ehemalige evangelische Gemeindehaus umgebaut. Damit gibt es jetzt in Plüderhausen 15 Kindergartengruppen. Doch das wird nicht ausreichen, denn die Geburtenzahlen steigen stark an. Am Ende des Jahres werden es voraussichtlich um die 100 sein. Der Zuwachs ergibt sich vor allem aus Zuzügen. Die Prognose fürs kommende Jahr sieht einen Höchstwert von 630 Jungen und Mädchen in der Gemeinde vor.

Vor allem für über Dreijährige fehlen in der Gemeinde Plätze

Während der Krippenbereich, auch durch die Einrichtung einer weiteren Tiger-Gruppe in diesem Jahr, noch gut abgedeckt ist, kann der Bedarf bei den über Dreijährigen im Moment nicht gedeckt werden. Auch weil die Betreuungsquote in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. „Wir brauchen eine Übergangslösung für zwei Ü-3-Gruppen, sonst haben 53 Kinder keinen Platz im Jahr 2022“, so Schill.

„Das sind alarmierende Zahlen“, sagte Bürgermeister Andreas Schaffer. „Die Entwicklung war in dem Ausmaß aber nicht vorauszusehen.“ Im Jahre 2010 hatte die Gemeinde noch 49 Geburten und „die Prognose war, dass das stagniert.“ So viel Geburten wie 2020 habe es zum letzten Mal vor 20 Jahren gegeben. „Wir haben einen sehr starken Zuzug von jungen Familien; das freut uns, aber das müssen wir jetzt vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs versuchen zu bewältigen.“

Schaffer erinnerte daran „mit welchen Anstrengungen wir das abgefedert haben in der Schulstraße.“ Und skizzierte für die Zukunft eine Doppelstrategie: „Wir brauchen eine kurzfristige und mittelfristige Lösung. Was wir mit Hochdruck angehen müssen ist die mittelfristige.“ Vier Standorte kämen für ein Kinderhaus infrage:

  • die Schlossgartenschule (dafür müsste die Grundschule ans Hohbergschulzentrum umziehen)
  • Hohrain/Gländ (hier ist ein Neubau im Gespräch, wenn das Baugebiet einmal erschlossen wird)
  • Bischoff-Areal Süd (ein ehemaliges Fabrikareal gegenüber vom Gänswasen auf der Nordseite der Rems, hier liegt der Gemeinde ein Kombiangebot für eine Kita sowie Sozialwohnungen vor)
  • Kindergarten Stockwiesenweg (die SPD hatte vorgeschlagen, diesen zu einem mehrgruppigen Kindergarten umzubauen, aufzustocken und mit Wohnungen zu kombinieren)

Bürgermeister Schaffer versprach, dem Gremium dazu noch konkrete Vorschläge zu präsentieren. Die Verwaltung bevorzugt bekanntermaßen die Einrichtung eines Kinderhauses in der Schlossgartenschule. Dazu war am 26. März dieses Jahres eine Bürgeranhörung geplant, die dann wegen des Lockdowns jedoch ausfallen musste. Vor einer endgültigen Entscheidung will die Gemeinde auf jeden Fall noch eine solche Anhörung durchführen. „Alarmiert durch diese Zahlen müssen wir das Tempo wirklich forcieren“, sagte Schaffer. Parallel dazu müsse die Gemeinde aber auch schauen, wie der Bedarf kurzfristig gedeckt werden kann.

"Die Zahlen fliegen uns bald um die Ohren"

Andreas Theinert (CDU) appellierte an das Gremium: „Die Zahlen fliegen uns bald um die Ohren, hier geht es jetzt ums Tempo, das muss alles ganz, ganz schnell gehen.“ Auch Elke Mück (SPD) sprach von „großen Herausforderungen“, vor denen die Gemeinde jetzt stehe. Und sie betonte, dass das neue Kinderhaus im kommenden Jahr angegangen werden müsse.

Würden kurzfristig zwei weitere Gruppen eingerichtet, so rechnet die Gemeinde mit jährlichen zusätzlichen Personalkosten von rund 200 000 Euro, wie Bürgermeister Schaffer auf Nachfrage des CDU-Rats Reiner Schiek sagte.

Carlo Fritz (FW-FD) wollte wissen, ob ein Kinderhaus im Gebäude der Schlossgartenschule dann auch bedarfsdeckend sei. „Das ist das Ziel“, antwortete Andreas Schaffer. „Die Frage ist, ob wir das schaffen. Wenn es ganz schlimm kommt, müssen wir mit Wartelisten arbeiten.“

Neues Kinderhaus wäre frühestens im Herbst 2023 verfügbar

Entschiede man sich für die Schlossgartenschule, so wäre der Bedarf mit sechs Gruppen gedeckt. Drei eingruppige Kindergartengruppen sollen in diesem Zuge aufgelöst werden(Krippe Hohberg, eine Gruppe im Kinderhaus Goldacker, Kita Schulstraße), könnte die Gemeinde im Bedarfsfall aber weiterbetreiben.

Bis ein neues Kinderhaus zur Verfügung steht, dürfte aber noch einige Zeit vergehen, betonte Schaffer. Unter anderem, weil dafür eine europaweite Planungsausschreibung notwendig sei. „Frühestens im September 2023“ sei mit einer neuen Einrichtung zu rechnen, aber nur, „wenn wir jetzt Vollgas geben.“

Eigentlich kann sich Plüderhausen freuen. Denn bei jungen Familien ist die Gemeinde gerade sehr beliebt. Bürgermeister Andreas Schaffer berichtete in der jüngsten Gemeinderatssitzung von „stark steigenden Kinderzahlen“. Kehrseite dieser Entwicklung: Die vorhandenen Kitaplätze reichen nicht mehr aus.

Im laufenden Kindergartenjahr konnten 17 Kinder keinen Platz erhalten. Setzt sich diese Entwicklung fort, werden es im Jahr 2022 sogar 53 Kinder sein, denen die Gemeinde keine Betreuung

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