Plüderhausen

Nach Tod ihres Mannes: Petra Krüger aus Plüderhausen bedankt sich bei Pflegern

PetraGebaeck
Petra Krüger verteilt in der Adventszeit viele Plätzchen an Freunde und Verwandte. © Gaby Schneider

In der Adventszeit beschenkt Petra Krüger aus Plüderhausen ihre Freunde und Verwandten reichlich. Jedes Wochenende backt sie dann neue Plätzchen, unter der Woche setzt sie sich nach der Arbeit zwei bis drei Stunden hin, um sie zu dekorieren. Ein ganz besonderes Päckchen hat sie nun an die Universitäts-Hautklinik in Tübingen versandt. Denn dort wurde ihr Mann vor seinem Tod behandelt. Mit uns hat sie darüber gesprochen, was sie dazu bewegt, so viel zu backen, und warum die Hilfe der Pflegerinnen und Pfleger in Tübingen ihr noch immer so wichtig ist.

„Als wir bemerkt haben, dass mein Mann Hautkrebs hatte, war es schon zu spät“, erzählt Petra Krüger. 2017 sei das gewesen, der Krebs befand sich schon im Endstadium. In der Tübinger Universitäts-Hautklinik gab man ihm Medikamente, pflegte ihn, schenkte ihm noch einmal drei Jahre. 2020 verstarb er dann. Im gleichen Jahr verlor Petra Krügers Sohn bei einem schweren Motorradunfall ein Bein. „Das war ein geballter Verlust“, sagt Petra Krüger. „Ich tue mich immer noch sehr schwer, da seelisch wieder hochzukommen.“

Backen als Ablenkung

Gekocht und gebacken hat sie schon immer gerne. Einmal veranstaltete ihr Lieblingslokal eine Schwedenwoche. „Da hatten die Bedienungen supertolle Schürzen mit Elchen drauf an, so eine wollte ich unbedingt haben“, erinnert Petra Krüger, die in der Anzeigenabteilung des Zeitungsverlags Waiblingen arbeitet, sich. Etwas später erfüllte ihr Mann ihr dann ihren Wunsch und schenkte ihr eine der begehrten Schürzen mit den Worten „Zieh deine Schwedenschürze an und backe schön“. Genau das tat sie. „Aber als er dann tot war, gab es niemanden mehr, der es isst.“ Trotzdem dient das Backen ihr seitdem noch mehr als früher als Ablenkung, um herunterzukommen, nicht nachzudenken und zu entspannen.

„Besonders jetzt, wo es auf Weihnachten zugeht, fehlen einem die Menschen, die man liebt, noch mehr als sonst.“ Immer in der Adventszeit stellt Petra Krüger deshalb täglich Plätzchen her. Entweder sie backt oder sie bemalt sie. „Jetzt entwickelt es sich jedes Jahr irgendwie gleich. Irgendwann fange ich an zu backen“, sagt sie. Vergessen könne sie deshalb nicht. „In meinem Herzen wird immer ein Loch sein.“ Zumindest über die Weihnachtszeit zu kommen, sei so aber einfacher.

Ihre fertigen Kunstwerke verschenkt sie an Freunde und Bekannte, in jeder Dose ist ein kleiner Schutzengel, ebenso in Plätzchenform, der über die Beschenkten wachen soll. In diesem Jahr hat die Plüderhäuserin besonders schöne Konservendosen gestaltet, in die sie ihre Plätzchen am Ende packt. „Dieses Jahr sind die Plätzchen eher klein geblieben, weil sie sonst nicht in die kleinen Dosen passen.“

„Schoko-Busserl“ für den Vater

Und was zaubert Petra Krüger in ihrer Küche? „Ich backe Zitronenplätzchen, die sind sehr mürbe und schön weich“, sagt sie. Das Rezept sehe eigentlich eine Herzform vor, sie backt aber auch Sterne und Schneemänner, die sie dann noch schön mit Rollfondant verziert. Auch Vanillekipferl und Nusstaler kommen heiß duftend aus ihrem Ofen „Das Übliche eben.“ In diesem Jahr hat sie sich außerdem an ein Rezept erinnert, das ihr Vater besonders gerne mag, aber schon lange nicht mehr bekommen hatte: „Schoko-Busserl“. „Die liebt mein Vater heiß und innig“, erzählt sie. Ihre Mutter suchte und grub ein Rezeptheft von 1973 aus. „Das sieht so aus, als wurde schon 500-mal damit gebacken“, sagt Petra Krüger mit einem Lachen. Seine Arbeit tat das Heft aber noch, der Vater bekam die Plätzchen. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit in diesem Jahr.

Weil die Preise für die Backzutaten so sehr gestiegen sind, bestanden einige Freunde und Verwandte darauf, Petra Krüger etwas Geld für ihre Keksdosen zu geben. „Ich wollte das zuerst nicht“, sagt sie. Dann hatte sie aber eine Idee: Die 45 Euro, die so zusammenkamen, rundete sie auf 100 Euro auf und sandte sie zusammen mit ihren selbst gemachten Plätzchen und einer Karte an die Krankenhaus-Station in Tübingen, auf der ihr Mann wegen seines Hautkrebses behandelt wurde. Als Dank für die Pflegerinnen und Pfleger, die sich damals um ihn kümmerten.

Schwester war völlig gerührt

„Eigentlich kann man dafür nicht richtig danken“, sagt sie. „Es gibt Sachen im Leben, da kann man Danke sagen, aber es fühlt sich irgendwie immer noch so groß an, dass man es nicht richtig ausdrücken kann.“ Trotzdem rief sie an, sprach mit einer Krankenschwester. „Sie war völlig gerührt“, sagt Petra Krüger. „So etwas hatte sie noch nicht erlebt, wenn jemand schon zwei Jahre nicht mehr da ist.“ Ihr ist es wichtig, die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger wertzuschätzen. „Sie müssen Sachen machen, die würde sonst keiner tun.“ Man müsse sich ins Gedächtnis rufen, wie wichtig ihre Arbeit in der Gesellschaft sei.

Nun, wo es auf den Heiligabend zugeht, wird Petra Krüger nach und nach wieder weniger backen. „Die Plätzchen, die ich schon gebacken habe, mache ich noch fertig“, sagt sie. „Dann verteile ich den Rest und meine Seele hat wieder ein bisschen Ruhe bis zum nächsten Jahr.“ Wobei – vielleicht werde sie auch an Ostern wieder backen. Ihre Schwester habe zumindest schon einen entsprechenden Wunsch nach Leckereien geäußert. Und überhaupt: Wenn sie Abnehmer für Kuchen finde oder sie auf die eine oder andere Art spenden könne, sei sie dazu gerne bereit, denn: „Was gibt es Besseres als etwas Selbstgemachtes.“

In der Adventszeit beschenkt Petra Krüger aus Plüderhausen ihre Freunde und Verwandten reichlich. Jedes Wochenende backt sie dann neue Plätzchen, unter der Woche setzt sie sich nach der Arbeit zwei bis drei Stunden hin, um sie zu dekorieren. Ein ganz besonderes Päckchen hat sie nun an die Universitäts-Hautklinik in Tübingen versandt. Denn dort wurde ihr Mann vor seinem Tod behandelt. Mit uns hat sie darüber gesprochen, was sie dazu bewegt, so viel zu backen, und warum die Hilfe der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper