Plüderhausen

Kein Einzelhandel im Gewerbegebiet? Plüderhausen will für Pferdefachmarkt Ausnahme bei Heusee II machen

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Symbolfoto. © Pixabay (CC0)

Am westlichen Ortsrand von Plüderhausen, direkt an der Bundesstraße, fiel im vergangenen September der Startschuss für die Erweiterung des Gewerbegebiets Heusee. Insgesamt 16 Grundstücke sollen hier erschlossen werden und Platz bieten für zusätzliches Gewerbe in der Gemeinde.

In dem Ende 2019 aufgestellten Bebauungsplan heißt es direkt unter Punkt 1.1: „Unzulässig sind (...) Einzelhandelsbetriebe jeglicher Art.“ Eine klare Formulierung, für die sich der Gemeinderat ausgesprochen hat, um die Einzelhändler in der Ortsmitte zu schützen.

Direkt an der B 29 soll eine 24 Meter hohe Werbetafel stehen

In der jüngsten Sitzung des Gremiums stand nun ein sogenannter „vorhabenbezogener Bebauungsplan“ auf der Tagesordnung, der genau diesen Punkt auf einem der Grundstücke des Baugebiets umgeht. Denn ein Fachmarkt für Pferdesport hatte sein Interesse an der Fläche bekundet – und die Gemeinde den Weg dafür mit der Änderung frei geräumt. Geplant ist der Fachmarkt mit einer Verkaufsfläche bis maximal 800 Quadratmeter und einer Ausstellungsfläche bis höchstens 200 Quadratmeter sowie Nebenanlagen. In dem geänderten Bebauungsplan vorgesehen war außerdem eine Werbetafel, ein sogenannter Pylon, der eine Höhe von bis zu 24 Metern erreichen darf.

Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, das stellte Bauamtsleiter Ludwig Kern klar, hieße, dass an dieser Stelle nur ein Fachmarkt für Pferdesportartikel hinkommen kann „und nachher kein Kik“. Das gelte auch für den Fall, dass der Interessent (die Firma Krämer Pferdesport) Plüderhausen später wieder verlassen sollte.

Der Einzelhandel in der Ortsmitte muss geschützt werden

SPD-Rat Marcel Schindler lehnte die geplante Bebauungsplanänderung rundweg ab. „Das bringt uns langfristig keine finanziellen Fortschritte, außerdem haben wir einen Grundsatzbeschluss, dass dort hinten kein Einzelhandel hinkommt. Mit diesem Vorhaben rücken wir davon ab.“

Auch Schindlers Fraktionschef Klaus Harald Kelemen sah in dem Vorhaben eine Schwächung des Grundkonzepts für das Gewerbegebiet. „Unsere Leitlinie war, dass da kein Einzelhandel hinkommt. Wir haben bereits Probleme in der Ortsmitte und sollen jetzt noch einen Einzelhandel im Heusee bauen.“ Für den SPD-Rat war dies unverständlich.

Der Gemeinderat hat stets das letzte Wort

Bürgermeister Andreas Schaffer konnte diese Bedenken nicht ganz nachvollziehen und forderte das Gremium zu „etwas mehr Selbstbewusstsein“ auf. Es würde sich doch sonst auch niemand sklavisch an die Beschlüsse aus den Achtzigern halten. Sprich: Beschlossenes kann auch wieder geändert werden.

Bauamtsleiter Ludwig Kern ergänzte: „Sie sind immer Herr des Verfahrens.“ Und sollte der Fachmarkt einmal kein Interesse mehr haben an der Fläche, „dann kann da auch nichts anderes hin, außer der Gemeinderat beschließt es“.

Werbetafel soll nach dem Wunsch des Gemeinderats kleiner werden

„Wir sind nicht sehr begeistert und hätten dort lieber Gewerbe gesehen“, sagte der GLU-Fraktionsvorsitzende Erich Wägner. Claudia Jensen (Vorsitzende der FW-FD-Fraktion) hingegen sagte: „Ich freue mich über jedes Unternehmen, das hier ansiedelt.“ Wie zahlreiche andere Mitglieder des Gremiums störte sie sich indes an der Höhe des Pylonen, die in etwa der Höhe der Margaretenkirche entsprechen würde.

Ein Antrag des Fraktionskollegen Silvan Vollmar, die Höhe auf 18 Meter zu begrenzen, wurde vom Gemeinderat jedoch mehrheitlich abgelehnt. Große Zustimmung fand hingegen ein Antrag von Claudia Jensen. Festgesetzt wurde die Größe der Werbetafel auf die von ihr vorgeschlagenen 23 Meter.

"Wenn Pylon, dann g'scheit", findet Bauamtsleiter Kern

Eine Entscheidung, die Bauamtsleiter Kern begrüßte. Denn „wenn Pylon, dann g'scheit! Ein zu niedriger würde städtebaulich furchtbar aussehen“. Diese Erfahrung habe er selbst einst machen müssen, als er vor vielen Jahren eine solche Werbetafel zu niedrig festsetzte. Jedes Mal, wenn er an der Stelle vorbeifahre, ärgere er sich noch heute darüber. „Wenn man den zu niedrig macht, hat es den gegenteiligen Effekt“, befand auch Bürgermeister Schaffer.

Diese Pylonen seien Gold wert, meinte Carlo Fritz und fragte: „Nach dem alten Bebauungsplan wäre das nie genehmigt worden. Können wir da nicht was abschöpfen?“ Doch Kern stellte klar: „Sie können nie einen Planungsvorteil abschöpfen, nur einen Umlegungsvorteil“, soll heißen: Wegen der Ausnahmegenehmigung für die Werbetafel kann die Gemeinde nicht etwa mehr Geld für das Grundstück verlangen.

Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen beschloss der Gemeinderat dann die Aufstellung des Bebauungsplans. Für einen Monat wird er jetzt öffentlich ausgelegt. Wenn die Behörden und die Öffentlichkeit sich dazu geäußert haben, wird er dem Gremium noch einmal zur endgültigen Entscheidung vorgelegt.

Am westlichen Ortsrand von Plüderhausen, direkt an der Bundesstraße, fiel im vergangenen September der Startschuss für die Erweiterung des Gewerbegebiets Heusee. Insgesamt 16 Grundstücke sollen hier erschlossen werden und Platz bieten für zusätzliches Gewerbe in der Gemeinde.

In dem Ende 2019 aufgestellten Bebauungsplan heißt es direkt unter Punkt 1.1: „Unzulässig sind (...) Einzelhandelsbetriebe jeglicher Art.“ Eine klare Formulierung, für die sich der Gemeinderat ausgesprochen hat,

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