Plüderhausen

Plüderhäuser Badesee: Weshalb die Gemeinde auf weiteren Regen hofft

Badesee
Im Sommer 2020 gab es Blaualgen im Badesee. © ALEXANDRA PALMIZI

Dass es momentan so viel regnet, mag den Badegästen vielleicht nicht so sehr gefallen. Ludwig Kern jedoch ist „sehr dankbar“ darüber, denn „jeder Tropfen mehr, der drin ist, hilft dem See ungemein.“ Der Plüderhäuser Bauamtsleiter, der auch für den Badesee zuständig ist, denkt dabei vor allem an ein Problem, das die letzten beiden Sommer die Verwaltung beschäftigte: Blaualgen, die zeitweise für ein Badeverbot in dem beliebten Gewässer sorgten.

Genau genommen handelt es sich dabei um Cyanobakterien, deren Stoffwechselprodukt Microcystin bei hoher Konzentration gesundheitsschädlich sein kann. Mögliche Folgen bei Kontakt oder Verschlucken sind Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen oder allergische Reaktionen.

Auch mit Blaualgen war die Wasserqualität eigentlich gut

Weshalb diese sich im Badesee ansammelten, ist aber nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Der niedrige Wasserstand und die hohen Wassertemperaturen (zeitweise lagen diese bei mehr als 28 Grad Celsius) dürften das Wachstum begünstigt haben. Auch könnten Graugänse, Badegäste oder Gülle aus der Landwirtschaft eine Rolle gespielt haben. „Jeder Nährstoffeintrag kann dazu beitragen“, sagt Ludwig Kern. „Auch ein ungeduschter Badegast trägt Belastung in den See ein. Jeder, der vorher duscht, tut dem See etwas Gutes. Und auch Gänse können eine Belastung einbringen. Wir sind deshalb froh, wenn sie nicht im See sind.“ All diese Faktoren könne man jedoch nicht als alleinige Ursachen betrachten.

Und er gibt zu bedenken: „Auch während die Blaualgen sich ausbreiteten, hatten wir ein hervorragendes Wasser, keine nährstoffreiche Brühe.“ Das haben Untersuchungen des Gesundheitsamtes im vergangenen Jahr bestätigt.

Die Wasserqualität ist also nicht das Problem. Jetzt im Mai sei das Wasser sehr klar, wie Kern kürzlich bei einer Erkundung festgestellt hat, bei der es darum ging, was zu tun sei.

Grund für die Blaualgen-Vermehrung wird wissenschaftlich untersucht

Die Ursache für das Blaualgen-Phänomen wird im Moment zudem wissenschaftlich geklärt. Jennifer Lloyd-Pippich, Masterandin des Studiengangs Umweltschutz an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, untersucht das Phänomen im Rahmen ihrer Abschlussarbeit. Kern lobt die Studentin, die im Moment noch Daten sammelt, als „sehr stringent organisiert“. Ziel ihrer Abschlussarbeit ist es, die Ursachen für die Ausbreitung der Blaualgen zu untersuchen sowie die Vor- und Nachteile möglicher Gegenmaßnahmen zu bewerten. Daraus will die Gemeinde dann Rückschlüsse für das weitere Vorgehen ziehen.

Ziemlich sicher hat die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre ihren Teil zu dem Problem beigetragen. Und obwohl es zuletzt eher regnerisch war, sind die Folgen der trocken-heißen Sommer immer noch deutlich zu spüren. „Wir schleppen seit vielen Monaten ein Niederschlagsdefizit mit uns herum“, sagt Bauamtsleiter Kern. Zwar habe der Regen der letzten Wochen in den oberen Bodenschichten für Wassereintrag gesorgt. Die Unterböden seien aber nach wie vor trocken und zerklüftet. „Wir brauchen noch Monate oder gar Jahre, um das aufzuholen.“

Ludwig Kern ist froh, dass der Regen im Moment so sanft fällt. Dadurch würden die Bodenschichten durchweicht. Allerdings müsste der Regen endlich auch im Grundwasser ankommen, damit es sich für den See wirklich bemerkbar mache.

Denn die Filterwirkung des Bodens sei besser, wenn er bis in tiefere Schichten durchfeuchtet ist. Das sei bislang nicht der Fall. „Was wir bis jetzt an Niederschlägen bekommen haben, ist überaus wertvoll, aber die Trockenheit ist immer noch sehr groß.“

Ein unterirdischer Abfluss aus dem Kinderbereich?

Vergangenes Jahr war die Idee aufgekommen, das Wasser im Kinderbereich, der besonders von den Blaualgen betroffen war, unterirdisch in die Rems ableiten zu lassen. Dazu wäre jedoch eine wasserrechtliche Erlaubnis notwendig. „Wenn wir das mit Algen belastete Wasser in die Rems ableiten, müssten wir nachweisen, dass wir dort nichts zum Nachteil verändern“, sagt Kern.

Das könnte sich schwierig gestalten, zumal es oberhalb des Wehrs in die Rems fließen würde und der Fluss dort einen sehr ruhigen Wasserkörper habe. Außerdem wäre eine solche Ableitung auch bautechnisch nicht ganz einfach. „Das Rohr müsste sauber abgedichtet werden mit Lehmschlägen, damit das Wasser nicht ungesichert aus dem See abgeleitet wird.“ Die Verwaltung sieht deshalb von einer solchen Lösung ab – auch, weil die Blaualgen im gesamten See, nicht nur im Kinderbereich auftraten.

Ludwig Kern hofft jetzt vor allem eines: dass die Niederschläge anhalten und dem Plüderhäuser Badesee das klare Wasser möglichst lange erhalten bleibt.

Dass es momentan so viel regnet, mag den Badegästen vielleicht nicht so sehr gefallen. Ludwig Kern jedoch ist „sehr dankbar“ darüber, denn „jeder Tropfen mehr, der drin ist, hilft dem See ungemein.“ Der Plüderhäuser Bauamtsleiter, der auch für den Badesee zuständig ist, denkt dabei vor allem an ein Problem, das die letzten beiden Sommer die Verwaltung beschäftigte: Blaualgen, die zeitweise für ein Badeverbot in dem beliebten Gewässer sorgten.

Genau genommen handelt es sich dabei um

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