Plüderhausen

Lösung fürs Blaualgen-Problem gesucht: Extremes Jahr in jeder Hinsicht für den Plüderhäuser Badesee

BadeverbotPluederhausen
So sah es im Nichtschwimmerbereich des Plüderhäuser Badesee in diesem Sommer leider an vielen Tagen aus: Die Blaualgen, die in hoher Konzentration im ganzen See vorhanden waren, stauten sich dort. Auch auf dem Bild zu sehen: Der Wasserstand war sehr niedrig. © Gaby Schneider

Zwei Extreme kamen in diesem Sommer am Plüderhäuser Badesee zusammen: Das eine war ein Ansturm von Badegästen, weil wegen der Corona-Pandemie Urlaube ausfielen und Freibäder geschlossen waren. Das andere war die Blaualgen-Plage, die schon im Juli zu Warnungen und ab Anfang August dazu führte, dass Gesundheitsamt und Gemeinde ein Badeverbot verhängten, das heißt: Wer dennoch ins Wasser ging, tat das auf eigene Gefahr.

Noch immer ist die Frage unbeantwortet, warum die Cyanobakterien, wie die Blaualgen korrekterweise heißen, den See im zweiten Jahr in Folge heimsuchten. Es gibt zwar Vermutungen und viele Theorien, aber die Sache lässt sich wohl nicht auf einfache Erklärungs- und Lösungsmuster bringen. Möglicherweise wird 2021 die Masterarbeit einer Studentin der Hochschule Nürtingen Antworten liefern können. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hat dafür jetzt sein Okay gegeben, bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen.

Zu wenig und zu warmes Wasser: „Niederschlagsdefizit katastrophal“

Ziemlich sicher haben zwei weitere Extreme im Sommer 2020 zum Algenwachstum beigetragen. Bauamtsleiter Ludwig Kern zeigte im Verwaltungsausschuss anhand von Fotos und Tabellen die Situation. Mit 1,48 Meter im Juli und 1,30 im September war der Wasserstand extrem niedrig. Und bis zum 1. November fiel er sogar noch weiter auf 1,20 Meter. „Das Niederschlagsdefizit der vergangenen Monate ist wirklich katastrophal“, so Kern. Zum Höchststand, rechnete der Bauamtsleiter den Gemeinderäten vor, fehlen dem See derzeit 25 000 Kubikmeter Wasser. Das sei ein Fußballfeld, das 2,5 Meter hoch unter Wasser stehe.

Fotos vom See, die Ludwig Kern zeigte, illustrieren die Misere zusätzlich. Bei idealem Wasserstand sind die Steinblöcke beim Nichtschwimmerbereich fast ganz im Wasser. Auf einer Aufnahme, die den jetzigen Stand zeigt, liegen die Steine komplett auf dem Trockenen, großflächige Sandbänke haben sich darum herum gebildet.

Gleichzeitig wurden im See hohe Temperaturen gemessen. Im August waren es in der Spitze weit über 28 Grad. Insgesamt lag die Wassertemperatur in den Sommermonaten 2020 fast durchgängig über dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre. „Der See wird tendenziell wärmer“, so Ludwig Kern.

„Je mehr man drüber liest, desto größer wird das Geheimnis“

Reichen der niedrige Wasserstand und die hohe Wassertemperatur schon als Erklärung für das starke Algenwachstum? Bauamtsleiter Walter Kern ist ratlos. Theorien gebe es viele, aber: „Je mehr man darüber liest, desto größer wird das Geheimnis.“ Die Beweisführung ist jedenfalls schwierig.

Sind Fäkalien von Menschen schuld oder die Grau- und Nilgänse, die bis Ende Juni in großer Zahl am See waren und zum Ärger vieler Seebesucher große Mengen Kot hinterließen? Eine andere Theorie ist, dass Düngemittel-Rückstände von umliegenden Feldern über das Grundwasser in den See gekommen sein könnten. Das würde erklären, warum das Algenwachstum immer nach Regenfällen stark zugenommen hat. Ludwig Kern betonte jedoch dazu schon im Sommer: Das sei eine reine Vermutung, es gebe dafür keine Beweise, weswegen er es für falsch halte, mit dem Finger auf die Landwirte zu zeigen. Oberirdische Zuflüsse hat der Plüderhäuser Badesee keine, er wird komplett aus unterirdischen Quellen gespeist.

