Plüderhausen

Kostenexplosion beim Umbau der Schlossgartenschule in Plüderhausen

Schlossgartenschule
Nur noch bis Ende Juli ein Schulgebäude: Die Schlossgartenschule in der Gmünder Straße. © Benjamin Büttner

„Ihr werdet euch umgucken, was das letztendlich kostet!“, hatte Thomas Reißig vor knapp einem Jahr im Gemeinderat prophezeit. Damals stand zur Abstimmung, ob aus der Schlossgartenschule ein Kinderhaus werden soll. Mit einer Stimme Mehrheit entschied sich das Gremium für den Umbau.

Am Donnerstagabend erinnert der SPD-Rat nun an seine Prognose. Denn er sah sich jetzt bestätigt, „was mich extrem ärgert“, so Reißig. Zum ersten Mal bekam das Gremium nämlich eine konkrete Kostenschätzung für das Projekt.

Und die liegt noch einmal etwas höher als die 4,5 Millionen Euro, die von der SPD-Fraktion damals befürchtet und vom damaligen Bürgermeister Andreas Schaffer in Zweifel gezogen wurden. Stand jetzt wird der Umbau rund 4,8 Millionen Euro kosten. Die Gemeinde hatte ursprünglich mit rund 3,2 Millionen kalkuliert. „Knapp fünf Millionen Euro, und das bei unserer Haushaltslage, das tut richtig weh“, meinte Reißig.

Wie sich die Kosten für den Umbau zusammensetzen

Die Summe setzt sich zusammen aus knapp 170.000 Euro für Entkernung und Rückbau und knapp 2,9 Millionen Euro für das Bauwerk selbst inklusive der technischen Anlagen. Hinzu kommen rund 320.000 Euro für die Außenanlagen und 100.000 Euro für die Ausstattung. Weitere 665.000 Euro entfallen auf die Baunebenkosten (wie Genehmigungen oder Leistungen des Ingenieurbüros). Weitere 820.000 Euro fielen zusätzlich an, falls die Fenster erneuert und die Fassaden saniert würden.

Diese Zahlen seien zwar „sehr, sehr hoch“, sagte Architekt Rainer Nitschke, der für die Planung zuständig war. Aber wenn man das mit den Kosten für Neubauten vergleiche, „sind wir der Meinung, dass das für sechs Gruppen in Ordnung ist“.

Treiber: „Auf der grünen Wiese wäre es teurer geworden“

Zu den Kosten sagte Treiber: „Natürlich hätten wir uns alle gewünscht, dass es niedriger ausfällt.“ Klar sei aber auch: „Auf der grünen Wiese wäre es teurer geworden.“ Hinzu komme, dass die Außenanlagen und die Baunebenkosten bislang nicht explizit bei der Kostenberechnung ausgewiesen worden seien – und allgemein in den vergangenen Monaten enorme Steigerungen bei den Baukosten zu verzeichnen seien. Es wäre möglich, das auch zu einem späteren Zeitpunkt zu machen, sagte Bürgermeister Benjamin Treiber. Das wäre dann aber mit Sicherheit noch einmal teurer. Eine weitere Verschiebung würde die Verwaltung daher nicht empfehlen.

Viel Lob für das Planungsbüro

Der Plüderhäuser Bürgermeister lobte darüber hinaus die „großartige Leistung“ des Ingenieurbüros N2, das in nur knapp drei Monaten die komplette Vorplanung geschafft hat. Dies war auch notwendig, weil die Frist für die Förderung über den Ausgleichsstock des Landes für finanzschwache Kommunen in diesem Jahr Ende Januar abläuft. Plüderhausen rechnet hier mit einer Fördersumme von 1 Million Euro.

Auch Andreas Theinert (CDU) lobte die Arbeit des Architekten Rainer Nitschke: „So schnell habe ich so ein Projekt noch nie so antragsreif gesehen im Gemeinderat, das ist wirklich für mich ein Novum. Großes Kompliment an Büro und Verwaltung, das war eine Top-Leistung.“

CDU-Rat Ulrich Scheurer lobte ebenfalls die „gute, präzise und schnelle Planung“. Zu den Kosten meinte er: „Das ist jede Menge Holz“, aus seiner Sicht wäre es jedoch „absurd“, deshalb bei den Fenstern und der Fassade jetzt nichts zu machen. Auch Claudia Jensen (FW-FD) sprach sich dafür aus, hier etwas zu machen. „Sicher ist das ein großer Berg, aber das macht Sinn.“

Kelemen (SPD): „Wir haben gewarnt vor dieser Entscheidung“

Klaus Harald Kelemen (SPD hingegen sagte: „Wir haben gewarnt vor dieser Entscheidung“. Dabei habe seine Fraktion bei den damals geschätzten 4,5 Millionen Euro auch die Kosten für den Umzug an die Hohbergschule miteinberechnet. „Die kommen jetzt noch dazu.“ Die Entscheidung im Gremium, so seine Schlussfolgerung, sei auf Basis falscher Zahlen gefallen. „Da fühlt man sich schon etwas über den Tisch gezogen.“ Doch an der Entscheidung ließe sich jetzt nichts mehr ändern. „Es hilft uns nichts, dass wir mit erhobenem Haupt hinausgehen können und sagen: Wir haben es gewusst.“ Auch wenn es ihm das Herz zerreiße, wenn er sehe, was aus seiner alten Schule gemacht wird, werde er dem Vorhaben zustimmen. Denn „die Würfel sind gefallen“.

