Plüderhausen

Plüderhausen: "Altes Rathaus"-Chefs wollen Weinstube "Schellenturm" in Stuttgart Leben einhauchen

Altes Rathaus
Betreiber Michael Pernesch im Alten Rathaus. Zusammen mit seinem Kollegen Florian Kranich betreibt er zwei Restaurants. © Gabriel Habermann

Felldecken, Holztische und romantische Lichterketten – im „Alten Rathaus“ ist es gemütlich und warm. Damit das auch so bleibt, müssen die Betreiber des Plüderhäuser Restaurants diesen Winter aber tief in die Taschen greifen. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise zu stemmen, ist für Gastronomen nach zwei schwierigen Corona-Jahren nicht einfach. Erst kürzlich schloss das Plüderhäuser „Schützenhaus“ aus diesem Grund. Mit Michael Pernesch haben wir darüber gesprochen, warum er und sein Kollege Florian Kranich trotz der schwierigen Lage nicht nur das „Alte Rathaus“ weiterbetreiben, sondern auch noch ein Restaurant in Stuttgart übernommen haben.

Zwei Gebäude mit viel Geschichte

„Alten deutschen Gebäuden wieder Leben einzuhauchen ist unser Ding“, sagt Michael Pernesch. Das sei einer der Gründe, warum er und sein Kollege Florian Kranich kürzlich die Stuttgarter Weinstube „Schellenturm“ übernommen haben, ein Gebäude, das wie das „Alte Rathaus“ in Plüderhausen als Teil der ehemaligen Stuttgarter Stadtbefestigung einiges an Geschichte vorweisen kann. Der Hauptgrund sei aber, dass es unter den aktuellen Bedingungen zunehmend schwerer werde, dass zwei Betreiber von einem Lokal leben können.

„Das hier ist unser Hauptstandbein“, sagt Michael Pernesch. „Aber wir müssen an unsere Altersvorsorge denken. Und wir wollen unseren Beruf noch lange ausüben.“ Er sei Mitte 30, sein Kollege Mitte 40. „Wir haben irgendwann beschlossen, wenn etwas Passendes kommt, ergreifen wir die Chance.“ Gesagt, getan, Michael Pernesch und Florian Kranich teilen ihre Zeit nun zwischen dem Alten Rathaus und dem Schellenturm, wo der Fokus verstärkt auf dem Weinangebot liegt. Obwohl die zwei Gastronomen das Stuttgarter Lokal auch übernommen haben, um sich für die Zukunft besser aufzustellen, bringt diese weiterhin viel Ungewissheit mit sich.

Corona reißt Löcher in den Finanzplan

Schon während der Corona-Pandemie haben die Gastronomen finanzielle Risiken auf sich genommen, um die Auswirkungen der Lockdowns und Hygieneregeln auf ihr Geschäft zu überstehen. „Unsere Stammgäste haben uns toll unterstützt“, ist es Pernesch wichtig zu betonen. Essen zum Mitnehmen wurde das Hauptgeschäft. Auch zu Zeiten, in denen das Lokal wieder öffnen durfte, sorgten die Corona-Regeln aber dafür, dass die Kapazität deutlich begrenzt war.

Statt 100 Gästen durften zeitweise nur 40 kommen – und das Lokal war natürlich nicht immer voll besetzt. Eine Investition in eine Hütte für den Winter zahlte sich kaum aus, weil die Beschränkungen doch härter ausfielen als angenommen, Corona-Hilfen gab es kurzzeitig schon, dann mussten die beiden Betreiber sie aber in unerwarteter Höhe zurückzahlen.

Michael Pernesch ist deshalb nicht bitter. „Hätten wir nichts bekommen, gäbe es uns so auch nicht mehr. Das muss man ganz klar sagen.“ Trotzdem: Wieder Hilfe vom Staat annehmen würden er und sein Kollege eher nicht. Und auch dass die Zeit der Rückzahlungen sich nun vermutlich mit den gestiegenen Kosten der Energiekrise überschneiden werde, tue natürlich weh.

Energiekosten: "Eine Wundertüte"

Wie stark sich die gestiegenen Kosten auf den Betrieb auswirken werden, was am Ende tatsächlich auf die Gastronomen zukommt und ob die staatlichen Bestrebungen, einige der Kosten abzufangen, helfen werden, das muss sich alles noch zeigen. „Ob es existenzbedrohend ist, sehen wir nächstes Jahr, wenn die Abrechnung kommt“, sagt Pernesch auf diese Fragen.

„Das ist eine Wundertüte, darauf müssen wir uns einlassen.“ Um alte Gebäude zu heizen, werde natürlich viel Energie benötigt. „So eine Atmosphäre, die ein altes Haus hat, kann man nicht einfach neu bauen“, findet Pernesch. „Das bezahlt man dann mit höheren Energiekosten.“ Und nicht nur die Kosten für Gas und Strom sind gestiegen. Die Inflation macht sich wie überall auch im „Alten Rathaus“ bemerkbar.

„Als der Preis für Öl explodiert ist, hätten wir eine Portion Pommes für Kinder eigentlich für zehn Euro anbieten müssen“, sagt Pernesch. Dann würden die Familien aber nicht mehr zum Essen in das Restaurant kommen. „Man kann diese Preise nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben“, sagt Michael Pernesch deshalb. Komplett selbst stemmen können die Restaurantbetreiber sie aber auch nicht.

Kein Personalmangel

Positiver sieht Pernesch das Thema Personal. „Es könnte immer mehr sein, aber eigentlich sind wir ganz gut aufgestellt“, kann der Gastwirt trotz des Personalmangels in der Gastronomiebranche sagen. „Wir haben während der Corona-Zeit gut gewirtschaftet“, sagt er.

„Als viel Personal auf dem Markt war, haben wir neu eingestellt.“ Nach der Pandemie kein Personal mehr gehabt zu haben, wäre seiner Meinung nach das Schlimmste gewesen. Dann hätten nicht mehr alle Gäste bedient werden können. „Wir haben als Arbeitgeber auch eine Verantwortung und wollen gute Leute halten“, ist seine Meinung.

Felldecken, Holztische und romantische Lichterketten – im „Alten Rathaus“ ist es gemütlich und warm. Damit das auch so bleibt, müssen die Betreiber des Plüderhäuser Restaurants diesen Winter aber tief in die Taschen greifen. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise zu stemmen, ist für Gastronomen nach zwei schwierigen Corona-Jahren nicht einfach. Erst kürzlich schloss das Plüderhäuser „Schützenhaus“ aus diesem Grund. Mit Michael Pernesch haben wir darüber gesprochen, warum er und sein

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