Plüderhausen

Weshalb der Plüderhäuser Bahnhof vorerst nicht barrierefrei wird

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Diese Barrieren werden bis auf weiteres so bleiben. © Gaby Schneider

Im vergangenen Jahr war die Hoffnung noch groß, dass der Plüderhäuser Bahnhof in ein Sanierungsprogramm des Bundes aufgenommen wird und endlich barrierefrei wird. Doch diese Hoffnungen hat das Bundesverkehrsministerium in Berlin jetzt platzen lassen. Denn in einer jüngst veröffentlichten Liste mit Bahnhöfen, die in den kommenden Jahren saniert werden sollen, taucht Plüderhausen nicht auf.

Aufgenommen wurden in das Programm für Bahnhöfe zwischen 1000 und 4000 Fahrgästen pro Tag in ganz Baden-Württemberg lediglich Hausach und Neckarsulm. Bis 2026 sollen sie barrierefrei sein.

Zur Erinnerung: Vergangenes Jahr hat die Gemeinde Plüderhausen eine entsprechende Anfrage des Ministeriums, ob sie in das Programm aufgenommen werden möchte, ausdrücklich bejaht.

Bürgermeister Andreas Schaffer zeigt sich von dieser Nachricht deshalb enttäuscht. „Ich hatte schon die Hoffnung, dass dort was geht.“ Wichtig wäre die Aufnahme in das Programm Bahnhofskonzept Plus für die Gemeinde schließlich vor allem aus finanziellen Gründen.

Denn die Bahn sieht nach wie vor keine Notwendigkeit darin, den Bahnhof zeitnah barrierefrei umzubauen. Wegen seiner gerade mal 1490 täglichen Fahrgäste (gemessen vor Ausbruch der Corona-Pandemie) stuft ihn das Unternehmen als nicht prioritär ein.

Weil die Gemeinde daran aber ein großes Interesse hat, ist sie vor anderthalb Jahren - wenn auch „mit der Faust in der Tasche“, so Schaffer - eine Planungsvereinbarung mit der Bahn eingegangen. Darin erklärte sie sich bereit, Kosten mit zu übernehmen. Die Aufnahme in das Bahnhofsmodernisierungsprogramm hätte der finanzschwachen Gemeinde geholfen, diese Maßnahme auch zu stemmen.

Schaffer: „Die Bahn kommt ihren Verpflichtungen nicht nach“

„Eigentlich ist das eine Aufgabe der Bahn“, betont Schaffer. „Weil sie aber ihren Verpflichtungen nicht nachkommt, sehen wir keine anderen Möglichkeiten, als eigenes Geld in die Hand zu nehmen.“ Schließlich sei der Bahnhof städtebaulich ein „ganz wichtiger, neuralgischer Punkt“. Zum einen natürlich für die Bahnfahrer selbst, aber auch, weil er beide Ortsteile miteinander verbindet.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer findet es ebenfalls „sehr ärgerlich“, dass der Bahnhof nicht in das Programm aufgenommen wurde. Plüderhausen sei schließlich in einer „absoluten Sondersituation durch den Mittelbahnsteg“. Denn an der Haltestelle gibt es auf keiner Seite einen barrierefreien Zugang. „In Plüderhausen sind Sie immer mit zwei Treppen gefangen, das geht gar nicht.“

Pfeiffer (CDU): "Eine Spezialsituation, die ich sonst nirgends kenne"

Besonders unverständlich sei, dass der Nachbarort Urbach vergangenes Jahr in ein Landesprogramm aufgenommen wurde, Plüderhausen aber nicht. Und das, obwohl es keine Haltestelle auf der Strecke Richtung Stuttgart nötiger hätte, endlich barrierefrei umgebaut zu werden. „Das kann ich nicht nachvollziehen, da ich eine solche Spezialsituation sonst nirgends kenne“, sagt Joachim Pfeiffer.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Paal hatte sich vergangenes Jahr gemeinsam mit der Abgeordneten-Kollegin Petra Häffner (Grüne) für den Umbau des Bahnhofs starkgemacht. „Damit alle mobil sein können, ist die Barrierefreiheit am Bahnhof in Plüderhausen dringend geboten. Es ist bedauerlich, dass bisher keine weiteren Schritte erfolgt sind.“ Sofern die handelnden Akteure erneut Unterstützung bräuchten, würden er oder sein Nachfolger (Paal scheidet zum Ende der Legislaturperiode aus dem Landtag aus) gerne erneut auf die Bahn und auch auf das Landesverkehrsministerium zugehen, verspricht Paal.

