Plüderhausen

Plüderhausen schafft Raum für Kinderbetreuung durch Tagesmutter

Tiger-Gruppe
In diesem ehemaligen Hausmeistergebäude wird die Tagesmutter Andrea Unrau demnächst Kinder betreuen können. © Gabriel Habermann

In der Gemeinde Plüderhausen fehlt es an Kindergartenplätzen. Stand jetzt können für das kommende Jahr nicht alle Eltern, die einen Platz beantragen, diesen für ihre Kinder auch bekommen. „Die Vergabe macht gerade keinen Spaß“, sagte Pascal Schill, in der Gemeinde zuständig für die Kindergärten und Schulen, bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Staufenhalle.

Ab Herbst gibt es zwei Gruppen für Betreuung durch Tagesmutter

Auf der Tagesordnung stand dort ein ganz spezielles Konzept der Kinderbetreuung: die Tagesbetreuung in anders geeigneten Räumen (besser bekannt unter dem Akronym Tiger). Dabei kümmert sich eine Tagemutter nicht in ihrem Zuhause, sondern in kitaähnlichen Räumen um mehrere Kinder. Einen solchen Tiger gibt es in Plüderhausen bereits.

Andrea Unrau, die seit einigen Monaten in dem Beruf tätig ist, will nun eine zweite Gruppe in der Gemeinde eröffnen. Im Frühjahr hat sich der Gemeinderat schon einmal mit der Sache befasst, damals hat die Anmietung der dafür angedachten Wohnung jedoch nicht geklappt. Jetzt hat Plüderhausen aber eine Lösung gefunden – und zwar in einer gemeindeeigenen, 44 Quadratmeter großen Wohnung, dem ehemaligen Hausmeistergebäude auf dem Hohberg-Schulareal. Diese wird demnächst frei. Und die Gemeinde will sie der Tagesmutter kostenfrei zur Verfügung stellen.

Viel Lob, aber auch Kritik an Standort und Größe des Gruppenraums

„Überraschenderweise“, so Bürgermeister Andreas Schaffer, „fiel die Überprüfung durch die Fachstellen sehr positiv aus.“ Trotz der geringen Wohnungsgröße müsse nur relativ wenig umgebaut werden. Außerdem könne die Tagesmutter das Außengelände der benachbarten Krippe mitnutzen. Für den Bürgermeister eine klare Win-win-Situation: Die Gemeinde kann für relativ geringe Kosten fünf Kindergartenplätze schaffen und die Tagesmutter ihr Angebot in Plüderhausen aufrechterhalten.

Auch im Gemeinderat traf das Konzept für eine zweite Tiger-Gruppe auf Zustimmung. CDU-Rat Andreas Theinert sprach von einer „Ideallösung“, sein Fraktionskollege Reiner Schiek nannte es „nur gut“. Auch Erich Wägner von der Grünen Liste Umwelt lobte diesen „sehr individuellen und familiären Ansatz“.

Sind 44 Quadratmeter ausreichend für eine Betreuungsgruppe?

Kritisch sahen manche Gemeinderäte indes die Wohnungsgröße. Claudia Jensen (FW-FD) fand sie zu klein und fragte sich: „Ist das dort wirklich möglich?“ Pascal Schill von der Gemeindeverwaltung erwiderte, dass man nicht nur auf die Größe schauen dürfe, sondern auch auf den räumlichen Aufbau. Und den habe das Amt ausdrücklich gelobt: besonders die zentrale Küche und dass der Raum so überschaubar und nicht verschachtelt sei.

Auch Silvan Vollmar (FW-FD) äußerte sich kritisch zum Standort auf dem Gelände des Schulzentrums. Er plädierte für feste Abholzeiten. Und erinnerte daran, dass das Gebäude langfristig immer noch als Hausmeistergebäude gedacht ist. Nicht zuletzt, um für Präsenz in der Nacht und am Wochenende auf dem Gelände zu sorgen. Das habe die Gemeinde weiterhin im Blick, so Bürgermeister Schaffer. Die Krippengruppe in dem Gebäude sei nur als Provisorium aufgrund des hohen Bedarfs an Kita-Plätzen gedacht. „Wir wollen so schnell wie möglich ein Kinderhaus. Und Ziel ist nach wie vor eine Hausmeisterwohnung.“

SPD-Rat Kelemen mahnt zum vorsichtigen Umgang mit Mietwohnungen der Gemeinde

Klaus Harald Kelemen (SPD) sah einen anderen Punkt kritisch: dass die Gemeinde eigene Räume kostenfrei zur Verfügung stellt. Er verwies auf die grassierende Wohnungsnot. Angesichts dessen „müssen wir aufpassen; nicht dass so etwas öfter passiert“. Die Kommune sollte „mit den Mietwohnungen umsichtig umgehen“.

In der Diskussion kam noch die Frage auf, was passiert, wenn die Tagesmutter einmal krank wird. Bürgermeister Schaffer erinnerte, dass es zum Wesen der Tagespflege gehört, dass die Kinder nur von einer Person betreut werden – und dann im Krankheitsfall eben nicht sofort eine Vertretungsgarantie haben. „Wenn es zu längeren Ausfällen kommt, können der Tagesmütterverein oder die Kommune aber flexibel reagieren.“

Das Gremium hat trotz mancher Kritikpunkte schließlich einstimmig beschlossen, der Tagesmutter den Raum im ehemaligen Hausmeistergebäude zur Verfügung zu stellen und sich mit knapp 250 Euro an Investitionskosten zu beteiligen.

Die Tagesmutter ist 31 Jahre alt und bringt Berufserfahrung mit

Andrea Unrau ist froh, dass der Gemeinderat den Weg frei gemacht hat für ihre Tiger-Gruppe. Die 31-Jährige ist ausgebildete Ergotherapeutin und Heilpädagogin mit zehnjähriger Berufserfahrung. Sie hat zahlreiche Fortbildungen absolviert, unter anderem im Bereich der Psychomotorik. Sie orientiert sich an den Ansätzen zur Sprachförderung der Pädagogin Renate Zimmer. Der christliche Glaube gehört fest zu ihrem pädagogischen Konzept.

Spätestens im September möchte die 31-Jährige ihre Tiger-Gruppe eröffnen. Bis zu fünf Kinder wird sie dort dann betreuen. Noch sind nicht alle Plätze vergeben.

Weitere Informationen und Kontakt über den Tageselternverein Schorndorf online auf der Homepage des Vereins; Email: info@tev-schorndorf.de oder telefonisch unter 0 71 81 / 88 77 20.