Plüderhausen

Problem-Bahnhof Plüderhausen: Wird er nach Jahrzehnten endlich barrierefrei?

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Wer nicht gut zu Fuß ist, hat am Plüderhäuser Bahnhof schlechte Karten. © Gaby Schneider

Es schien aussichtslos. Der Bahnhof Plüderhausen ist nicht barrierefrei, für mobil eingeschränkte Menschen oder Eltern mit Kinderwagen ist es eine große Herausforderung, ihn zu queren oder zum Bahnsteig zu gelangen. Die Gleise sind von keiner Seite aus barrierefrei erreichbar. Das ist für viele sehr ärgerlich, auch weil der Bahnhof eine wichtige Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil Plüderhausens darstellt. Mehrere Anläufe der Verwaltung und lokaler Politiker, die Deutsche Bahn als Bahnhofsbesitzerin zum Handeln zu bewegen, scheiterten. Auch die Aufnahme in ein Bahnhofsmodernisierungsprogramm erfolgte nicht, ein Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Bundesregierung und der Bahn hatte keinen Effekt. Jetzt soll endlich Bewegung in die Sache kommen. Was hat sich geändert und welche Verbesserungen soll es nun geben?

Zwei Aufzüge und neue Bahnsteige

Michael Theurer, Parlamentarischer Staatssekretär und Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, will sich den Plüderhäuser Bahnhof im neuen Jahr bei einem Vor-Ort-Termin ansehen. Eingeladen hatten ihn der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Scheurer aus Plüderhausen und laut einer FDP-Pressemitteilung auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Stephan Seiter. In einem Antwortschreiben, das beide am Montag an unsere Redaktion sendeten, stellt Theurer zudem mehrere Verbesserungen am Bahnhof in Aussicht. Die Deutsche Bahn habe ihm mitgeteilt, dass derzeit eine vertragliche Abstimmung zum barrierefreien Ausbau des Plüderhäuser Bahnhofs erfolge.

Geplant seien der Einbau von zwei Aufzügen und der Neubau der Bahnsteige inklusive Beleuchtung, Wetterschutz, Ausstattung und Blindenleitsystem. „Voraussichtlich bis zum Ende des Jahres“ solle die Finanzierung dafür gesichert werden. Darüber hinaus prüfe die Bahn, ob durch eine Nachrüstung von Fahrradrinnen an den Treppen eine kurzfristige Verbesserung für Radfahrer am Bahnhof erreicht werden könnte, ein Vorschlag, der zunächst von Ulrich Scheurer an die Gemeinde Plüderhausen vorgebracht wurde. Das zuständige Bahnhofsmanagement sei hierzu bereits in Kontakt mit der Kommune. „Ich hoffe, dass es nunmehr gelingt, geeignete Fördermöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, um den barrierefreien Ausbau der Verkehrsstation Plüderhausen in absehbarer Zeit umzusetzen“, schreibt Michael Theurer in seinem Brief an Seiter und Scheurer.

FDP: Endlich tut sich etwas

„Stephan Seiter und der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann, der sich schon seit Jahren für einen barrierefreien Bahnhof Plüderhausen starkmacht, hören das gerne und sie haben ein gutes Gefühl, dass aus dem Wunsch jetzt Wirklichkeit wird“, heißt es zum Brief von Theurer in der FDP-Pressemitteilung zum Thema. Zu dem zugesagten Vor-Ort-Termin nach Plüderhausen werde Theurer wohl „nicht mit leeren Händen kommen“. Endlich beginne sich am Plüderhäuser Bahnhof, der bis jetzt ja vor allem als Musterbeispiel für vollkommen fehlende Barrierefreiheit Schlagzeilen gemacht habe, etwas zu tun, wird Jochen Haußmann zitiert.

Die Mitteilung sehe er „fast wie ein Weihnachtsgeschenk, obwohl es das ja in der Politik nicht gibt“. Er hoffe, dass Theurer und das Bundesministerium für Verkehr und Digitales mehr bewirken könnten als zuvor der ehemalige Staatssekretär Stefan Bilger (CDU), der in dieser Funktion im Juli 2021 in Plüderhausen gewesen sei, „aber nichts bewegt hat“. Dafür sieht er aber auch das Land in der Verantwortung: „Das Land zeigt sich mit seinem Bahnhofsmodernisierungsprogramm wenig ambitioniert. Plüderhausen ist bisher nicht für einen Umbau vorgesehen“, habe Jochen Haußmann bereits im Juli 2021 kritisiert, betont die Mitteilung. „Deswegen haperte es bei den Zuschüssen.“

„Dass es die Gespräche gibt zwischen dem Ministerium und der Bahn zu dem Thema, darüber sind wir informiert“, bestätigt Benjamin Treiber auf unsere Nachfrage die Mitteilung der FDP. „Das stimmt uns optimistisch, dass es gelingt, Lösungen für dieses Plüderhäuser Problem zu finden.“ Vertraglich sei aber noch nichts festgehalten, es gelte nun, eine Lösung zu finden, die vor dem finanziellen Hintergrund der Gemeinde machbar sei.

Der problematische Bahnhof beschäftige die Plüderhäuser schon seit Jahrzehnten, es gebe Menschen, die früher Probleme hatten, mit dem Kinderwagen die Bahnhofstreppen zu bewältigen, und nun mit dem Rollator vor dem gleichen Problem stünden. „Das wäre ein Riesenschritt für die Gemeinde Plüderhausen“, findet der Verwaltungschef deshalb. „An dieser Stelle möchte ich mich bei den Gemeinderäten, den örtlichen Abgeordneten und den Kolleginnen und Kollegen der Verwaltung für ihren Einsatz bedanken.“ Er hoffe, dass sich das Engagement nun endlich auszahle.

Der Umbau: Ein langwieriges Verfahren

Über einen konkreten Zeitplan für den möglichen Bahnhof-Umbau kann Benjamin Treiber noch keine Auskünfte erteilen. „Über solche Details wurde mit uns nicht diskutiert“, sagt er. Erfahrungsgemäß handele es sich bei solchen Projekten aber um lange Prozesse mit vielen Beteiligten. Diskutiert werden müsse auch noch, wie ein Umbau genau aussehen würde. Die Bahn fühle sich prinzipiell für zwei Aufzüge und den Neubau der Bahnsteige verantwortlich. „Damit wäre die barrierefreie Erreichbarkeit des Bahnhofs sichergestellt, aber für die Gemeinde ist es auch von Interesse, dass man von einer Seite des Bahnhofs auf die andere Seite barrierefrei durchkommt“, so Treiber.

Auf die Frage, ob die Gemeinde bei den in Theurers Brief in Aussicht gestellten Maßnahmen noch Kosten übernehmen müsste beziehungsweise wie hoch diese für Plüderhausen ausfallen würden, kann Benjamin Treiber nicht im Detail antworten. „Das sind umfangreiche Gespräche“, sagt der Bürgermeister dazu. Klar sei aber, dass die Gemeinde den Umbau, der viele Millionen Euro kosten werde, nicht hauptsächlich tragen könnte.

Es schien aussichtslos. Der Bahnhof Plüderhausen ist nicht barrierefrei, für mobil eingeschränkte Menschen oder Eltern mit Kinderwagen ist es eine große Herausforderung, ihn zu queren oder zum Bahnsteig zu gelangen. Die Gleise sind von keiner Seite aus barrierefrei erreichbar. Das ist für viele sehr ärgerlich, auch weil der Bahnhof eine wichtige Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil Plüderhausens darstellt. Mehrere Anläufe der Verwaltung und lokaler Politiker, die

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