Plüderhausen

Plüderhausen wird dunkler: Wie die Gemeinde Energie sparen will

Straßenbeleuchtung
Die Straßenbeleuchtung im Berkener Weg. © Gabriel Habermann

Wie andere Kommunen versucht auch Plüderhausen, Energie zu sparen. Dafür hat die Verwaltung dem Gemeinderat ein Konzept vorgestellt. Einige Punkte führten zu hitzigen Diskussionen, letztendlich beschloss der Gemeinderat aber bei drei Gegenstimmen die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Was nun geplant ist.

Wie warm darf es im Winter im Klassenzimmer sein?

Die Aufenthalts- und Klassenräume für Schülerinnen und Schüler am Hohbergschulzentrum sollen diesen Winter auf eine Raumtemperatur von 20 Grad geheizt werden. In Büros und Lehrerzimmern sowie in Räumen, in denen Erwachsenenbildung oder Elternabende stattfinden, soll es ein Grad kälter sein. Die Flure, das Foyer und Lager bleiben unbeheizt.

Für die Hohbergsporthalle, die Ganztagesbetreuung und die Mensa gelten andere Temperaturen als in den Klassenzimmern. Aufenthaltsräume sollen 19 Grad warm sein, der Sportbereich allerdings nur 15 bis maximal 17 Grad. Flure, das Foyer und die Geräteräume bleiben auch hier unbeheizt. Der Warmwasserspeicher muss weiterhin auf mindestens 60 bis 70 Grad aufgeheizt werden, um Legionellen vorzubeugen.

In Kindergärten darf es wärmer sein: In Gruppenräumen soll die Temperatur 22 Grad betragen, in allen anderen Räumen wie Fluren, dem Foyer, der Küche und Bewegungsräumen 19 Grad. Im Rathaus soll die Temperatur maximal ebenso 19 Grad betragen. In Wohngebäuden für Obdachlose und Geflüchtete will die Gemeinde die Vorlauftemperatur der Heizanlage auf 50 Grad reduzieren.

Fachleute gehen laut der Verwaltung davon aus, dass eine Reduzierung der Temperatur von beheizten Aufenthaltsräumen etwa sechs Prozent Einsparung an Energieeinsatz bringt.

Gemeinderäte wollen nicht, dass es in den Schulen zu kalt wird

„Das Kälteempfinden ist immer sehr subjektiv“, sagte der CDU-Gemeinderat Michael Gomolzig. Bei 20 Grad im Klassenzimmer werde sicher kein Schüler erfrieren. „Aber was uns die Politik eingebrockt hat mit der Energiewende, das müssen die Kinder jetzt ausbaden“, schob er hinterher und kritisierte in der Folge die Ampelregierung für ihre Energiepolitik. Dabei nannte er unter anderem deutlich zu geringe Zahlen dafür, wie viel erneuerbare Energie in Deutschland genutzt wird, was für Widerspruch bei anderen Räten sorgte.

Dass nun zwei Krisen zusammenkommen und man Räume kühler halten wolle, während möglicherweise wegen der Corona-Pandemie in den Schulen im Winter wieder öfter gelüftet werde, kritisierten aber auch andere Gremiumsmitglieder. Dass die Temperatur in den Schulen durch ständiges Lüften zu kühl werde, muss vermieden werden, fand zum Beispiel auch der Grüne-Liste-Umwelt-Fraktionsvorsitzende Erich Wägner, der sich sonst für den Plan der Verwaltung aussprach, und auch der CDU-Rat Markus Proschka meinte: „Die Bedenken verstehe ich.“ Bei Problemen müsse die Gemeinde bereit sein, nachzubessern.