Kelemen gab sich jedoch davon überzeugt, dass ein Bau auf der grünen Wiese nicht zwingend teurer gewesen wäre – wenn man etwa ein Areal genommen, 18 bis 25 Wohnungen auf den Kindergarten gebaut und mit Erbbaurecht gearbeitet hätte.

Eine Sanierung wäre ohnehin nötig gewesen, betont Bürgermeister Treiber

Dass ein Bau im Grünen günstiger gewesen wäre, dem widersprach Bürgermeister Treiber deutlich: Die Schlossgartenschule hätte man ohnehin sanieren müssen, „das hätte Millionen gekostet und man hätte zusätzlich einen Kindergarten bauen müssen, deshalb bin ich fest überzeugt, dass es die beste Variante ist.“ Es stünden aber bald weitere Projekte im Bereich Kinderbetreuung an, da könne man über ein solches Modell dann nachdenken.

Thomas Schwenger (FW-FD) bezeichnete den Umbau als „eine hervorragende Lösung für Plüderhausen und die Kinder, die unsere Zukunft bedeuten“. Weil das Schulgebäude ohnehin saniert werden müsste, sei das eine „Win-win-Situation“.

Und so knapp sei die Entscheidung vergangenes Jahr gar nicht gewesen, merkte Theinert (CDU) an: „Ich war bei der Abstimmung gar nicht da.“ Wäre er bei der Sitzung gewesen, so hätte es eine Mehrheit von zwei Stimmen gegeben. Ob denn schon eine Solaranlage auf dem Dach geprüft worden sei, wollte er von der Verwaltung wissen.

Keine Fotovoltaik auf dem Dach des Gebäudes geplant

Wenn, dann sei das aufgrund des Denkmalschutzes nur an möglichst versteckten Stellen oder auf Nebengebäuden möglich, antwortete Bauamtsleiter Ludwig Kern. Außerdem müsste man dafür teure Elemente in den Farben der Ziegel verwenden. Deshalb wolle man davon lieber absehen – und auch bei der Gasheizung versuchen, diese möglichst eins zu eins zu erneuern.

Einstimmig sprach sich das Gremium schließlich für den Umbau der Schule aus, inklusive neuer Fenster, sanierter Fassade und eines Austauschs der Gasheizung. Bürgermeister Treiber richtete seinen Dank noch an die Kritiker, die eigentlich etwas anderes wollten, jetzt aber trotzdem dafür stimmten. „Das ist gut für die Gemeinde.“

Doppelnutzung wird jetzt von allen im Gremium ausgeschlossen

Zur Diskussion stand im Gemeinderat außerdem die Frage einer möglichen Doppelnutzung des Gebäudes. Dies war ein Wunsch in Teilen des Gremiums, vor allem der SPD- und GLU-Fraktion.

Das wäre aber nur im Obergeschoss möglich, in den Schutzräumen des Waldkindergartens, mit zusätzlichem Reinigungsaufwand, und nur am Abend. Rund 45.000 Euro müssten hier in die Hand genommen werden, um die Räumlichkeiten etwa für Musikvereine zu öffnen. Die Verwaltung gab hierzu bewusst keine Empfehlung ab. „Das liegt alleine in Ihrem Ermessen“, sagte Bauamtsleiter Kern zum Gremium.

Klaus Harald Kelemen, der sich für das denkmalgeschützte Gebäude ohnehin eine ganz andere, nämlich öffentliche Nutzung gewünscht hätte, nahm davon aber jetzt Abstand. In der noch möglichen Form eines Zimmers am Abend bringe diese nicht den erhofften Nutzen, „wir empfehlen daher ausdrücklich, das nicht weiterzuverfolgen“.

Ein Fraktionszimmer im Obergeschoss?

Die Doppelnutzung mache „wenig Sinn“; meinte CDU-Rat Markus Proschka, auch mit Blick auf die Folgekosten. „Wir brauchen ein gutes Kinderhaus.“ Darum gehe es.

Claudia Jensen (FW-FD) sagte: „Ich bin froh, dass da ziemliche Einigkeit entstanden ist, dass eine Doppelnutzung keinen Sinn macht.“ Ihr Fraktionskollege Thomas Schwenger fand es indes „irgendwie schon schade“, dass die Räumlichkeiten des Waldkindergartens, der dort bei Sturm sein Notquartier hat, nicht anderweitig genutzt würden. Das konnte auch Sachgebietsleiter Pascal Schill verstehen. Aber „es gibt momentan keine weiteren Räume, die leerstehen“.

Carlo Fritz (FW-FD) machte dann folgenden Vorschlag: Die Besprechungs-Räumlichkeiten im Obergeschoss könnte man doch abends als Fraktionszimmer nutzen. Aus Sicht der Verwaltung wäre das möglich, „wir wissen ja, bei wem wir uns dann beschweren können“, meinte Bürgermeister Benjamin Treiber.

Darüber hinaus soll es in dem künftigen Kinderhaus aber keine Doppelnutzung geben. Das hat der Gemeinderat schließlich einstimmig beschlossen.

„Ihr werdet euch umgucken, was das letztendlich kostet!“, hatte Thomas Reißig vor knapp einem Jahr im Gemeinderat prophezeit. Damals stand zur Abstimmung, ob aus der Schlossgartenschule ein Kinderhaus werden soll. Mit einer Stimme Mehrheit entschied sich das Gremium für den Umbau.

Am Donnerstagabend erinnert der SPD-Rat nun an seine Prognose. Denn er sah sich jetzt bestätigt, „was mich extrem ärgert“, so Reißig. Zum ersten Mal bekam das Gremium nämlich eine konkrete Kostenschätzung

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