Plüderhausen

Mode Hertlein in Plüderhausen: So hält der Laden sich schon seit über 75 Jahren

Mode Hertlein
Kerstin Schuler macht ihre Arbeit Freude. © Gabriel Habermann

Im vergangenen Jahr hat das Plüderhäuser Modegeschäft Hertlein sein 75-Jahr-Jubiläum gefeiert. Hochzeitsanzüge können dort genauso erstanden werden wie hübsche Kleider oder andere Frauenmode. Aber wie kann sich so ein Laden in einem kleinen Ort wie Plüderhausen überhaupt so lange halten – und auf Dauer der knallharten Konkurrenz mit billigem Online-Handel standhalten? Darüber haben wir mit Inhaberin Kerstin Schuler gesprochen.

„Die ganz dicke Überschrift ist, dass man einfach Lust darauf haben muss“, sagt Kerstin Schuler. Und: „Man muss Einsatz zeigen.“ Ein Modegeschäft zu leiten sei kein Job, bei dem man um 9 kommen und um 17 Uhr nach Hause gehen könne. „Die Work-Life-Balance ist manchmal nicht so ausgewogen“, sagt sie deshalb. Der Einsatz, mit Herzblut bei der Arbeit sein, das zahle sich aber auch aus, die Kundschaft merke das.

Mode in Plüderhausen in dritter Generation

1947 hat Kerstin Schulers Opa, ein Herrenschneidermeister, „Mode Hertlein“ gegründet. Übernommen hatte den Laden dann ihre Mutter, Kerstin Schuler machte zunächst einen „kleinen Ausflug“ ins Grafikdesign, nun führt sie aber den Laden in dritter Generation. „Das habe ich gemeinsam mit meinem Mann entschieden“, erzählt sie. Bei einem Familienunternehmen müssten schließlich alle mitziehen, mitarbeiten, tolerieren, dass die Samstage dann eben nicht frei von Arbeit sind. Auch für sie ist Herrenmode noch ein wichtiges Standbein, genauso bietet sie aber auch Kleidung für Frauen an und legt mitunter einen Fokus auf nachhaltige Kleidung. Aber was hat sie ursprünglich dazu bewogen, das Familienunternehmen zu übernehmen?

Zum einen, antwortet Kerstin Schuler, war es der tiefe Respekt vor der Arbeits- und Lebensleistung der vorherigen Generationen. Zum anderen sei es schwierig, Strukturen, die einmal kaputt sind, wie ein geschlossener Laden im Ort, wieder aufzubauen. Und etwas Abenteuergeist war wohl auch dabei: „Wenn man es nicht probiert, weiß man nicht, ob es klappt.“ Während des Corona-Lockdowns habe sie noch einmal die Möglichkeit gehabt, zu hinterfragen, wie es weitergehen soll, ob sie den Laden weiterbetreiben wolle oder nicht, und habe dabei gemerkt, dass die Entscheidung für den Laden gut war, dass sie weiterhin am richtigen Ort sei. Und noch einen weiteren positiven Nebeneffekt hatte die sonst so zermürbende Corona-Zeit.

Gute Beziehung zur Kundschaft

Als sie „Mode Hertlein“ nicht aufmachen durfte, stellte Kerstin Schuler stattdessen Päckchen mit einer Auswahl von Kleidung für interessierte Kundinnen und Kunden zusammen. „Ich habe es sehr genossen, dass ich eigentlich jeden gekannt habe“, sagt sie. So habe sie die Päckchen relativ treffsicher zusammenstellen können. „Das kann man bei großen Ketten nicht machen“, stellt sie fest. Trotzdem ist es ihr natürlich lieber, dass die Kundschaft sich nun wieder im geöffneten Laden treffen kann. „Das ist auch eine Kommunikationsplattform, wenn die Kunden zusammenkommen und plaudern. Ich genieße das Miteinander.“ Das Persönliche vor Ort sei es auch, was den Laden ausmache. Kerstin Schuler hat den Eindruck, dass auch ihre Kundinnen und Kunden das seit Corona umso mehr wertschätzen. Der Besuch im Laden solle auch „eine kleine Auszeit“ vom Alltag sein, ein Ort, „an dem man es einfach mal schön hat“.

Einen Online-Shop hatte die Unternehmerin bereits vor der Pandemie aufgebaut. Es sei durchaus aufwendig gewesen, sich selbst in das Thema einzuarbeiten, während der Lockdowns habe es sich dann aber gelohnt, dass sie sich mit dem Laden schon in diese Richtung aufgemacht hatte. Und inzwischen laufe es mit dem Online-Shop rund. Bevor ihre Kundschaft in den Laden komme, würden sich viele bereits im Internet umsehen.

Nicht verkleiden, sondern wohlfühlen

Kerstin Schuler ist es wichtig, dass die Menschen, die bei ihr einkaufen, mit Kleidung aus dem Laden laufen, in der sie sich auch wirklich wohl fühlen und mit der sie selbstbewusst auftreten können. „Wenn ich mich verkleide, dann klappt es nicht“, findet sie. Und wenn etwas nicht so passt, dürfe man es auch gerne ändern. In ihrem Laden bietet sie dafür eine eigene Änderungswerkstatt für Kleidungsstücke, die dort gekauft wurden, an. „Den Luxus, dass man sich ein Kleidungsstück individualisieren lässt, darf man sich gönnen“, findet sie.

Im vergangenen Jahr hat das Plüderhäuser Modegeschäft Hertlein sein 75-Jahr-Jubiläum gefeiert. Hochzeitsanzüge können dort genauso erstanden werden wie hübsche Kleider oder andere Frauenmode. Aber wie kann sich so ein Laden in einem kleinen Ort wie Plüderhausen überhaupt so lange halten – und auf Dauer der knallharten Konkurrenz mit billigem Online-Handel standhalten? Darüber haben wir mit Inhaberin Kerstin Schuler gesprochen.

{element}

„Die ganz dicke Überschrift ist, dass man

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper