Plüderhausen

Keine Auftritte oder Workshops: Zirkus Piccolo kämpft ums Überleben

Zirkus Piccolo
Tana mit Soleyna, Angelina, Michael, Susanna, Geraldine, John mit Orlando, Alexander mit Ohana, Alexey mit Jan und Roxane (von links). © Gabriel Habermann

Der Projektzirkus Piccolo ist in großen Schwierigkeiten. Seit einem Jahr brechen der Familie Riedesel Einnahmen wegen abgesagter Vorführungen und Grundschulprojekte weg. Die Aussichten für 2021: „Es sieht noch schlimmer aus“, so Monika Riedesel. Die Zirkusfamilie bittet um Spenden. Eine jahrhundertelange Familiengeschichte ist gefährdet.

Wenn Schulen schließen, hängt Familie Riedesel mit drin. Der Zirkus Piccolo lebt überwiegend von Zirkus-Workshops mit Schülern. Unzählige Grundschulklassen haben im Zelt unter dem Sternenhimmel das Jonglieren gelernt, ein paar Zaubertricks und Akrobatik. „Es kostet uns Überwindung, um Geld betteln zu müssen“, versichert die Direktorin Monika Riedesel. Seit der dritte Lockdown auch den letzten Funken Hoffnung auf Einnahmen in nächster Zeit erstickt habe, stehe ihnen das Wasser bis zum Hals. Sie leben von den Schulprojekten. Anfang Mai wäre die Saison losgegangen, doch die meisten Schulen hätten bereits abgesagt.

Nicht ein Schulprojekt im Jahr 2020

Schon 2020 sei keines der 22 geplanten Grundschulprojekte zustande gekommen. Für 2021 hätten sich 14 Schulen angemeldet, neun Schulen seien bereits abgesprungen. „Lehrer entschuldigen sich, sind verunsichert, können gar nichts mehr planen, wenn sie nicht wissen, ob wieder geschlossen werden muss.“ Die Zirkusleute hängen in der Luft, weil seit dem letzten Gastspiel am 1. November in Stuttgart-Hofen keine Veranstaltungen möglich sind. Große Hoffnung hätten sie auf ihren Weihnachtscircus in Fellbach-Schmiden gesetzt: „Wir hatten alles aufgebaut, dann kam der Lockdown und wir haben die Reklame wieder eingesammelt.“ Seit Dezember bis jetzt durften sie in Fellbach bleiben, nun sind sie nach Plüderhausen weitergezogen.

Seit 30 Jahren organisiere sie den Mitmachzirkus, sagt Monika Riedesel: „In der langen Zeit haben wir noch nie erlebt, dass wir Versicherungen und Fahrzeugsteuer auf Eis legen müssen.“ Die allerwichtigsten Rechnungen hätten sie erst nach Erhalten der Soforthilfe begleichen können, die für 2020 gekommen sei. Zwischen 6000 und 7000 Euro monatlich fallen nach Auskunft der Zirkuschefin an. Einen großer Posten - die Reparaturkosten - hätten sie schon reduziert, weil ihre Söhne jetzt mehr Zeit haben, selbst an den Fahrzeugen zu schrauben. „Aber alles können wir nicht selbst machen.“ Abbezahlen müssten sie ihr neues Zirkuszelt, das sie 2019, kurz vor Ausbruch der Pandemie, neu gekauft hätten. Aufgebaut gesehen haben sie es nur ein einziges Mal, in Schwaikheim. „Am Vormittag nach dem ersten Gastspiel wurden wir aufgefordert, Schilder und das Zelt abzubauen.“ Dabei habe sie am Anfang von Corona noch gedacht: „Das dauert vielleicht nur eine Woche oder zwei“ - eine Fehleinschätzung. „Wer hätte damit gerechnet, ein Jahr ist es her, und bis heute kann ich es manchmal noch immer nicht glauben.“

Fellbacher Bevölkerung zeigt sich spendenbereit

Im Juli und August, während der Lockerungen, hätten sie kleine Ferienprogramme mit 15 statt wie geplant mit 65 Kindern angeboten - der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Im Oktober dann noch ein Gastspiel mit reduzierter Zuschauerzahl. Als klar war, dass der Weihnachtszirkus ausfällt, hätten sie in Fellbach einen Spendenaufruf gestartet. Die Bevölkerung habe reagiert, gezeigt, dass sie an den Zirkus denken. „Ohne hätten wir wohl schon aufgeben müssen.“ Viele hätten Essen vorbeigebracht, Weihnachtskarten geschrieben und Geld gespendet. „Eine ganze Tüte voll mit Karten, Kaffee und Schokolade habe ich gesammelt, das war eine Beruhigung, dass wir den Menschen nicht unwichtig sind.“ Kinder, die beim Mitmachzirkus dabei waren, hätten ihr Bedauern ausgedrückt und angekündigt, 2021 wieder zu kommen. Doch ob es in absehbarer Zeit zu einem Wiedersehen unter der Zirkuskuppel kommt? Ihre Auftritte über Ostern müssen sie in den Wind schreiben. Ihr Zelt haben sie in Plüderhausen gar nicht erst ausgepackt. „Dies könnte uns als Versuch, eine Veranstaltung anzubieten, ausgelegt werden“, so Monika Riedesel. Die Ostereier für die Kinder werden zum ersten Mal nicht im Zelt, sondern im Freien versteckt, wo sie auch ihre Nummern üben. Das Einzige, das weiterläuft, seien die Fixkosten. „Sie machen uns Sorgen, denn wir sind wieder auf Spenden angewiesen.“ Die 55-jährige Direktorin leitet in vierter Generation den Familienzirkus, der sich bis ins Jahr 1895 belegen lasse. Die Hoffnung, dass es weitergeht, habe sie „noch nicht ganz“ aufgegeben. „Wir werden es schaffen, wir kämpfen uns da durch. Bis jetzt haben wir alles geschafft.“ Am meisten fehlen ihr die Kinder, die im Zelt sitzen und sich freuen. „Der Applaus ist etwas Schönes, und die Kinder, wenn sie Popcorn und Zuckerwatte in der Hand haben und lachen und sich freuen.“

Der Projektzirkus Piccolo ist in großen Schwierigkeiten. Seit einem Jahr brechen der Familie Riedesel Einnahmen wegen abgesagter Vorführungen und Grundschulprojekte weg. Die Aussichten für 2021: „Es sieht noch schlimmer aus“, so Monika Riedesel. Die Zirkusfamilie bittet um Spenden. Eine jahrhundertelange Familiengeschichte ist gefährdet.

Wenn Schulen schließen, hängt Familie Riedesel mit drin. Der Zirkus Piccolo lebt überwiegend von Zirkus-Workshops mit Schülern. Unzählige

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