Plüderhausen

Strategien gegen den Leerstand in Plüderhausen gesucht

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Wie hier an der Hauptstraße stehen in der Plüderhäuser Ortsmitte einige Geschäfte leer. © Gaby Schneider

Seit drei Jahren gibt es in Plüderhausen eine Wirtschaftsförderin. Diane Proschka, die das Amt von Beginn an innehat, ist dafür zuständig, die wichtigsten Akteure zu vernetzen, Schulen und Betriebe zusammenzubringen und im besten Falle neue Gewerbetreibende und Einzelhändler in den Ort zu bringen.

Coronabedingt konnte Proschka seit Beginn der Pandemie viele dieser Aufgaben nicht wahrnehmen, war sie es doch, die mit „Plüderhausen hilft“ die vorhandenen Hilfsangebote in der Gemeinde koordinierte. Hinzu kamen personelle Probleme in der Verwaltung, weshalb sie für mehrere Monate zusätzlich das Ordnungsamt leitete.

In den kommenden Monaten dürften auf die Wirtschaftsförderin viele Aufgaben in ihrem eigentlichen Zuständigkeitsbereich zukommen. Mittlerweile hat sie auch ein berufsbegleitendes Studium in diesem Bereich absolviert. Thema der Abschlussarbeit waren die Nutzungsmöglichkeiten des Bahnhofs. In den letzten beiden Jahren hat sie mit dem Pop-up-Konzept „Frei.Raum.Bahnhof“ auch konkret etwas in der Gemeinde umgesetzt. Mittlerweile befindet sich dort die Kleiderkammer.

Marketing für die Betriebe mit „Jugend meets Einzelhandel“

Für das aktuelle Jahr wagte sie zuletzt im Verwaltungsausschuss einen leicht optimistischen Ausblick. Es sei nun sehr wichtig, den Einzelhandel zu unterstützen. Und dazu gebe es auch schon ein Projekt, das in den Startlöchern stehe. Es heißt „Jugend meets Einzelhandel“, wurde gemeinsam mit dem Arbeitskreis Citymarketing sowie der Jugendsozialarbeiterin Betty Vollmar entwickelt und soll die jungen Plüderhäuser mit dem traditionellen Einzelhandel zusammenbringen. Die Idee dahinter: Jugendliche gehen als Reporter durch den Ort, besuchen Geschäfte und berichten darüber auf einer ganzen Seite im Mitteilungsblatt. Der Beitrag wird auch online auf der Gemeindeseite erscheinen. Alle Jugendlichen, die mitmachen, bekommen Gutscheine vom Handels- und Gewerbeverein. So will die Gemeinde gerade die Jüngeren an den Einzelhandel binden – und diesem umgekehrt eine kostenlose Werbeplattform bieten.

CDU-Rat Andreas Theinert meinte, das sei eine super Sache. Aber die Gemeinde müsse darüber hinaus überlegen, wie sie pandemiegebeutelten Betrieben helfen könne. Denn „viele werden es sehr schwer haben in dieser Zeit“.

Bürgermeister Andreas Schaffer sagte, die Gemeinde werde sich darüber Gedanken machen, wusste aber auch noch keine konkrete Antwort, wie. „Wir haben noch keine größere Lösung gefunden.“

Es müsse „unser aller Anstrengung sein“, den inhabergeführten Einzelhandel zu erhalten, meinte CDU-Rat Ulrich Scheurer. „Wenn die wegbrechen würden, dann verliert die ganze Gemeinde enorm.“

Thomas Schwenger brachte die Idee einer digitalen Plattform für die Betriebe in der Gemeinde ins Spiel, „ich glaube, dass das notwendig sein wird, damit Betriebe überleben können“. Schaffer fand die Idee „hervorragend“ und als gar nicht so schwer umsetzbar. Er werde das beim Arbeitskreis Citymarketing ansprechen.

Was die Gemeinde denn gegen die Leerstände im Ort zu tun gedenke, wollte SPD-Rat Thomas Reißig wissen. „Die haben wir alle auf dem Schirm, die werden alle angegangen“, antwortete Schaffer, der die Situation am Marktplatz, wo schon länger Verkaufsräume leerstehen, als „besonders ärgerlich“ bezeichnete. Wirtschaftsförderin Diane Proschka ergänzte: „Wirklich auf dem Markt verfügbar haben wir fast keinen Leerstand im Ort.“ Das Problem sei auch, dass eher kleinere Einheiten gesucht würden – und vieles, was leerstehe, schlicht zu groß sei. Wenn entsprechende Anfragen eingehen, schaue sie aber immer, wo der Bedarf passen könnte.

Lässt sich das Ladensterben überhaupt noch aufhalten?

Carlo Fritz (FW-FD) glaubt indes nicht mehr an die Zukunft des Einzelhandels in der Gemeinde. „Ich glaube, dass wir das Sterben nur verzögern, aber nicht verhindern können.“ Das Internet werde sich, beschleunigt durch Corona, in allen Branchen durchsetzen. „Ich glaube, wir müssen uns von dem Einzelhandel verabschieden.“ Er schlug deshalb vor, jetzt schon Gewerberaum in Wohnraum umzuwandeln. Bürgermeister Schaffer meinte, er sehe die Entwicklung zwar ganz ähnlich, aber „wir müssen das stützen, was noch da ist“.

CDU-Rat Theinert sagte hingegen: „Genau das möchte ich noch nicht: so schnell aufgeben.“ Eine digitale Plattform halte er für eine „ganz zentrale Geschichte“, die man „möglichst schnell angehen“ sollte.

Auch Elke Mück (SPD) meinte: „Das kann’s gar nicht sein. Wir müssen versuchen, das so lang wie möglich aufzuhalten, und schauen, dass man im Ort alles bekommen kann und nicht zu allem gleich nach Schorndorf fahren muss.“

Sorgen der Einzelhändler werden noch zunehmen

Den Haarschnitt die Brezeln oder den Kaffee bekomme man auch in Zukunft nicht bei Amazon, gab Thomas Schwenger (FW-FD) zu bedenken. „All diese Dinge werden im Ort bleiben und ihn auch weiterhin beleben.“ Der Wandel im Konsumverhalten finde natürlich statt, „aber wir können versuchen, ihn so langsam wie möglich zu machen“.

Jetzt soll aber erst einmal das Projekt „Jugend meets Einzelhandel“ starten. Ende April ist der erste Termin bei einem Einzelhändler eingeplant. Die müssen sich indes gerade auf eine erneute Teil-Schließung am Montag einstellen. Die dritte Welle ist im Anmarsch. Die Sorgen und Nöte der Betriebe werden dadurch nicht kleiner. Und deren Stärkung für den nächsten Bürgermeister sicher eine der wichtigsten Aufgaben.

Seit drei Jahren gibt es in Plüderhausen eine Wirtschaftsförderin. Diane Proschka, die das Amt von Beginn an innehat, ist dafür zuständig, die wichtigsten Akteure zu vernetzen, Schulen und Betriebe zusammenzubringen und im besten Falle neue Gewerbetreibende und Einzelhändler in den Ort zu bringen.

Coronabedingt konnte Proschka seit Beginn der Pandemie viele dieser Aufgaben nicht wahrnehmen, war sie es doch, die mit „Plüderhausen hilft“ die vorhandenen Hilfsangebote in der Gemeinde

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