Plüderhausen

"Plüderhäuser Theaterbrettle" probt neues Stück

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Schwiegermutter Erna mit dem rosa Hut grüßt freundlich-beschwipst: Unser Bild zeigt von links Tanja Wörner als Hausmädchen Lisa, Ursula Ottenbacher als Schwiegermutter, Ellen Bauer als Tante Rita aus Amerika, Friedbert Disch als vermeintlichen Gatten und Martina Schmid als Ehefrau Silke. © Ramona Adolf

Plüderhausen. „Wenn bloß die drei Tage scho’ vorbei wäred“: Silke hat’s schwer. Die Erbtante aus Amerika kommt kurzfristig zu Besuch. Die fantasievolle Hausfrau mit Hang zu Höherem muss eine Scheinwelt aufbauen. Denn weder ist der Gatte Landtagsabgeordneter, noch hat ihr Haushalt Diener. Aber helfende Freunde. Im neuen Stück „Lauder Lugabeidl“ des „Plüderhäuser Theaterbrettles“ sind Missverständnisse vorprogrammiert, zur Freude des Zuschauers.

Sorgen wie diese wird sich Uwe König noch zurückwünschen. Der Kaffee ist ihm zu stark, da kann er im Geschäft gar nicht schlafen, klagt er. Soll er auch nicht, macht ihm Gattin Silke klar. Schaffen muss er, auf dass er befördert wird. Das kann Uwe, ein kleiner Beamter, nicht auf sich sitzenlassen. Dreimal ist er schon befördert worden, 1964, 1973 und 1986, klärt er auf. Das eheliche Geplänkel spielt sich beim Frühstück zu Hause ab. Edgar, schon in weißem Hemd und Stoffhose, isst noch schnell sein Frühstücksei, Silke, im Morgenmantel über dem Pyjama, wird auch zu früher Stunde nicht müde, ihrem Mann ihre Ziele zu erklären. „Wenn du dich ein bissle mehr anstrengen würdest, wärst du längst Generalsekretär.“ Da hilft es Uwe nicht, dass er das eigentlich gar nicht will, die Gattin hat Ansprüche und stellt klar: „Sparen bin i von daheim ned gewöhnt.“ Schulden drücken das Ehepaar. „Vielleicht beerben wir bald deine steinreiche Tante aus Amerika“, hofft Uwe.

Befürchtung: „Sie enterbt mich glatt, wenn sie die Wahrheit erfährt“

Prompt trifft ein Einschreiben ein. Die vermögende Verwandte, quicklebendig, kündigt ihren Besuch an - in dreieinhalb Stunden. „Das muss reichen, dich zum Landtagsabgeordneten zu machen“, erfährt der verdutzte Gatte. Mehr noch: Silke hatte der Tante geschrieben, Uwe sei ein Volksvertreter im Landesparlament. Mit Dienstwagen, Chauffeur, Diener und Hausmädchen, selbstverständlich. Was als Flunkerei für die ferne Tante begann, wird nun schnell ernst: „Sie enterbt mich glatt, wenn sie die Wahrheit erfährt“, fürchtet Silke.

Der Spannungsbogen ist gesetzt, für das Problem werden Lösungen gesucht und gefunden. Dabei stellen sich Missverständnisse und unverhoffte Wendungen ein. Die neue Komödie „Lauder Lugabeidl“, die das „Plüderhäuser Theaterbrettle“ derzeit probt, bietet durch Handlung und Dialoge vielerlei Anlass zur Komik, und die Schauspieler verstehen es, dies zu nutzen und glaubhaft umzusetzen. Zum einen durch überzeugende Mimik und Gestik: Spaß macht es, etwa Edgar Denk als aufgebrachten Ehemann zu erleben, mit den Händen fuchtelnd vor Empörung und um Worte ringend, als er nach und nach immer mehr vom Fantasiegespinst seiner Frau erfährt. Oder Ursula Ottenbacher in der Rolle von Silkes Schwiegermutter Erna mit keckem pinkfarbenem Hut, die wundervoll angeheitert das heimische Chaos bereichert. Und ganz neue Dinge über ihren Sohn erfährt: „Mei Bua isch Landtagsabgeordneter.“

Dank einer Verwechslung glaubt die Tante, mit schwäbisch-amerikanischem Akzent und breiter Goldkette um den Hals anschaulich verkörpert von Ellen Bauer, der befreundete Jörg, der eigentlich nur seinen Mercedes zur Verfügung stellen sollte, sei der Mann der Nichte. Flugs muss Ehemann Uwe in die Rolle des Dieners Percy schlüpfen und läuft in Livree und weißen Handschuhen zu großer Form auf. Die Scheinwelt mit Leben erfüllen außerdem Uwes Kollege Werner (Harald Schmid) als Chauffeur und seine Frau Lisa (Tanja Wörner) als Dienstmädchen. Bei so viel Einsatz ist’s kein Wunder, dass sich die Tante wohlfühlt: „Ach Kinder, ich bin so glücklich.“

Nicht nur die schwäbisch-amerikanischen Wortwechsel reizen das Zwerchfell. Humor entsteht ebenfalls durch ausgestaltete Situationskomik, zum Beispiel, wenn starke Männer den Koffer der Schwiegermutter nicht vom Fleck bewegen können, und diese ihn dann federleicht davonträgt. Oder als die angeheiterte Mutter des Hausherrn und das fürsorgliche Dienstmädchen mit einer Art synchronem Tanzschritt reimend das Zimmer verlassen.

Damit so etwas klappt, müssen die Schauspieler Text und Stück gut beherrschen. Beim Probenbesuch läuft alles prima, die Einsätze kommen, die Texte sitzen. So gibt denn auch Regisseur Bodo Kälber nur kleine Hinweise, hier mal zur Stimmlage, dort zu einem Detail der Requisiten.

Die Schauspieler proben seit Oktober das neue Stück, berichtet Klaudia Rieger, die in der Komödie ebenfalls auf der Bühne steht. Einige Stücke waren gesichtet und gelesen worden, mehrere kamen in die Vorauswahl. Aber bei „Lauder Lugabeidl“ sei von Anfang an herzlich gelacht worden, sagt Klaudia Rieger. Die Komödie passte zum Ensemble. Und bietet übrigens auch ein überraschendes Finale, nämlich, „dass das dicke Ende zum Schluss kommt. Es kommt nämlich ganz anders, als alle denken“, weiß Klaudia Rieger.

Karten und Vorverkauf fürs neue Stück

Der Premierenvorhang fürs neue Stück „Lauder Lugabeidl“ hebt sich am Samstag, 12. März, beim „Plüderhäuser Theaterbrettle“. Für diese Vorstellung gibt es allerdings keine Karten mehr. Vereinzelt Karten für zwei sind noch für die Aufführungen im April zu haben. Hier wird das Stück an den Freitagen 8., 15. und 22. April sowie an den Samstagen 9., 16. und 23. April gezeigt. Karten gibt es dann wieder im Juni, und zwar für die Vorstellungen an den Freitagen 3., 10., 17. Juni sowie an den Samstagen 4. und 11. Juni. Spielbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Kartentelefon:  0 71 81/8 71 22 (Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr, Montag und Donnerstag von 16 bis 17.30 Uhr). Weitere Aufführungen folgen nach der Sommerpause ab September. Mehr Infos unter www.theaterbrettle.de