Plüderhausen

Kein Bürgerbegehren: Wie es jetzt bei der Schlossgartenschule in Plüderhausen weitergeht

Schlossgartenschule
Aus der Schlossgartenschule soll ein Kinderhaus werden. © Benjamin Büttner

Es war die letzte große kommunalpolitische Entscheidung, die Andreas Schaffer noch auf den Weg brachte: die Zusammenlegung der Schlossgarten- mit der Hohbergschule. Die Amtszeit des amtierenden Bürgermeisters von Plüderhausen endet bereits in anderthalb Wochen. Und jetzt ist auch sicher, dass es zu der Entscheidung kein Bürgerbegehren mehr gibt. Die entsprechende Frist dafür ist vor wenigen Tagen abgelaufen.

Das hatte sich bereits abgezeichnet, nachdem das Thema im Bürgermeisterwahlkampf quasi keine Rolle spielte. Ganz unumstritten war die Entscheidung indes nicht. Bei der Bürgerversammlung zur Schulfusion meldeten sich kritische Bürger zu Wort. Eltern formulierten danach in einem offenen Brief ihre Bedenken, dass die Räume am Schulzentrum nicht ausreichen werden (auch wenn sich die Schulleitung darüber keine Sorgen machte). Und bei einer Umfrage des Zeitungsverlags im Vorfeld der Wahl gab knapp ein Drittel der Teilnehmer an, dass die Schule unbedingt hätte erhalten werden müssen. Die Fusion fand im Gemeinderat dann zwar eine breite Mehrheit. Die Abstimmung über die Nachnutzung als Kinderhaus fiel jedoch denkbar knapp aus.

Doch von einer Mobilisierung für ein Bürgerbegehren war im Ort nichts zu spüren. Womöglich war das Quorum von sieben Prozent der Wahlberechtigten dafür schlichtweg zu hoch.

Erst zum Schuljahr 2022/23 werden die Erst- und Zweitklässler umziehen

Der Weg ist also frei für den Umzug der Klassenstufen 1 und 2 ans Hohbergschulzentrum. So schnell wird dies allerdings nicht geschehen. Noch das komplette kommende Schuljahr werden die Erst- und Zweitklässler in dem Gebäude in der Ortsmitte unterrichtet. „Nächstes Jahr zum Schuljahresbeginn werden die Schüler umziehen“, sagt Bürgermeister Schaffer.

Bis dahin sind aber noch eine Reihe von Fragen zur Unterbringung am Hohbergschulzentrum zu klären. Die Schule wünschte sich eine Verglasung des Verbindungsgangs zwischen den beiden Gebäuden, in denen die Grundschüler untergebracht werden sollen. Der Gemeinderat hat darauf bislang eher reserviert reagiert, auch weil Kosten in sechsstelliger Höhe im Raum standen. Andreas Fiechtner vom Hochbauamt holt dazu Richtpreisangebote ein, dann muss das Gremium darüber entscheiden. „Das hätte schon eine besondere Aufenthaltsqualität“, findet Schaffer, der an dieser Entscheidung indes nicht mehr als Bürgermeister beteiligt sein wird.

Jugendhaus kann im Schulgebäude bleiben

Auch die konkrete Raumaufteilung oder die Planung des Grundschulhofs müssen noch besprochen werden. Dazu haben diese Woche Gespräche stattgefunden. Eines scheint inzwischen geklärt: Rektor Jürgen Groitzsch freut sich, dass die Schule das Obergeschoss des Gebäudes D, in dem sich das Jugendhaus befindet, nun doch „ziemlich vollumfänglich zurückbekommen“ kann. Dafür stellt die Schule für das Jugendhaus Nebenräume in dem Gebäude zur Verfügung. Dadurch werde auf absehbare Zeit trotz Schulfusion keine Raumnot aufkommen und das Jugendhaus an seinem jetzigen Standort bleiben können, sagt Groitzsch, der außerdem inzwischen eine Raumaufteilung vorgeschlagen hat, bei der auf einen verglasten Verbindungsgang verzichtet werden könnte. Die Zeichen, sie stehen auf Entspannung.

