Plüderhausen

Wegen Corona: Aus für Bahnhofs-Bistro in Plüderhausen

Bahnhofs-Bisto
Das Bahnhofsgebäude in Plüderhausen steht seit dem 1. Mai wieder leer. Mit diesen Zeilen verabschiedet sich das Team. © Benjamin Büttner

Anfang des Jahres klangen Gabriele und Thomas Birkner noch optimistisch. Knapp ein Jahr war es da her, dass sie ihre Bürojobs gegen Kochlöffel und Kellnerschürze getauscht haben. Nach einem eher widrigen Start hatten sich die beiden einen soliden Ruf in und um Plüderhausen erarbeitet, zahlreiche Gäste zu Stammkunden gemacht, ihre Kreativität bei regelmäßigen Quizabenden unter Beweis gestellt – und im Kopf bereits weitere Ideen für ihr „Bistro am Bahnhof“ entwickelt.

Die Monate vor Corona waren die erfolgreichsten des Bistros

„Zuletzt ist es sehr gut gelaufen“, sagt Thomas Birkner. Januar und Februar waren die bislang erfolgreichsten Monate für die beiden Gastwirte. Doch dann machte ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung. Die Umsätze brachen Mitte März komplett ein. Zwar habe man auch einen Abholservice für Burger und Mittagsgerichte angeboten, doch auch der habe nicht verhindern können, dass ihr Bistro zuletzt zum Minusgeschäft wurde. Und Möglichkeiten an der Personalschraube zu drehen, hatten sie mangels Angestellter nicht.

„Ende April haben wir deshalb die Notbremse gezogen“, sagt Birkner. Das Bistro ist seit Anfang des Monats geschlossen – und wird auch nicht mehr eröffnen. Es sei nicht absehbar, wann sich die Situation für die Gastronomie wieder einigermaßen normalisiert. „Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt“, bilanziert er nüchtern.

Kein anderer Grund für die Geschäftsausgabe als Corona

Der Traum von der Selbstständigkeit ist damit geplatzt. Eines ist dem 44-jährigen Gastwirt aber ganz wichtig zu betonen: „Wir sind in keinster Weise gescheitert.“ Sie müssen nicht Insolvenz anmelden, stecken nicht bis zum Hals in Schulden und werden daher auch nicht ihre Firma „Rumsa“ aufgeben, mit der sie auch einen Streetfood- und Cateringservice betreiben. „Es gibt keinen anderen Grund für die Geschäftsaufgabe außer Corona.“

Wie es für ihn und seine 46-jährige Frau beruflich weitergeht, das wissen die beiden noch nicht. „Alles ist im Moment offen.“ Gut möglich, dass sie in ihre alten Berufe zurückkehren und bald wieder bei einer Bank und in einer Arztpraxis arbeiten. Immerhin: Im Gegensatz zu vielen anderen Gastronomen, die jetzt vor wirklich existenziellen Probleme stehen, haben die beiden eine greifbare Exit-Strategie für die Rückkehr in ein geregeltes und vergleichsweise sicheres Angestelltendasein.

Und so gehen sie dann aus dieser Selbstständigkeits-Erfahrung nicht nur mit einem weinenden Auge: wegen der „geilen Zeit in Plüderhausen und der ganz lieben Kunden“. Sondern auch mit einem lachenden, „denn wir freuen uns auf das, was jetzt kommt“.

Wie geht es weiter im Plüderhäuser Bahnhofsumfeld?

Was mit dem nun wieder komplett ungenutzten Bahnhofsgebäude passiert, ist indes unklar. „Die Schließung des Bistros am Bahnhof ist auf jeden Fall keine gute Nachricht“, findet Bürgermeister Andreas Schaffer. „Wir bedauern dies.“ Das sei definitiv ein Rückschritt für das Bahnhofsumfeld. Zuletzt hatte sich dort einiges getan: Mit Lidl und Rossmann eröffneten dort zwei neue Geschäfte, der Vorplatz wurde erneuert, die Straße saniert. Während der Gartenschau im vergangenen Jahr wurde der andere Teil des Bahnhofsgebäudes zu einem „Freiraum“ für Pop-up-Läden. Die geplante Fortsetzung ist nun coronabedingt auch erst einmal abgesagt.

Wie groß der Rückschritt dadurch für das Bahnhofsumfeld sein wird, kann Schaffer noch nicht genau abschätzen. Das hänge jetzt vor allem daran, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt und ob die Gemeinde einen Nachfolger findet. „Wir versuchen natürlich, wieder eine Nutzung in die Räume zu bringen“, sagt der Bürgermeister.

Eine immerhin verhalten positive Nachricht zum Schluss: Von weiteren geplanten Restaurant-Schließungen in Plüderhausen ist weder uns noch der Verwaltung im Moment etwas bekannt.

Anfang des Jahres klangen Gabriele und Thomas Birkner noch optimistisch. Knapp ein Jahr war es da her, dass sie ihre Bürojobs gegen Kochlöffel und Kellnerschürze getauscht haben. Nach einem eher widrigen Start hatten sich die beiden einen soliden Ruf in und um Plüderhausen erarbeitet, zahlreiche Gäste zu Stammkunden gemacht, ihre Kreativität bei regelmäßigen Quizabenden unter Beweis gestellt – und im Kopf bereits weitere Ideen für ihr „Bistro am Bahnhof“ entwickelt.

Die Monate vor

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