Plüderhausen

Neuer Krimi von Jürgen Seibold: Kulinarische Buchlesung mit Kabarett in Plüderhausen

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Autor Jürgen Seibold stellte mit „Sein oder Totsein“ den zweiten Teil seiner Reihe vor. © Gaby Schneider
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Kabarettistin Gesa Schulze-Kahleyß moderierte die Buchvorstellung. © Gaby Schneider

Welche Menge welcher Holzschutzlasur eignet sich am besten, damit man sie in ein Fass alten Most hineingießt, um damit einen ungeliebten Angehörigen elegant und unauffällig ins Jenseits zu befördern? Wie führt man einen Stich mit einem Stilett von hinten direkt ins Herz aus, ohne dabei an einer Rippe abzugleiten?

Fragen, die im Berufsleben oder Familienleben eher weniger wichtig sind. Für einen Kriminalautor können sie aber genau den Unterschied zwischen einem Bestseller und einem Ladenhüter ausmachen. Woher man Antworten auf diese und ähnliche Fragen bekommt, darüber plauderte Jürgen Seibold am Samstagabend im Plüderhausener Theaterbrettle, als er seinen erst vor wenigen Tagen im Piper Verlag erschienenen, noch druckfrischen Remskrimi „Sein oder Totsein“ vorstellte.

Lesung mit Weinprobe und Vesperteller

In ihm steht der Remslinger Buchhändler Robert Mondrian, ehemals Topagent in Deutschlands geheimstem Geheimdienst, einem Rätsel gegenüber, das mit einem Sonett von William Shakespeare zusammenhängt. An der Siechenkapelle in Remslingen, Richtung Beinstein, wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. An ihr ist ein Pergament mit einem Sonett befestigt. Mondrian erkennt nicht nur, dass die Verse des Sonetts umgestellt wurden, sondern befürchtet auch, dass darin eine Botschaft versteckt sein könnte, die mit seiner eigenen Vergangenheit unmittelbar zu tun hat. Dass Remslingen irgendwie an Waiblingen erinnert, ist übrigens auch kein Zufall. Es lohnt sich, wie bei einem Wimmelbuch genau hinzuschauen und sich selbst auf die Suche zu machen.

Damit der Abend am Ende nicht zu einer trockenen Promoveranstaltung wurde, hatten sich der Nellmersbacher Autor Jürgen Seibold, Theaterbrettle-Vorsitzende Martina Schmidt, die Welzheimer Kabarettistin Gesa Schulze-Kahleyß und der Remshaldener Bio-Wengerter Jürgen Seybold etwas ganz Besonderes ausgedacht: Eine Lesung des Autors aus seinem neuen Roman, dem zweiten aus der Reihe um den Remslinger Buchhändler Robert Mondrian, kombiniert mit einer Präsentation von sechs Weinen aus dem Keller von Jürgen Seybold, die von Gesa Schulze-Kahleyß moderiert wurde. Und da eine derartige Kombination auch unbedingt einer habhaften Grundlage bedarf, steuerte das Ensemble des Theaterbrettles einen leckeren Vesperteller bei, der im eigenen Theaterhaus von dem wie gewohnt charmanten und zuvorkommenden Team serviert wurde.

Im Mai soll es ein Krimidinner mit Barbecue geben

Eigentlich hatten Gesa Schulze-Kahleyß, Jürgen Seibold und Martina Schmidt bereits für Sommer 2020 ein gemeinsam erarbeitetes Krimidinner mit Barbecue vorgesehen. Zwei Abende waren auch schon so gut wie ausverkauft. Doch dann kam bekanntlich Corona und warf alle Pläne und Hoffnungen über den Haufen.

Nun soll es im Mai 2022 definitiv über die Bühne gehen, als Gemeinschaftsprojekt mit der Sängervereinigung, die ebenfalls noch ins Boot geholt werden konnte. Doch bis dahin wollten die Vollblutkünstler nicht auf eine Begegnung mit ihrem heiß ersehnten Publikum warten. „Deshalb freuen wir uns sehr, dass nun die Krimipremiere bei uns im Theaterbrettle stattfindet und das nur zwei Tage, nachdem das Buch erschienen ist“, begeisterte sich Vereinsvorsitzende Martina Schmidt. Um den Wengerter Jürgen Seybold mit ins Spiel zu bringen, bedurfte es ebenfalls nicht viel. Die zwei Fast-Namensvettern kennen sich aus der Schorndorfer Manufaktur, wo beide als Bassisten ihre musikalischen Spuren hinterlassen haben.

Gesa Schulze-Kahleyß’ erster Auftritt seit langem

Sechs von Seybolds Weinen, einen Riesling, einen Kerner, einen Rosé, einen Trollinger, einen Spätburgunder und einen Merlot präsentierte Schulze-Kahleyß als bodenständige, ehrliche, ohne Firlefanz und Schnörkel ausgebaute Gewächse. Nur gut, dass nicht auch noch ein Sekt dabei sei, merkte sie dabei an. „Denn bei Weißwein denkt man an Dummheiten, bei Rotwein redet man von Dummheiten, aber mit Sekt macht man sie.“

Die Künstlerin lief an diesem Abend zu einer begeisternden Höchstform auf. Kein Wunder. „Seit diese Sache ausgebrochen ist, über die ich gar nicht reden will und die mich gezwungen hat, meine Hebebühne in Schwäbisch Gmünd zu schließen, ist dies mein erster Auftritt“, erzählte sie. Und was den Weinbau anbelange, da bewege sie sich auf vertrautem Terrain. Schließlich drehe sich eines ihrer Soloprogramme kabarettistisch um Trauben, und was daraus werden kann, angefangen bei der Erkenntnis: „Wo früher meine Leber war, ist heute eine Minibar“ und aufgehört bei der Ernüchterung: „Mit den Männern ist es wie mit dem Computer. Hättest du noch ein bisschen gewartet, dann hättest du einen besseren bekommen.“

Welche Menge welcher Holzschutzlasur eignet sich am besten, damit man sie in ein Fass alten Most hineingießt, um damit einen ungeliebten Angehörigen elegant und unauffällig ins Jenseits zu befördern? Wie führt man einen Stich mit einem Stilett von hinten direkt ins Herz aus, ohne dabei an einer Rippe abzugleiten?

Fragen, die im Berufsleben oder Familienleben eher weniger wichtig sind. Für einen Kriminalautor können sie aber genau den Unterschied zwischen einem Bestseller und einem

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