Plüderhausen

Was braucht Plüderhausen?

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Urs Donner, einer der beiden HGV-Vorsitzenden, in der Plüderhäuser Hauptstraße. © Laura Edenberger

Plüderhausen. Was beschäftigt Plüderhausen? Dieser Frage geht unsere Serie „Wahl-Check“ vor der Bürgermeisterwahl nach. Wir haben uns im Ort umgehört und Bürger, Macher, Engagierte um ihre Ansichten gebeten. Und wir haben sie gefragt, was sie vor der Wahl von den Bürgermeisterkandidaten wissen wollen. In Folge eins macht der Handels- und Gewerbeverein den Auftakt.

Urs Donner, einer der zwei Ersten Vorsitzenden des Handels- und Gewerbevereins (HGV) mit 84 Mitgliedern, redet nicht lang drum herum: „Wir hätten gern ein Gesamtkonzept.“ Mit Verkehrssituation, Bevölkerungsentwicklung und Zielvorstellungen, und „mit allen relevanten Gruppen abgestimmt“, sagt Donner mit Blick auf eine Bürgerbeteiligung. „Wo soll Plüderhausen in verschiedenen Bereichen in 2040 sein?“, nennt er eine Frage dafür. „Danach sollten sich alle aktuellen Fragen herunterbrechen lassen.“ Ein Ortsentwicklungskonzept brauche man, argumentiert der Mit-Vorsitzende des HGV, „weil wir eine Gemeinde sind, die nicht viel Geld hat, aber viele Bürger“. Und ja, es gebe Probleme im Ort. Leerstände, ein sinkendes Angebot und abnehmende Qualität im Einzelhandel im Ortskern, Imbisse, Spielhöllen, Wettanbieter, zählt Donner auf.

"Wie soll unsere Verkehrssituation aussehen?"

„Was uns in der Ortspolitik auffällt, ist, dass die Themen isoliert betrachtet werden“, ergänzt er, und so würden sie auch entschieden, „nicht im Gesamtzusammenhang“. Baut man die Ostüberführung? Dann wären andere Themen nicht finanzierbar, nennt Urs Donner ein Beispiel. „Wie soll unsere Verkehrssituation aussehen?“, formuliert er dazu eine übergeordnete Frage, „wie entwickelt sich die Bevölkerung, wo entstehen Baugebiete? Das gehört zusammen.“ Darüber hinaus wünscht sich der HGV „eine bessere Einbindung der Bevölkerung in das, was am Ort passiert“.

Für Plüderhausen stellt Urs Donner grundsätzlich fest: „Einzelhandelsbranchen gehen verloren.“ Es gebe kein Kinderbekleidungs-, kein Haushaltswarengeschäft, kein Spielwaren- und kein Schuhgeschäft, zählt Donner auf.

„Wir möchten die Leerstände vermindern, Leben auf den Marktplatz kriegen“

Der 47-Jährige, er führt mehrere Buch- und Papeteriegeschäfte, weiß natürlich, dass die Kunden heute andere Möglichkeiten haben, einzukaufen, Stichwort Internet. Was kann die Politik da tun? „Sie kann eine ganze Menge tun, wenn sie will, Themen benennen und versuchen, dagegenzuwirken.“ Leerstandsmanagement, die leerstehenden Läden am Marktplatz füllen, Branchen ansiedeln, meint Donner etwa. Mögliche Interessenten müssten wissen, dass es Leerstände gibt, die vermietbar wären. Man müsste sich das Ziel setzen: „Wir möchten die Leerstände vermindern, Leben auf den Marktplatz kriegen“, verallgemeinert Donner. „Dann ergeben sich daraus Fragen, wie können wir dahin kommen.“ Zielgerichtetes Arbeiten, so lautet Donners Stichwort.

„Die Hauptstraße zu sanieren reicht allein nicht“

Viele Gemeinden setzen, wenn der lokale Einzelhandel gefördert werden soll, auf eine höhere Aufenthaltsqualität. Wer sich gern aufhält, bleibt ein bisschen länger, trifft wen, trinkt einen Kaffee, bummelt, kauft ein. „Erst muss was da sein, wo man bummeln gehen kann“, meint Donner. „Die Hauptstraße zu sanieren reicht allein nicht.“ Er betont: „Wir haben starke Läden, aber es bröckelt drum herum.“ Den Leuten müsse bewusst werden, was ihr Verhalten für eine Auswirkung hat, so der HGV-Mitvorsitzende zum Einkaufsthema.

