Plüderhausen

Nach langer Bühnenpause: Am Freitag (11.06.) beginnt der Theatersommer in Plüderhausen

Open-Air-Theatersommers
Die Open-Air-Bühne in der Ortsmitte hat Wolfgang Kammer bereits im vergangenen Sommer bespielt. © ALEXANDRA PALMIZI

Seit 30 Jahren steht Wolfgang Kammer auf der Bühne, seit 14 Jahren betreibt er in Plüderhausen erfolgreich sein Theater hinterm Scheuerntor. Doch seit Ende Oktober konnte er dort coronabedingt nicht mehr auftreten. Das war die längste Bühnenpause seit Kammer inszeniert, und sie findet nun ein baldiges Ende. Denn am Freitag, 11. Juni, startet der Plüderhauser Theatersommer.

Eine Open-Air-Bühne in der Ortsmitte

Dafür hat der Plüderhäuser, wie bereits im vergangenen Jahr, eine Open-Air-Bühne eingerichtet, direkt gegenüber dem Theater auf dem Hof der Künstlergruppe Art 5 in der Hauptstraße 5. Bis zum 7. August finden dort, gutes Wetter und weiterhin niedrige Inzidenzzahlen vorausgesetzt, Theateraufführungen und Konzerte statt. Bis zu 50 Besucher sind zugelassen, um den nötigen Abstand halten zu können. Stand jetzt müssen die Gäste nicht nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Es herrscht Maskenpflicht.

Ein wenig aufgeregt ist Wolfgang Kammer deshalb schon. Denn nach so langer Pause ist er natürlich etwas aus der Übung – auch wenn er sich seit einem Jahr intensiv auf diese Inszenierung vorbereitet.

Kammer insziniert die mittelalterliche Sage "Parzival"

Zu sehen gibt es auf der Bühne Wolfram von Eschenbachs „Parzival“. Zusammen mit Angelika Gök hat er aus der mittelalterlichen Sage ein Figurentheaterstück entwickelt. Wie zumeist wird Kammer alleine auf der Bühne stehen. Auch das Bühnenbild aus Masken, Puppen und Bildern hat er selbst gestaltet. „Bei den Miniaturen halte ich mich an die Heidelberger Liederhandschrift“, sagt er.

Dabei handelt es sich um die umfangreichste und berühmteste deutsche Lieder- und Gedichtsammlung des Mittelalters. Für jeden Dichter hat ein Miniaturmaler damals eine Seite gestaltet. Das greift Kammer gestalterisch auf. Kammer hat dazu Tafeln entworfen, aus denen die Figuren heraustreten können, mit denen er dann spielt. „Bildnerisch ist das Ganze eher in der Zeit des Romans in Zitaten verankert, spielen werde ich aber ganz modern damit.“

25 000 Verse auf 90 Minuten verdichtet

Das um 1200 entstandene und im Mittelhochdeutschen abgefasste Versgedicht hat Kammer nämlich in ein zeitgenössisches Deutsch übertragen. „Ich habe zwar immer wieder einen Versrhythmus drin, rede aber zumeist Prosa.“ Die alte Sprache soll trotzdem auftauchen, denn der Dramaturg singt in dem Stück mittelhochdeutsche Lieder.

Der Originaltext enthält rund 25 000 paarweise gereimte Verse. Für den Theatersommer wird das Epos auf 90 Minuten gerafft. Dazu hat er den Text in der Übersetzung von Dieter Kühn noch einmal gründlich gelesen, diesmal aber mit dem Blick des Dramaturgen. „Den Text auf 90 Minuten runterzubrechen, das war schon eine Herausforderung.“ Musste er doch dazu viele seiner Lieblingsstellen weglassen und sich auf die Hauptlinien konzentrieren. „Ich halte mich aber schon sehr an die Geschichte, die Eschenbach vor 800 Jahren geschrieben hat“, sagt Kammer, der ein Faible für die großen Sagenstoffe hat, sei es die Odyssee, die Nibelungensage oder eben der „Parzival“, der ihn schon seit seiner Jugend begleitet. „Es wäre schade, wenn die großen Geschichten verlorengingen.“

Was uns der mittelalterliche Text heute noch zu sagen hat

Denn Wolfgang Kammer findet, dass sie, trotz des antiken oder mittelalterlichen Rahmens, zeitlose Fragen stellen. „Ich will Geschichten ja nicht um ihrer selbst willen erzählen, sondern etwas darstellen, das uns heute noch sehr betrifft“, so ist seine grundsätzliche Haltung.

Im Falle des „Parzival“ gehe es konkret um die Frage: „Was ist mein ganz eigentliches Anliegen auf der Welt?“ Der junge Parzival durchläuft während des Stücks eine Entwicklung vom Sünder zum edlen Ritter und Hüter des heiligen Grals. Zu Beginn ist er noch ein naiver Jüngling, der mit einem großen Furor in die Welt hineintritt, dabei auch Schuld auf sich lädt. Doch dann findet er einen Edelmann, der ihn lehrt, wie er sich zu benehmen hat. Parzival reift zu einem Ritter heran.

Nicht Regeln befolgen, sondern seinen eigenen Weg finden

Doch im Laufe der Geschichte gerät er dann in eine Situation, in der es wichtig wäre, von seinen höfisch-ritterlichen Idealen abzuweichen, vielmehr neugierig und empathisch zu sein. Parzival verpasst diese Chance zunächst – und braucht dann lange Zeit, um einzusehen, dass er nicht richtig gehandelt hat. Dabei durchläuft er auch eine spirituelle Reifung. „Es geht im Leben nicht darum, die Regeln zu befolgen, sondern darum, seinen eigenen Weg zu finden“, fasst Kammer die Botschaft des Stücks zusammen, das auch die Geschichte einer Suche nach dem Sinn des Lebens ist.

Die Premiere findet am Freitag, 11. Juni, um 20.30 Uhr statt. Weitere Termine: Samstag, 12. Juni, sowie am 1., 2., 10., 30. und 31. Juli sowie am 6. und 7. August. Die Karten kosten 15 Euro, ermäßigt neun Euro und sind zu haben über die Papeterie Donner oder online.

Weitere Termine beim Plüderhäuser Theatersommer

Außerdem spielen im Rahmen des Theatersommers die Scheuernladies wieder ihr Erfolgsstück „Mein lieber Schwan“ (erste Aufführungen: am 18. und 19. Juni). Des Weiteren sind vier Konzerte mit den Balkan-Musikern Zakuska (Balkan-Musik, 25. Juni), Bitter Green (3. Juli), dem georgischen Russudan-Meipariani-Ensemble (23. Juli) und Euroblue (5. August) geplant. Beginn jeweils um 20 Uhr.

Seit 30 Jahren steht Wolfgang Kammer auf der Bühne, seit 14 Jahren betreibt er in Plüderhausen erfolgreich sein Theater hinterm Scheuerntor. Doch seit Ende Oktober konnte er dort coronabedingt nicht mehr auftreten. Das war die längste Bühnenpause seit Kammer inszeniert, und sie findet nun ein baldiges Ende. Denn am Freitag, 11. Juni, startet der Plüderhauser Theatersommer.

Eine Open-Air-Bühne in der Ortsmitte

Dafür hat der Plüderhäuser, wie bereits im vergangenen Jahr, eine

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