An der Frage nach der Ursache hängt letztendlich die nach der Lösung des Problems – wobei die Gemeinde an hohen Temperaturen und Trockenheit natürlich nichts ändern kann. Manche in Plüderhausen fordern, dass der Nichtschwimmerbereich zurückgebaut werden muss, damit sich dort die Algen nicht so stauen können, wie es im Sommer der Fall war. In der von Steinen begrenzten Bucht im Osten des Sees stand an vielen Tagen des vergangenen Sommers eine stinkende, grüne Brühe. Die Gemeinde betont aber: Ein Rückbau würde das Problem nicht wirklich lösen. Denn: Die hohe Konzentration der Cyanobakterien war im kompletten See vorhanden, nicht nur im Nichtschwimmerbereich, dort war sie nur sichtbar, weil der Ostwind die Algen dorthin blies. Der niedrige Wasserstand und die dadurch gehemmte Zirkulation taten das Übrige zu der unappetitlichen Suppe.

Ein Überlauf im Kinderbereich, damit die Algenmasse abfließen kann, wie ihn zum Beispiel der Seewart Martin Dannenhauer vorschlägt, ist nicht so einfach umzusetzen, erklärte Ludwig Kern im Verwaltungsausschuss. Auf der einen Seite sei es bautechnisch schwierig, auf der anderen Seite verlange das Landratsamt ein Gutachten: Man könne nicht so einfach Wasser aus dem See in die Rems einleiten.

Jetzt erhofft sich die Gemeinde etwas mehr Klarheit zum Blaualgen-Rätsel durch die Masterarbeit der Studentin der Hochschule Nürtingen. Für den Abschluss eines Werkvertrages sowie Labor- und Sachaufwendungen rechnet die Gemeinde mit rund 5000 Euro Kosten.

2021: Neuer Kiosk-Pächter gesucht und Parken wird teurer

Andere Veränderungen am Badesee stehen jetzt schon fest. Zum Beispiel wird der Kioskbetrieb im Januar neu zur Verpachtung ausgeschrieben. Außerdem wird das Parken teurer: 40 Euro statt wie bisher 25 kostet 2021 eine Jahreskarte. Außerdem müssen ab kommendem Jahr auch die Plüderhäuser fürs Parken am See bezahlen, die bisher eine kostenlose Jahreskarte bekamen. Das hat der Gemeinderat angesichts der prekären Plüderhäuser Haushaltslage bereits im November mehrheitlich beschlossen.

Im Verwaltungsausschuss deutete Bauamtsleiter Ludwig Kern jetzt zudem an, dass sich die Gemeinde mit dem Thema Verkehrssicherungspflicht auseinandersetzen muss. Dabei gehe es um Haftungsfragen, wenn jemand am oder im See zu Schaden komme. „Dann wird gefragt, ist die Kommune mitverantwortlich?“ Oder: Hat sie genügend für die Sicherheit getan? Es gebe Kommunen, die hätten die Badeinseln aus ihren Seen geholt, um das Haftungsrisiko zu senken. „An dem Thema kommt man wohl kaum vorbei“, so der Bauamtsleiter.

Zwei Extreme kamen in diesem Sommer am Plüderhäuser Badesee zusammen: Das eine war ein Ansturm von Badegästen, weil wegen der Corona-Pandemie Urlaube ausfielen und Freibäder geschlossen waren. Das andere war die Blaualgen-Plage, die schon im Juli zu Warnungen und ab Anfang August dazu führte, dass Gesundheitsamt und Gemeinde ein Badeverbot verhängten, das heißt: Wer dennoch ins Wasser ging, tat das auf eigene Gefahr.

Noch immer ist die Frage unbeantwortet, warum die Cyanobakterien,

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