Eine pfiffige Idee des HGVs war die „iKauft in Plüderhausa“-Tüte, die beim Festzug der Plüderhäuser Festtage auf dem HGV-Festwagen zu sehen war. Man müsse die Identität, die Zusammengehörigkeit stärken, unterstreicht Urs Donner, und „das Potenzial von 9300 Einwohnern nutzen“. Dazu böte der Einzelhandel Möglichkeiten, aber auch die Vereine. „Es geht nicht nur um den wirtschaftlichen Faktor, es geht darüber hinaus. Alle Bereiche gehören zusammen“, ist Donner überzeugt.

Fragen an Bewerber

Die Serie „Wahl-Check“ fragt vor der Bürgermeisterwahl: Was beschäftigt Plüderhausen? Wir sprechen mit Bürgern, Engagierten und Machern, hören, wie es geht und wo der Schuh drückt. Wir fragen, was sie vor der Wahl von den Kandidaten wissen wollen. In dieser Folge haben wir den HGV um zwei Fragen gebeten, die wir an die Bewerber weitergeleitet haben. Die Antworten lesen Sie im Artikel unten.

Die nächste Folge des „Wahl-Checks“ erscheint am Dienstag.

Die Plüderhäuser wählen am 25. Februar ihren neuen Bürgermeister. Zur Wahl stehen Andreas Schaffer, Christian Maier, Thomas Hornauer und Friedhild Anni Miller.


Plüderhausen. Wie soll sich das gewachsene Ortszentrum zwischen Schul- und Hauptstraße im Bezug auf Gewerbeansiedlung und Leerstände entwickeln? Wie will man die Identifikation der Plüderhäuser Bürger mit dem Ort stärken und für die zukünftige Entwicklung nutzen? Das haben wir die Bürgermeister-Kandidaten gefragt. Drei Bewerber haben uns verwertbare Antworten geschickt. Hier kommen ihre Ideen.

Zu Frage eins schreibt Andreas Schaffer:

Eine lebendige Ortsmitte ist eine Daueraufgabe. Gemeinde und HGV arbeiten im Arbeitskreis City-Marketing gut zusammen (Weihnachtstreff, Entenrennen, Adventskalender ...). Mit der neu geschaffenen Stelle Wirtschaftsförderung setzen wir neue Impulse. Der neue Drogeriemarkt sowie die Erweiterung Edeka und die Modernisierung Lidl tragen ebenfalls dazu bei, Kunden im Ort zu halten. Die Gemeinde kann niemanden zwingen, hier einzukaufen, aber sie kann Rahmenbedingungen beeinflussen, damit sich die Menschen hier aufhalten und wohlfühlen. Zum Beispiel steigern die Investitionen zur Remstal-Gartenschau die Aufenthaltsqualität. Außerdem muss versucht werden, Lebensmittelversorger (Metzger, Bäcker, etc.) und Dienstleistungen (Banken, Ärzte, etc.) zu halten und neue anzusiedeln.

Zu Frage zwei schreibt Andreas Schaffer:

Die Identifikation der Bürger mit dem Ort zu erzeugen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben. Je höher die Identifikation, desto größer das Engagement. So gesehen sind die Plüderhäuser schon außerordentlich verliebt in ihren Ort. Die Ehrenamtlichen in der herausragenden Vereinslandschaft, bei den Festtagen, in der Bürgerstiftung, der Bürgerenergiegenossenschaft, im Arbeitskreis Bürgerbeteiligungen für die Remstal-Gartenschau, im Arbeitskreis Flüchtlingshilfe, in der Kleiderkammer, der Seniorenwerkstatt und im Jugendhaus belegen dies eindrucksvoll. Dies will ich erhalten und weiter fördern. Zusätzlichen Schub für unser Wir-Gefühl bringt die Remstal-Gartenschau. Mit einem überdurchschnittlichen Beitrag wachsen Stolz und Bereitschaft, sich für unseren schönen Ort einzusetzen.

