Plüderhausen

Viel kritisiert, aber auch viel erreicht: Eine Bilanz der fünften Amtszeit von Andreas Schaffer

Hochzeitsturm
Nicht unumstritten, doch mittlerweile Wahrzeichen von Plüderhausen: Der Hochzeitsturm. © Gaby Schneider

Als Andreas Schaffer vor dreieinhalb Jahren verkündete, noch einmal antreten zu wollen als Bürgermeister von Plüderhausen, begründete er dies mit den vielen Projekten, die er gerade auf den Weg gebracht habe. Er wollte, anders gesagt, nach 32 Jahren im Amt noch einige Dinge zu Ende bringen, „Plüderhausen boomt a bissle“, meinte er beim Neujahrsempfang kurz vor der Wahl 2018. Und diesen Boom wollte er noch mitnehmen in seine letzte Amtszeit. Dass diese keine acht, sondern vier Jahre dauern werde, hatte er damals bereits angekündigt. Dreieinhalb, recht turbulente, wurden es am Ende.

In Walkersbach musste Schaffer Federn lassen

Turbulent war bereits der Wahlkampf. Nicht zuletzt, weil der Plüderhäuser Thomas Hornauer erstmals seinen Hut in den Ring warf, den amtierenden Bürgermeister so hart wie ungerecht kritisierte und die offizielle Kandidatenvorstellung der Gemeinde mit seinem exzentrischen Auftritt sprengte. Am Ende erhielt Schaffer gut 68 Prozent der Stimmen und wurde klar wiedergewählt, auch wenn er im Ortsteil Walkersbach Federn lassen musste und nur von 33 Prozent der Wähler unterstützt wurde.

Im jahrelangen Konflikt um Veranstaltungen im Bürgerhaus der Exklave hatte Schaffer Sympathien bei den Walkersbachern verloren. Zu streng habe er die Vorgaben des Landratsamts umgesetzt, fanden viele im Ort. Ungelöst blieb bis zuletzt, wie es mit dem Gebäude weitergeht. Baurechtlich ist das Bürgerhaus, das seit vielen Jahrzehnten von den örtlichen Vereinen genutzt wird, nämlich kein Veranstaltungsort, wie das Landratsamt festgestellt hat. Eine entsprechende Genehmigung steht noch aus.

Hoch- und Tiefpunkte bei der Gartenschau

Nicht ohne Kritik blieb auch das wohl zentrale Projekt der fünften Amtszeit von Andreas Schaffer: die Remstal-Gartenschau, für die er sich auch im Kreis der Bürgermeister maßgeblich einsetzte. In Plüderhausen sorgte das Projekt für zahlreiche sichtbare Veränderungen, viele davon entstanden als Idee und in Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft. So gibt es an der Rems jetzt einen Bürgergarten, einen Wasserspielplatz und einen Kunstweg. Die Aufenthaltsqualität am Fluss in der Ortsmitte wurde deutlich verbessert. Am Marktplatz gibt es jetzt einen Spielplatz. An der Ortsdurchfahrt entstand mit dem Grünen Anger zudem ein Grünstreifen. Und mit dem Hochzeitsturm eine weithin sichtbare Wegmarke. Wie in den meisten teilnehmenden Gemeinden wurde das Architekturprojekt jedoch deutlich teurer als geplant. Was für Kritik im Gemeinderat sorgte, wo die Gartenschau ohnehin nicht die ungeteilte Unterstützung aller Mitglieder genoss.

Das Gartenschau-Jahr selbst war dann ein großer Erfolg für Plüderhausen. Einmal pro Woche lockte der Treff an der Rems, der von wechselnden Akteuren aus der Gemeinde mit Gastronomie und Kultur bespielt wurde, viele Besucher an – genauso wie die „Rems in Flammen“, die groß wie nie gefahren wurde, oder die Spanische Nacht am Badesee.

Schaffer räumte Fehler ein und reagierte transparent

Im selben Jahr allerdings musste Bürgermeister Schaffer dann „Missmanagement“ einräumen. Kam es doch bei zahlreichen Projekten zu Mehrkosten, die den ohnehin knappen Finanzen der Gemeinde zusetzten. Schuld daran war allerdings nur zum Teil die Gartenschau, auf deren Projekte rund ein Viertel der Mehrkosten in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro entfiel, die vom Gemeinderat nur zum Teil abgesegnet wurden und die eine zeitweilige Haushaltssperre zur Folge hatten. Es war unterm Strich die schiere Menge an Bauprojekten zwischen 2016 und 2019, bei denen im Rathaus zeitweise der Überblick verloren ging.

