Plüderhausen

Plüderhäuser Gemeinderat lehnt drei Baugebiete in Walkersbach ab

WalkersbachBuergerhaus
Symbolbild. © Gaby Schneider

Soll der Teilort Walkersbach wachsen – oder wäre Plüderhausen mit weiteren Bauprojekten womöglich überfordert? Würden neue Bauplätze die Wohnungsnot lindern – oder sollte vielmehr auf Innenverdichtung gesetzt und sollten die Leerstände bekämpft werden? An diesen Fragen schieden sich bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Staufenhalle die Geister.

Im Dezember 2019 waren die Verhältnisse noch klarer. Da sprach sich eine Mehrheit des Gremiums für die Entwicklung von Baugebieten „Am Kirchweg“ in der „Sonnenhalde“ und in „Haseläcker“ aus und stieg in ein entsprechendes Bebauungsplanverfahren ein. Bei der Sitzung am Donnerstagabend haben sich die Mehrheitsverhältnisse jetzt aber überraschend gedreht.

Auf die Tagesordnung kam das Thema auch, weil die SPD-Fraktion mit einem Antrag die weitere Planung vorantreiben wollte. Gefordert hatte die Fraktion, die Entwicklung der Baugebiete jetzt möglichst schnell an ein Planungsbüro zu vergeben.

Verwaltung sprach sich dafür aus, in Walkersbach weiter zu planen

Dem widersprach die Verwaltung nicht. Bauamtsleiter Ludwig Kern sagte in der Sitzung: „Wir schlagen vor, die zuständigen Behörden zu hören und parallel mit den Grundstückseigentümern zu sprechen. Mit deren Beteiligung steht und fällt es ja.“

Klaus Harald Kelemen (SPD) zeigte sich über den Beschlussvorschlag erfreut. Ulrich Scheurer (CDU) sagte, man müsse auch dem Teilort Walkersbach eine Perspektive aufzeigen, „aber aufpassen, dass wir nicht zu viel auf einmal machen.“

GLU-Rat Erich Wägner: „Es gibt Grenzen des Wachstums“

Erich Wägner indes bekräftigte noch einmal seine bereits im Dezember 2019 geäußerte grundsätzliche Ablehnung. „Es gibt Grenzen des Wachstums“, sagte der GLU-Rat. Plüderhausen plane ja bereits Hohrain/Gländ, in dem später einmal rund 500 Menschen wohnen werden. Wohnungsnot, das sei eher ein Thema in größeren Städten, meinte Wägner, und „Zuzug bedeutet außerdem auch immer Kosten“. Neue Baugebiete würden Investitionen in Kitas, Schulen, Kanäle oder Straßensanierungen nach sich ziehen. Im engen Walkersbacher Tal würde dadurch der Verkehr zunehmen. Und nicht zuletzt kritisierte Wägner auch die damit einhergehende Flächenversiegelung. „Wir haben im Ort nach wie vor viele Baulücken“. Deshalb brauche es Innenverdichtung statt neuer Baugebiete.

SPD-Rat Kelemen bezeichnete diese Haltung als „ein bisschen weltfremd“. Denn „man kann nicht gegen Baugebiete sein und gegen das Bauen in die Höhe. Beides nicht zu wollen, wird nicht funktionieren“. Er bezog sich damit auf Wägners ablehnende Haltung zu einem Vorschlag der SPD, den Kindergarten im Stockwiesenweg zu vergrößern und aufzustocken. Außerdem wagte er mit Verweis auf die Folgen der Pandemie eine Prognose: „Co-Working und Home-Office werden künftig zunehmen. Karlsruhe und Stuttgart werden Einwohner verlieren. Das wird massiv die Landflucht stoppen.“ Außerdem habe es in Plüderhausen in diesem Jahr bereits mehr als 100 Geburten gegeben. „Man muss doch über den Tag hinaus denken. Die wollen später auch hier arbeiten. Wenn man das will, braucht man eine kleine Ergänzung.“ Die drei geplanten Gebiete seien auch nur eine „marginale Arrondierung“. Außerdem könne man doch einen Teilort wie Walkersbach nicht völlig von neuen Bebauungen abhängen.