Zu Frage eins schreibt Christian Maier:

Dass in den ehemaligen Schlecker ein Fitnessstudio genehmigt wurde, ist natürlich fatal und zunächst nicht zu ändern. Ich werde aber Leerstandsmanagement und Gewerbeförderung zur Chefsache machen und mit Besitzern von ungenutzten Ladenflächen persönlich sprechen sowie den AK Citymarketing aktiver nutzen. Edeka oder Lidl sind wichtig. Das Angebot wird aber erst mit Reformhaus, Bauernmarkt, Wein-oder Bio-Läden ganzheitlich. Der Wochenmarkt muss durch eine neue konzeptionelle Überplanung des Marktplatzes bezüglich Waren- und Gastronomieangebot gestärkt werden. Weiter werde ich zu einem Ideenwettbewerb einladen und mich mit dem baden-württembergischen Verband der Marktbeschicker zusammensetzen. Diese Erfahrung aus ganz Baden-Württemberg kann uns bei diesem Thema nur helfen.

Zu Frage zwei schreibt Christian Maier:

Dass es im ganzen „Unterdorf“ keinen einzigen Lebensmittelladen gibt, erschließt sich mir nicht. Die Leute müssen mit dem Auto fahren, um zu den Dingen des alltäglichen Lebens zu gelangen. Handel, Handwerk und Gewerbe leisten auch einiges, davon konnte ich mich schon überzeugen. Aber nicht alle Bürger kennen das Angebot im Ort. Denn es muss ja erst mal attraktiv sein, im Ortskern einzukaufen und zu verweilen. Also muss ein Bürgermeister zum Beispiel dem HGV zuhören und Wünsche aus der Bürgerschaft sammeln. Er muss also nach Lösungen suchen. Ausreichend Parkplätze und ein innerörtlicher ÖPNV sind für mich dabei von zentraler Bedeutung. Ich werde das anpacken. Identifikation und Zusammenhalt sind für mich ein ständiger Prozess des gegenseitigen Achtens und Ernstnehmens.

Zu Frage eins schreibt Friedhild Anni Miller:

Da ich für den Bürgerhaushalt/Bürgerentscheid bin, sollten die Plüderhäusener selbst darüber entscheiden dürfen, wie man diese Leerstände belegt beziehungsweise das Ortszentrum belebt! Selbstverständlich werde ich dann mit meinem weiblichen Charme und schlagkräftigen Argumenten die Eigentümer davon überzeugen, diese Objekte günstig an die Stadt zu vermieten. Die Gelder hierfür könnte man dann zum Beispiel aus der stadteigenen Stiftung entnehmen.

Zu Frage zwei schreibt Friedhild Anni Miller:

Da ich, Fridi, sowieso bereits in Presse/TV europaweit bekannt bin und täglich mehr Zuspruch finde in meinem Kampf „David gegen Goliath“ (Filmpremiere 1. 3./Filmakademie Ludwigsburg) und ich mit eurer Stimme die Bürgermeisterwahl von Plüderhausen gewinnen kann, wäre das zumindest deutschlandweit so eine Sensation, dass Fans von überall her anreisen würden, der örtliche Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie könnten dadurch enorme Umsatzsteigerungen verzeichnen, und die Gemeinde hätte höhere Gewerbesteuereinnahmen. Eine Win-win-Situation für alle! Zudem würde ich bei einem Wahlsieg Fridi-Peace-Shirts an alle Jugendlichen und Kinder verschenken.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben allen Kandidaten die Fragen zugeschickt. Von Thomas Hornauer haben wir E-Mails erhalten, die offenbar mit einer Spracherkennung verfasst wurden und nicht ohne Weiteres verständlich waren. Er verlangte, dass die Redaktion ihm die Antworten korrigiert und vor Erscheinen zu einer Freigabe zukommen lässt. Das haben wir abgelehnt und erneut um druckfähige Antworten auf die Fragen gebeten. Bis zum Redaktionsschluss haben wir jedoch keine erhalten.