Plüderhausen

Ukrainischer Pastor erklimmt Mont Blanc: Bergsteigen für eine Welt ohne Waisen

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© privat

 „Wir leben noch“, freut sich Gennady Mochnenko. Der Pastor aus dem ukrainischen Mariupol hat gerade den größten Berg der Alpen bezwungen – zusammen mit einigen seiner Söhne, von denen zahlreiche adoptiert sind. Mit der Aktion möchte er für Adoptionen werben. Auf der Rückreise machte er Station im Christlichen Zentrum Life.

Seit 24 Jahren kennen und schätzen sich Michael Knospe, Pastor in Plüderhausen, und Mochnenko, dessen Engagement für Waisenkinder vor vier Jahren in der Dokumentation „Almost holy“ verfilmt wurde. „Eine tolle Partnerschaft“ sei das, findet der Ukrainer, besonders in den letzten Jahren, da der Krieg nicht nur sein Heimatland, sondern auch die Stadt, in der er lebt und arbeitet, heimgesucht hat. Zeitweise sei die Frontlinie wenige Meter von dem Waisenhaus entfernt gewesen, das er in der Stadt am Asowschen Meer gebaut hat.

33 Kinder adoptiert, mehr als 4000 im Waisenhaus aufgenommen

Sein großer Traum ist eine Welt ohne Waisen. Der Pastor findet: „Kinder brauchen Familie. Das ist das wichtigste Bedürfnis.“ Deshalb hat Mochnenko selbst mittlerweile 33 Kinder adoptiert. Die meisten von ihnen waren zuvor obdachlos und drogenabhängig. Jüngst erst nahm er Roman zu sich. Der 13-Jährige, dessen Elternhaus durch den Krieg zerstört wurde, hatte zweieinhalb Jahre auf der Straße gelebt und zuletzt 40 Packungen Klebstoff täglich geschnüffelt. Noch nie in seinem Leben habe der Junge die Ukraine verlassen. Nun sei er der Erste auf dem Gipfel des Mont Blanc gewesen.

Die Erklimmung des höchsten Bergs der Alpen ist Teil einer groß angelegten Kampagne, bei der mit spektakulären Aktionen für Adoptionen geworben werden soll. Bei mehr als 1500 Kindern ist dies Mochnenko bereits gelungen. Mindestens 4000 Kinder waren zudem inzwischen in seinem Waisenhaus, das er als das größte auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion bezeichnet.

Auch schon den Kilimandscharo bezwungen

Zusammen mit seinen Söhnen hat er, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, in den vergangenen Jahren schon den Berg Ararat oder den Kilimandscharo bezwungen. Außerdem begeben sich die Ukrainer seit 2011 jeden Sommer auf Weltreise mit dem Fahrrad. Insgesamt 27 000 Kilometer durch 14 Länder sind sie bereits geradelt. Letzten Sommer ging die Route von Los Angeles nach Miami einmal quer durch die USA.

Der Mont Blanc ist nun der sechste Berg, den sie bisher bestiegen haben – und mit Sicherheit der gefährlichste. „Das ist kein Witz, sondern eine große Sache“, sagt Mochnenko. Wohl noch nie, mutmaßt er, seien frühere Waisenkinder und Obdachlose auf die Spitze Europas gestiegen. Die Kosten hierfür wurden über Spenden finanziert. Die Ausrüstung dazu kam unter anderem aus Plüderhausen. Als besonders wichtig auf dem Gipfel haben sich die Landjäger erwiesen, die das Christliche Zentrum mitgab, sagt der Pastor lachend.

Eigentlich hatten sie den Plan gehabt, den Berg in zehn Tagen zu bezwingen. Doch seit kurzem sei es nicht mehr erlaubt, in Privatzelten am Berg zu schlafen. Stattdessen müssten Bergsteiger für viel Geld in den Zelten vor Ort schlafen. Darum habe die Gruppe das Tempo deutlich beschleunigt und die Strecke in vier Tagen absolviert.

20 Stunden vom Basislager bis zum Berggipfel und zurück

Als besonders hart beschreibt der Pastor den letzten Tag, an dem die Gruppe 20 Stunden am Stück am Berg war. Um ein Uhr nachts seien sie beim Basislager auf 3200 Meter Höhe gestartet. Um neun Uhr abends wären sie dann wieder zurück gewesen. „Ein sehr gefährlicher Weg“ sei das. Vor allem die letzte Strecke bis zum Gipfel auf 4810 Metern Höhe, wo der Weg nur wenige Schritte schmal, links und rechts nur Eis sei – und der Wind sehr stark wehe.

Zu neunt haben sie den Gipfel schließlich erreicht – mit dabei war auch ein Kamerateam. Das Ganze soll schließlich für die Pressearbeit entsprechend genutzt werden.

Mochnenkos Vision

Das Bergsteigen ist für Mochnenko aber mehr als nur eine spektakuläre Möglichkeit, seine Vision von einer Welt ohne Waisen zu propagieren. Er bezeichnet sie auch eine Art Therapie für den Kopf, um die Bilder des Krieges verarbeiten zu können. Denn zu Hause kann er dem Konflikt nicht entrinnen. Einige seiner adoptierten Kinder kämpfen heute als Soldaten für die Ukraine, Mochnenko selbst ist als Kaplan für die Armee tätig. 15 Kilometer von Mariupol sei fast alles zerstört. „Ich liebe die Russen“, sagt Mochnenko. „Ich selbst bin schließlich auch ethnischer Russe. Doch ich hasse Putin und seine verrückte Politik.“

 „Wir leben noch“, freut sich Gennady Mochnenko. Der Pastor aus dem ukrainischen Mariupol hat gerade den größten Berg der Alpen bezwungen – zusammen mit einigen seiner Söhne, von denen zahlreiche adoptiert sind. Mit der Aktion möchte er für Adoptionen werben. Auf der Rückreise machte er Station im Christlichen Zentrum Life.

Seit 24 Jahren kennen und schätzen sich Michael Knospe, Pastor in Plüderhausen, und Mochnenko, dessen Engagement für Waisenkinder vor vier Jahren in der

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