CDU-Rat Ulrich Scheuer sagte zu Wägner: „Wir machen innerorts eine extreme Nachverdichtung, wo früher Grünflächen waren.“ Da würde dann auch sehr viel versiegelt. „Wenn man so etwas genehmigt, kann man das andere nicht mit Bausch und Bogen ablehnen.“ Die geplanten Baugebiete bezeichnete er als „immer noch moderat“. Und er widersprach Wägner auch beim Thema Wohnungsnot: „Die ist hier im Raum Stuttgart immer noch groß.“ Durch die bessere Anbindung der Bahn Richtung Stuttgart werde sich das künftig seiner Ansicht nach eher noch verstärken.

Sein Fraktionskollege Reiner Schiek gab hingegen zu bedenken: „Wir haben jetzt Hohrain/Gländ vor uns und wissen noch gar nicht, wie man es finanzieren soll. Wir müssen aufpassen und einen Schritt nach dem anderen machen.“

Was tun gegen die Leerstände in der Gemeinde?

„Kein Mensch hat bisher angesprochen, wie viel Leerstände wir in Plüderhausen haben“, kritisierte Betha König (GLU). „Da müssen wir unbedingt etwas unternehmen.“ Ulrich Scheurer warnte indes davor, einen Weg zu gehen wie Oberbürgermeister Boris Palmer in Tübingen. Dort werden Leerstände sanktioniert. „Man kann niemand dazu zwingen, das verärgert und verunsichert die Leute“, meinte Scheurer.

Überhaupt nicht marginal seien die geplanten Baugebiete in Walkersbach, meinte Uwe Härer-Schurr (GLU). Sie seien aus seiner Sicht kein adäquates Mittel gegen die Wohnungsnot und auch nicht sozial gerecht, da er dort vor allem den Bau von Einfamilienhäusern erwarte. Und er fragte sich, ob die Kläranlage überhaupt für so viele Neubürger ausgelegt sei, was Bauamtsleiter Kern mit „Die Kläranlage funktioniert“ kommentierte.

Ortswart Nick Schuppert (SPD): „Es ist ein unheimlicher Bedarf da“

Woraufhin sich der Walkersbacher Ortwart Nick Schuppert (SPD) in die Diskussion einschaltete. „Die letzten acht Termine als Ortswart waren alles Termine mit Familien, die einen Bauplatz in Walkersbach suchten“, berichtete er. „Es ist ein unheimlicher Bedarf da.“

Dennoch sprach sich das Gremium dann mit einer denkbar knappen Mehrheit von acht Stimmen gegen die Bauplätze in Walkersbach aus. Sieben Räte stimmten dafür, zwei enthielten sich. Damit ist das Bebauungsplanverfahren gestoppt.

In der gleichen Sitzung wurde auch noch mehrheitlich beschlossen bei den Planungen für das Gebiet „Starken“ am Aichenbachhof vorerst keine weiteren Schritte einzuleiten. Hierfür war in der Dezember-Sitzung ebenfalls ein Bebauungsplan aufgestellt worden. Verwaltung und Gemeinderat waren sich einig, dass zum jetzigen Zeitpunkt Aufwand und Auswirkungen für die Planung zu groß seien. „Ich plädiere dafür, wegen Hohrain/Gländ jetzt Prioritäten zu setzen und nicht zu viele Ressourcen in ein anderes Projekt zu investieren“, sagte Bürgermeister Andreas Schaffer.

Soll der Teilort Walkersbach wachsen – oder wäre Plüderhausen mit weiteren Bauprojekten womöglich überfordert? Würden neue Bauplätze die Wohnungsnot lindern – oder sollte vielmehr auf Innenverdichtung gesetzt und sollten die Leerstände bekämpft werden? An diesen Fragen schieden sich bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Staufenhalle die Geister.

Im Dezember 2019 waren die Verhältnisse noch klarer. Da sprach sich eine Mehrheit des Gremiums für die Entwicklung von Baugebieten „Am

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