Gradzahlen kommen nicht von der Gemeinde

Die Gradzahlen beruhen auf übergeordneten Vorgaben und sind für alle Kommunen Gesetz, meinte dazu Bürgermeister Benjamin Treiber. „Aber es ist natürlich eine Herausforderung, wenn zwei Krisen aufeinandertreffen.“

Laut der Meinung von Claudia Jensen, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler-Freien Demokraten, sollte die Gemeinde Verständnis zeigen, wenn es zum Beispiel in der Schule einmal nicht so funktioniere wie vorgegeben. Sie rief die Verwaltung außerdem dazu auf, das Heizen in den Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften sowie anderen Einrichtungen zu kontrollieren, damit die Vorgaben auch eingehalten werden. Benjamin Treiber versicherte, dass die Verwaltung besondere Ausschläge beim Energieverbrauch durchaus einsehen und in der Folge auf Ursachenforschung gehen könne.

Langfristige Abschaltung der Straßenbeleuchtung von 0 bis 4 Uhr?

„Womit wir Probleme haben, ist die Komplettabschaltung der Beleuchtung zwischen 0 und 4 Uhr“, sagte der CDU-Rat Reiner Schick zum Maßnahmenkatalog der Verwaltung. Die Außenbeleuchtung des Hochzeitsturms wurde bereits abgeschaltet, darüber hinaus soll die Straßenbeleuchtung grundsätzlich zwischen 0 und 4 Uhr abgeschaltet werden. Ausgenommen sind davon Schaltstellen, in deren Netz sich Fußgängerüberwege mit Zebrastreifen befinden. Die Verwaltung geht dadurch von einer Einsparung von rund 10.000 Euro Stromkosten im Jahr aus. Auch auf die Lebensbedingungen von Insekten soll sich die Nachtabschaltung positiv auswirken. Aufgrund dieser Vorteile will die Verwaltung die Maßnahme deshalb langfristig umsetzen.

„Es gibt einige Kommunen, die machen das schon seit vielen Jahren“, sagte Benjamin Treiber zu den Ängsten von unter anderem dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Scheurer, dass die Gemeinde dadurch weniger sicher sein oder zumindest das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung sinken könnte. „Persönlich halte ich das für vertretbar.“

Zustimmung für Sparvorschläge

„Die allgemeine Energiekrise zwingt uns zu einem kleinen Wettbewerb“, sagte Erich Wägner. „Das hätte ich mir schon länger gewünscht.“ Dass die Gemeinde durch das Einsparen von Energie auch Geld sparen kann, dass „trifft doch eigentlich unsere schwäbische Seele“, so Wägner. Es gebe ohnehin eine hohe Lichtverschmutzung, die Abschaltung der Straßenbeleuchtung zwischen 0 und 4 Uhr sah er deshalb „nicht so kritisch“.

„Erich Wägner hat mir aus der Seele gesprochen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Harald Kelemen und auch der CDU-Rat Markus Proschka begrüßte den Verwaltungsvorschlag zur Straßenbeleuchtung. „Man kann es ja mal vier bis sechs Wochen probieren und dann darüber reden, wie die Erfahrungen sind“, so Proschka.

Laternen doch anlassen?

Der FW-FD-Rat Silvan Vollmar wollte einen Antrag stellen, nach der Heizperiode im Frühjahr noch einmal über die Verbräuche zu reden. Er plädierte für ein Ausstiegsszenario aus den Energiesparmaßnahmen. „Darüber müssen wir nicht abstimmen“, fand Benjamin Treiber. Den Bericht könne die Verwaltung auf jeden Fall vorlegen. „Das schadet ja nicht.“

Ein Antrag von Ulrich Scheurer, über die Straßenbeleuchtung separat abzustimmen beziehungsweise die Straßenlaternen die ganze Nacht anzulassen, scheiterte. Nach langer Diskussion stimmte der Rat für die Vorschläge der Verwaltung.

Wie andere Kommunen versucht auch Plüderhausen, Energie zu sparen. Dafür hat die Verwaltung dem Gemeinderat ein Konzept vorgestellt. Einige Punkte führten zu hitzigen Diskussionen, letztendlich beschloss der Gemeinderat aber bei drei Gegenstimmen die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Was nun geplant ist.

Wie warm darf es im Winter im Klassenzimmer sein?

Die Aufenthalts- und Klassenräume für Schülerinnen und Schüler am Hohbergschulzentrum sollen diesen Winter auf eine

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