Plüderhausen

Walkersbacher Vereine wollen Klarheit

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Das Bürgerhaus in Walkersbach: Hier findet das öffentliche Leben statt, jetzt sorgen sich die Vereine, dass alles wegbrechen könnte. © ZVW/Gaby Schneider

Plüderhausen-Walkersbach. Die Nervosität im Plüderhäuser Ortsteil Walkersbach steigt: Bürger und Vereinsvertreter liefen am Dienstagabend im Gemeinderat auf und machten ihren Sorgen Luft. Sie wollten wissen, ob Veranstaltungen wie Salzkuchenhocketse und Bauerntheater überhaupt noch stattfinden können. Hintergrund ist der Konflikt mit einem Nachbarn des Bürgerhauses.

Der 9. Mai könnte ein entscheidender Tag für Walkersbach werden. Dann soll der Gemeinderat erstmals öffentlich eine Benutzungsordnung für das Bürgerhaus beraten. Dass die Debatte turbulent werden könnte, darauf gab es am Dienstagabend einen Vorgeschmack. Gut 50 Walkersbacher kamen in die Gemeinderatssitzung, machten ihrem Unmut über die Situation Luft und appellierten an die Verwaltung, sich für das Vereinsleben im Ort einzusetzen.

Seit Jahren hat sich der Konflikt zwischen den das Bürgerhaus nutzenden Vereinen wie dem Bauerntheater und einem direkten Nachbarn hochgeschaukelt. Nun arbeitet die Verwaltung mit dem Gemeinderat, unter Beteiligung der Walkersbacher Vereine, eine Benutzungsordnung aus. Es drohen gerichtliche Schritte des Nachbarn, betont Bürgermeister Andreas Schaffer – was wohl das Ende vieler Veranstaltungen im Bürgerhaus bedeuten würde.

Mit ihrem geballten Auftritt im Gemeinderat wollten die Walkersbacher die Dringlichkeit der Sache für ihr Vereinsleben verdeutlichen. „Die Nerven liegen blank“, beschrieb Gerda Rost, Ortswartin und Mitglied der Fraktion von Freien Wählern/Freien Demokraten (FW/FD), die Stimmung. Nick Schuppert, Vorsitzender des Bauerntheaters sagte den Gemeinderäten: Die Entscheidung über die Benutzungsordnung sei eine über das Wohl der Walkersbacher und der Gäste beim Bauerntheater. Er sprach von 2000 Zuschauern im Jahr. Eine Bürgerin klagte: „Da wird einer in Schutz genommen, und wir werden einfach im Stich gelassen.“ Die Konsequenz, wenn Veranstaltungen wegbrächen, betreffe viele Institutionen wie den Kindergarten, der aus Erlösen unterstützt werde. „Keine Veranstaltungen, kein Geld, keine Unterstützung, keine Dorfgemeinschaft“, so die Kausalkette, die die Frau aufmachte.

Andreas Schaffer widerspricht Klaus Harald Kelemen

Ein Bürger äußerte zwar Verständnis für die Verwaltung: „Ich verstehe, dass Sie nicht zu allem Ja und Amen sagen können.“ Seine Bitte jedoch: Die Verwaltung solle „den Vereinen ein bisschen nähertreten in der Diskussion, dann kriegen die das Gefühl, man hört uns.“ Andere beklagten, dass man „ewig lang“ auf die Schankerlaubnis fürs Salzkuchenfest warte. Diesen Punkt sprach auch SPD-Gemeinderat Klaus Harald Kelemen an: Die Leute bräuchten Planungssicherheit.

Bürgermeister Andreas Schaffer gab dazu in der Sitzung an, nicht voll informiert über den Stand der Dinge zu sein. Am Tag danach klärt er gegenüber unserer Zeitung auf: „Der Vorwurf ist völlig ohne Hintergrund.“ Der Antrag für die Schankerlaubnis liege seit sechs Tagen bei der Verwaltung vor, nicht seit mehreren Wochen, wie von Klaus Harald Kelemen in der Sitzung suggeriert. Außerdem habe man bereits einen Zwischenbescheid erteilt. Durch die Abwesenheit des zuständigen Rathaus-Mitarbeiters habe man die Frage der Verkehrsregelung noch nicht klären können. Schaffers klare Botschaft: „Mit der Salzkuchenhocketse gibt es gar kein Problem.“ Sie werde stattfinden können wie auch vergangenes Jahr.