Umbau der Schlossgartenschule: Frühestens 2024 fertig

Die weit größere und kostspieligere Herausforderung wird indes der Umbau der Schlossgartenschule sein. Die Planung soll noch diesen Sommer anlaufen. Dazu ist eine EU-weite Ausschreibung notwendig. Bis Februar 2022 soll voraussichtlich ein Beschluss im Gemeinderat über ein Planungsbüro gefasst werden. Stand jetzt rechnet die Verwaltung damit, dass Planung, Genehmigung und Ausschreibung im Sommer 2023 abgeschlossen sein werden. Dann erst könnte auch der Umbau beginnen. Mit einer Fertigstellung ist dann frühestens im Oktober 2024 zu rechnen.

Benjamin Treiber, der ab 1. Juli das Bürgermeisteramt in Plüderhausen übernehmen wird, hat bereits angekündigt, die Nachnutzung der Schlossgartenschule noch einmal im Gemeinderat besprechen zu wollen. Unter anderem war im Gremium der Wunsch geäußert worden, zumindest eine teilöffentliche Nutzung möglich zu machen. Noch-Bürgermeister Schaffer fände es indes kontraproduktiv, wenn wieder eine längere Diskussion entstünde, ob aus dem Gebäude ein Kinderhaus wird oder nicht.

SPD-Fraktion strebt öffentliche Nutzung des Schulgebäudes an

„Wir sind nach wie vor für dezentrale Lösungen“, sagt Klaus Harald Kelemen, dessen SPD-Fraktion die Umnutzung als Kinderhaus rundweg ablehnt. Die aber auch nicht auf ein großes, fünfgruppiges Kinderhaus im geplanten, neuen Baugebiet Hohrain/Gländ setzt, dessen Planung sie zunächst noch mitgetragen hatte. „Ich hoffe sehr, dass wir das mit dem neuen Mann an der Rathausspitze mit offenem Visier und ergebnisoffen diskutieren können. Es hat mich gefreut, dass er das versprochen hat und ich freue mich auf die Beratungen.“

Die Schlossgartenschule als Kinderhaus? Das hält Kelemen politisch für falsch – und weil sich die Entwicklung von Hohrain/Gländ noch hinziehe, seien aus SPD-Sicht kurzfristige Lösungen notwendig – und die könnten „auch wegen der Sorge der Eltern“ nur dezentral, also wohnortnah sein.

Für das Schulgebäude in der Ortsmitte schwebt Kelemen und seiner Fraktion vielmehr eine öffentliche Nutzung vor – „und zwar von morgens 7 bis abends 22 Uhr“. Die Bücherei oder die Volkshochschule könnten dann dort unterkommen, die Gemeinde spare sich dadurch Miete – und auch für die Gemeindekapelle, die jüngst ihr Domizil in der Schulstraße wegen eines provisorischen Kindergartens verloren hat, könne dort langfristig unterkommen, so Kelemen.

Entspannt sich gerade die Lage bei den Kitaplätzen?

Als kurzfristige Lösung für den Kitaplatzmangel haben Verwaltung und Gemeinderat bereits beschlossen, eine dritte Gruppe im Waldkindergarten einzurichten. Die Lage könnte sich nach den hohen Geburtenzahlen im vergangenen Jahr aber auch wieder entspannen. „Wir haben einen überraschenden Einbruch bei den Kinderzahlen“, berichtet Bürgermeister Schaffer. „Seit Oktober gehen die Zahlen zurück.“ Noch sei es aber zu früh, um Entwarnung geben zu können, „wir müssen schauen, wie sich der Zuzug entwickelt“. Im Moment komme die Gemeinde damit aber noch zurecht, vor allem weil die Eltern auch bereit seien, auf einen Platz für ihre Kinder noch etwas zu warten, sagt Schaffer.

Es war die letzte große kommunalpolitische Entscheidung, die Andreas Schaffer noch auf den Weg brachte: die Zusammenlegung der Schlossgarten- mit der Hohbergschule. Die Amtszeit des amtierenden Bürgermeisters von Plüderhausen endet bereits in anderthalb Wochen. Und jetzt ist auch sicher, dass es zu der Entscheidung kein Bürgerbegehren mehr gibt. Die entsprechende Frist dafür ist vor wenigen Tagen abgelaufen.

Das hatte sich bereits abgezeichnet, nachdem das Thema im

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