Plüderhausen

Klimaprobleme und illegale Mountainbike-Strecken: Der Wald als Spiegel der Gesellschaft

Gemeindewald
Förster Julian Schmitt (rechts) bringt den Vertretern der Gemeinde ihren Wald bei einem Begang näher. © Benjamin Büttner

Sechs Jahre ist es bereits her, seitdem Vertreter der Gemeindeverwaltung und Mitglieder des Gemeinderats ihren kommunalen Wald zum letzten Mal besichtigt haben. In dieser Zeit hat sich einiges getan – höchste Zeit also, dass Förster Julian Schmitt, der seit Januar zusätzlich zum Schorndorfer Kommunalwald auch den Plüderhäuser Gemeindewald betreut, den Lokalpolitikern und Verwaltungsmitgliedern ihren Wald wieder ein bisschen näherbringt.

„Wir werden heute viele gesellschaftlich relevante Themen ansprechen“, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer zu Beginn des Waldbegangs. Und tatsächlich kommen die Versammelten direkt am Anfang ihrer Tour auf den Klimawandel zu sprechen. Der hat den Wäldern in den vergangenen Jahren, die von Trockenheit und Starkregen geprägt waren, immer mehr zugesetzt. „Plüderhausen ist reich an Baumarten“, kann Dagmar Wulfes, Leiterin des Kreisforstamts, erfreuliche Nachrichten überbringen. Durch die Vielfalt sei der Gemeindewald gut aufgestellt. „Damit sind sie gerüstet für den Klimawandel.“ In anderen Kommunen gestalte die Lage sich deutlich schlechter.

Durch Vielfalt vergleichsweise gut gerüstet für den Klimawandel

Kurz nach ihrem Aufbruch passiert die Gruppe sechs Tulpenbäume. „In Amerika ist das eine der Hauptbaumarten und hier haben sie so prächtige Exemplare in ihrem Wald“, sagt Dagmar Wulfes. „In den Bäumen ist eine unheimliche Dynamik. Da ist Potenzial drin.“ Um mit dem Klimawandel umzugehen, setze man zudem auf Douglasien. Das in Nordamerika heimische Nadelgehölz wächst schnell, hält Trockenheit gut aus und ist deshalb wirtschaftlicher und klimaresistenter, als manche heimische Arten. Dagmar Wulfes verrät den Anwesenden auch noch einen Trick, um die Douglasien von Fichten zu unterscheiden: Bricht man eine ihrer Nadeln entzwei, verströmt sie einen frischen Zitronenduft.

Weniger erfreulich als die Artenvielfalt des Plüderhäuser Gemeindewalds ist die Nachricht, dass der Wald der Kommune dieses Jahr aller Voraussicht nach keine Gewinne einbringen wird und eventuell sogar rote Zahlen schreiben könnte. Der Grund ist unter anderem, dass dieses Jahr viel Schadholz gemacht werden musste. „Borkenkäfer, Dürre ...“, zählt Förster Julian Schmitt auf. 750 Festmeter Schadholz fielen so schon an. „Da brauch ich nicht noch an reguläres Holz denken.“ Das Holz habe aber geschlagen werden müssen, da sich Störfaktoren wie der Borkenkäfer oder die Buchenfäule sonst nur weiter ausbreiten würden.

Illegale Trails können für Menschen gefährlich werden

Störfaktoren menschlicher Art gibt es im Plüderhäuser Gemeindewald leider auch: Die Mountainbiker, die sich an den steilen Hängen des Waldes so wohlfühlen, nutzen leider nicht nur den legalen Flowtrail, der in Zusammenarbeit mit der Jugend vor Ort entstanden ist, sondern machen sich auch Orte im Wald zunutze, an denen die Natur lieber in Ruhe gelassen werden sollte. In Plüderhausen geht einer der illegalen Trails auch durch ein Waldrefugium, eine Fläche, die ihrer natürlichen Entwicklung bis zum Verfall überlassen wird. Das ist nicht nur für den schützenswerten Wald problematisch, sondern auch gefährlich für die Mountainbiker.

„Hier kann jederzeit auch ohne Wind Totholz umfallen“, sagt Dagmar Wulfes. Das Kreistforstamt setze im Kreis verstärkt auf ein Miteinander mit den Mountainbikern, um gemeinsam legale Trails im Wirtschaftswald auszuweisen, auf denen sie fahren dürfen. Diese sind allerdings für adrenalingeneigtere Mountainbiker oft nicht abenteuerlich genug, weshalb es schwierig ist, mit den illegalen Strecken umzugehen.

Eignet sich Plüderhausen als "Friedwald"-Standort?

Bei einem weiteren Steilhang macht Förster Julian Schmitt erneut Halt. Diesmal nicht, um illegale Mountainbike-Strecken aufzuzeigen, sondern weil er sich auf Geheiß des Gemeinderats mit dem Thema „Friedwald“ beschäftigt hat. „Aufgrund der Topografie scheidet der Wald hier eigentlich aus“, kann Schmitt nach seiner Recherche berichten. Die Kriterien für eine ewige Ruhestätte unter den Bäumen passen nicht zum Plüderhäuser Gemeindewald: Die Laubbäume müssten laut Schmitt tendenziell etwas jünger sein, da die Baumgräber für bis zu 99 Jahre verkauft werden, außerdem müsste das Laubbaum-Gelände ebener sein und ist in Plüderhausen auch nicht gerade großzügig bemessen.

Zum „Friedwald“-Standort wird Plüderhausen deshalb wohl eher nicht. Relevant bleiben für die Gemeinde dagegen aber auch in Zukunft die Themen Klimaresistenz, Wirtschaftlichkeit und die Kontrolle des Verkehrsaufkommens im Wald.