Doch auch die Mitglieder des Bauerntheaters beklagten im Gemeinderat die Unsicherheit. Ihre Proben für das neue Stück hätten begonnen, ohne dass man wisse, ob man überhaupt spielen könne. Dazu sagte Bürgermeister Andreas Schaffer: „Das ist eine andere Nummer.“ Man spreche hier über 24 Aufführungen. Gegenüber unserer Zeitung betonte er: Man müsse erst die Nutzungsordnung fürs Bürgerhaus machen und dann eine Vereinbarung mit dem Nachbarn treffen. Dessen Einvernehmen sei Voraussetzung für das Bauerntheater. „Wenn wir nur die Benutzungsordnung haben, dann wird es schwierig. Die ist relativ eng.“

Schaffer warnt vor „großzügig ausgelegter“ Benutzungsordnung

In der Sitzung wehrte sich Schaffer gegen die Vorwürfe, die Walkersbacher Ehrenamtlichen allein zu lassen mit ihrem Problem. Man tue, was möglich sei, aber man sitze „zwischen allen Stühlen“. Bei vielen Vorwürfen, die im privatrechtlichen Bereich lägen, könne man als Verwaltung nichts machen. „Natürlich ist es eine schwierige Konstellation, wenn ein Bürger sich in der Weise gegen die Festkultur in Walkersbach wehrt“, so Andreas Schaffer. Aber: Es habe auch eine Zeit gegeben, als die Vereine wenig gesprächsbereit gewesen seien. „Vor zwei Jahren habe ich schon gesagt: „Leute arrangiert euch, guckt, dass diese Dinge nicht eskalieren.“

Viele Gemeinderäte versicherten ihre Unterstützung und lobten das rege Vereins- und Kulturleben in Walkersbach. Erich Wägner von der Fraktion Grüne Liste Umwelt (GLU) forderte die Walkersbacher auf, Gräben zuzuschütten, die in der Bürgergemeinschaft entstanden seien. An der verfahrenen Situation sei nicht allein der Nachbar schuld. Ihm gegenüber hätten „Unrechtmäßigkeiten stattgefunden“.

Klaus Harald Kelemen plädierte für eine „großzügig ausgelegte“ Benutzungsordnung. Davor warnt jedoch Bürgermeister Andreas Schaffer. Er vertraue dem Rechtsanwalt der Gemeinde. Und der sage: Wenn man die Nutzungsordnung zu locker fasse, dann werde diese vor Gericht schnell wieder kassiert. „Das wäre oberpeinlich“, meint Schaffer. Die Konsequenz wäre, dass Veranstaltungen dann nur noch per Einzelgenehmigung möglich wären.


Extreme Reaktionen und Schikanen

Auf das Vorgehen des Bürgerhaus-Nachbarn gegen Überschreitungen von Ruhezeiten durch Lärm bei Veranstaltungen im Bürgerhaus und weitere Dinge, die als „Provokation“ empfunden wurden, gab es extreme Reaktionen. Er erhielt anonyme Drohungen, es kam zu Sachbeschädigungen an seinem Haus, einmal wurde der Briefkasten gesprengt, an seiner Garage steht seit langem in großen Lettern „Du Sau!“ Auch andere Walkersbacher haben unserer Zeitung von ähnlichen Schikanen berichtet. Das Bauerntheater parodierte den Nachbarn und weitere Personen in seinem letzten Stück auf wenige schmeichelhafte Art und Weise.

Im Gegenzug beklagen sich Walkersbacher über fortwährende Schikanen durch den Bürgerhaus-Nachbarn, der bei jeder Gelegenheit die Polizei rufe, der die Straße vor seinem Haus filme und Listen mit Einträgen über Bewohner des Orts führe. Einer allein, so der Vorwurf, bringe die komplette Gemeinschaft ins Wanken.


Lärmmessung

Auf Anraten ihres Rechtsanwalts hat die Gemeinde für die Benutzerordnung fürs Bürgerhaus Walkersbach auch einen Fachmann mit einem Lärmgutachten beauftragt. Was gemessen wurde, konnte Bürgermeister Andreas Schaffer im Gemeinderat am Dienstagabend aufgrund von Unkenntnis nicht sagen. Am Tag danach erklärt er gegenüber unserer Zeitung: Ja, es habe Messungen gegeben.

Ursprünglich sei nur eine sogenannte „Nullmessung“ beauftragt worden, um die Schallwerte an einem normalen Tag ohne Veranstaltung festzustellen, um Vergleichswerte zu haben.

Auf Anregung des Gutachters habe der dann auch im Juni 2018 bei der Salzkuchenhocketse gemessen. Ergebnis laut Schaffer: „Unauffällig. Das war in der Beurteilung kein Problem.“ Allerdings sei das Wetter auch nicht gut gewesen und die Besucher großteils früh gegangen. Die Messung spiele keine Rolle für die Benutzungsordnung. Jeder, der wolle, könne das Gutachten aber im Rathaus einsehen.