Der Gemeinderat war schockiert. Schaffer reagierte transparent, stellte sich vor seine Mitarbeiter und schlug eine Untersuchung der Gemeindeprüfungsanstalt vor. Diese kam in ihrem Bericht dann zu dem Schluss, dass eine Mischung aus hohem Arbeitsvolumen und prekärer Personalsituation zu Fehlern geführt habe. Schaffer sagte zu den Ergebnissen des Prüfberichts Anfang des Jahres im Gemeinderat: „Wir haben den Fehler erkannt, nämlich, in einer Stressphase versagt zu haben, sind die Aufklärung offensiv angegangen, haben nicht gemauert, nichts vertuscht. Und dann analysiert: Wo müssen wir besser werden und neue Wege beschreiten?“ Das Ergebnis dessen war unter anderem die Dienstanweisung Controlling.

Außerdem erarbeitete eine Haushaltsstrukturkommission Vorschläge für strukturelle Einsparungen im Haushalt. Bis zum Ende seiner Amtszeit gelang es der Verwaltung so, die finanzielle Schieflage zu bewältigen. Knapp sind die Kassen in Plüderhausen indes weiterhin. Aber das war bereits vor Schaffers Amtsantritt 1986 so – und damit wird wohl auch sein Nachfolger Benjamin Treiber leben müssen.

Die letzten dreieinhalb Jahre waren natürlich auch geprägt durch die Folgen der Corona-Pandemie. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen, während die Verwaltung plötzlich damit beschäftigt war, Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen. 2020 hat sich die Pandemie, aufgrund der finanziellen Unterstützungen von Land und Bund, nicht im Haushalt niedergeschlagen. Die langfristigen Folgen indes sind noch nicht absehbar – und auch nur bedingt auf der kommunalen Ebene steuerbar.

Getan hat sich in Plüderhausen seit 2018 aber eine ganze Menge: So wurde das Gewerbegebiet Heusee erweitert, das Hochwasserrückhaltebecken zwischen Plüderhausen und Urbach fertiggestellt und für 3,2 Millionen Euro die Wilhelm-Bahmüller-Straße saniert. Außerdem wurde im Bereich der Mühlstraße Ost sowie der Remsstraße die Ortskernsanierung vorangetrieben. Noch auf den Weg gebracht hat Andreas Schaffer die Pläne zur Sanierung des westlichen Teils der Mühlstraße.

Viel Geld ins Schulzentrum investiert

Nicht zuletzt hat die Gemeinde auch Geld in die Sanierung des Hohbergschulzentrums gesteckt. Für insgesamt rund 1,5 Millionen Euro werden die Schulgebäude noch bis 2022 ertüchtigt. In einem ersten Abschnitt wurden bereits erste Toilettenräume sowie die Leitungsinfrastruktur saniert, weitere WC-Räume sollen folgen. Außerdem bearbeiten Fachleute die Betonfassade. Auch in das digitale Arbeiten hat die Verwaltung investiert. Das Hohbergschulzentrum ist inzwischen nicht nur mit den dafür nötigen digitalen Endgeräten ausgestattet, es hat nun auch das dafür nötige schnelle Internet im Haus. Der Glasfaseranschluss wurde kürzlich gelegt.

Einen weiteren wegweisenden Beschluss, das Schulzentrum betreffend, brachte Andreas Schaffer dann noch in den letzten Monaten seiner Amtszeit auf den Weg: den Umzug der Schlossgartenschüler ans Hohbergschulzentrum, der zum Schuljahr 2022/23 erfolgen wird. Ob daraus später, wie von Schaffer gewünscht, ein reines Kinderhaus wird, damit wird der Gemeinderat sich unter Nachfolger Treiber noch einmal beschäftigen. Denn der Mangel bei den Kita-Plätzen ist nach wie vor groß – auch wenn die Gemeinde im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus ein Provisorium errichtet und eine weitere Gruppe im Waldkindergarten auf den Weg gebracht hat.

Schaffer hielt Wort bei seinen Wahlkampfversprechen

Unterm Strich hat der nun scheidende Plüderhäuser Bürgermeister also seine Wahlkampf-Versprechen eingelöst. Er brachte, bei aller Kritik, noch zahlreiche Projekte zum Abschluss oder zumindest auf den Weg und hielt Wort, was seinen vorzeitigen Ruhestand betrifft. An diesem Mittwoch endet seine 35-jährige Amtszeit. Und im Rückblick betrachtet erscheint manch Kritikwürdiges in hellerem Licht. Etwa der Hochzeitsturm, der nicht nur zu einem Wahrzeichen der Gemeinde wurde, sondern als Ort für Trauungen längst etabliert ist. 31 Trauungen sind dieses Jahr in Plüderhausen angemeldet, 13 davon werden an dem Turm stattfinden.

Als Andreas Schaffer vor dreieinhalb Jahren verkündete, noch einmal antreten zu wollen als Bürgermeister von Plüderhausen, begründete er dies mit den vielen Projekten, die er gerade auf den Weg gebracht habe. Er wollte, anders gesagt, nach 32 Jahren im Amt noch einige Dinge zu Ende bringen, „Plüderhausen boomt a bissle“, meinte er beim Neujahrsempfang kurz vor der Wahl 2018. Und diesen Boom wollte er noch mitnehmen in seine letzte Amtszeit. Dass diese keine acht, sondern vier Jahre dauern

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