Weshalb der Bund Plüderhausen nicht berücksichtigt

Woran lag es aber nun, dass Plüderhausen nicht in das Programm des Bundes-Verkehrsministeriums aufgenommen wurde? Der Grund dafür liegt nicht beim Land, wie das Verkehrsministerium auf unsere Anfrage mitteilt. Plüderhausen sei vom Land in die Gesamtliste aufgenommen worden. Allerdings habe der Bund bei der Auswahl sogenannte Umstiegsbahnhöfe von einem Zug zum anderen höher priorisiert. Deshalb sei der Plüderhäuser Bahnhof letztlich vom Bund nicht berücksichtigt worden, so Oliver Hillinger, Pressesprecher des Landesverkehrsministeriums. Bei dem Bundesprogramm sind dann auch in Baden-Württemberg nur die zwei genannten Umstiegsbahnhöfe in Hausach und Neckarsulm zum Zuge gekommen.

Wie das Land der Gemeinde womöglich doch noch helfen kann

„Das Land wird jedoch mit allen übrigen Kommunen Kontakt aufnehmen, die ursprünglich Interesse am barrierefreien Ausbau innerhalb dieses Programms signalisiert hatten, um nach einer Perspektive für den entsprechenden Ausbau dieser Bundesinfrastruktur zu suchen“, verspricht Pressesprecher Hillinger.

„Jetzt bleibt uns als einzige Möglichkeit noch der Weg über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz“, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer. Mit diesem werden vom Land Vorhaben zur Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit gefördert. Laut Verkehrsministerium übernimmt das Land hierbei bis zu 75 Prozent der Kosten. Hinzu käme noch einmal eine zehnprozentige Planungskostenpauschale für die zuwendungsfähigen Investitionskosten. Ein Antrag dafür muss beim Regierungspräsidium (RP) gestellt werden.

Die Entscheidung über die Aufnahme in das Programm treffe das RP dann in Abstimmung mit dem Verkehrsministerium. Die verbleibenden Kosten habe der Vorhabenträger zu tragen. „Häufig beteiligen sich neben dem Vorhabenträger noch weitere Beteiligte, die ein Interesse an der Durchführung des Vorhabens haben, an der Übernahme der Kosten“, so Ministeriumssprecher Hillinger.

Mittel für den barrierefreien Umbau sind im aktuellen Haushalt von Plüderhausen zwar keine vorgesehen, es gibt zu dem Punkt aber eine Verpflichtungsermächtigung. Deshalb könnte der Gemeinderat dieses Jahr bereits erste Planungen beschließen. „Wir haben uns hier Handlungsoptionen gesichert“, sagt Schaffer.

Petra Häffner: "Frust und Freude liegen hier nah beieinander"

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Häffner sieht es deshalb so: „Frust und Freude liegen hier nah beieinander.“ Frust, weil Plüderhausen wieder gescheitert sei, gleichzeitig gebe aber es berechtigte Hoffnung, dass die Gemeinde Chancen auf eine Förderung durch das novellierte Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz habe.

Noch in diesem Jahr könne ein entsprechender Antrag gestellt werden – und 2022 die Gemeinde dann womöglich bereits mit einem Förderbescheid rechnen.

Im vergangenen Jahr war die Hoffnung noch groß, dass der Plüderhäuser Bahnhof in ein Sanierungsprogramm des Bundes aufgenommen wird und endlich barrierefrei wird. Doch diese Hoffnungen hat das Bundesverkehrsministerium in Berlin jetzt platzen lassen. Denn in einer jüngst veröffentlichten Liste mit Bahnhöfen, die in den kommenden Jahren saniert werden sollen, taucht Plüderhausen nicht auf.

Aufgenommen wurden in das Programm für Bahnhöfe zwischen 1000 und 4000 Fahrgästen pro Tag in ganz

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