Plüderhausen

Weshalb es mehr als 30 Jahre gedauert hat, Schrebergärten in Plüderhausen zu schaffen

Schrebergärten am Uferweg
Schrebergartenglück für 43 Familien: Luftbild der Anlage am Uferweg. © Gemeinde Plüderhausen

Haus- und Gewerbemüll aus der Nachkriegszeit, eine deshalb notwendige Erdauffüllung des Geländes oder Platz, den das Tierheim dringend benötigte: Gründe für Verzögerungen bei der Erschließung der Kleingarten-Anlage am Uferweg in Plüderhausen gab es seit den achtziger Jahren viele. Vor 27 Jahren haben die Schorndorfer Nachrichten deshalb getitelt: „Am Uferweg wachsen statt Rettichen die Aktenberge.“ Jetzt können die Aktenberge den Rettichen endgültig weichen.

Denn nun hat die Gemeinde auch die letzten 24 Parzellen vergeben können. Damit kommt ein Projekt zum Abschluss, das Bürgermeister Andreas Schaffer über seine gesamte Amtszeit, die beachtliche 34 Jahre umfasst, immer wieder beschäftigte. Direkt nach seinem Amtsantritt im Jahre 1986 standen Änderungen am Flächennutzungsplan an. „Es gab einige Baustellen, die wir mit dem Landratsamt klären mussten“, sagt Schaffer. Dabei ging es um eine Fläche zwischen dem Uferweg an der Rems und den Bahngleisen. In der Bürgerschaft gab es damals den Wunsch, dort Kleingärten zu schaffen.

In der Nachkriegszeit war an der Stelle noch eine Müllkippe

Die konkrete Planung erwies sich dann aber als eine Herausforderung. Denn das Landratsamt riet zunächst von einer Weiterplanung ab. Der Grund: Ein Teil der Fläche war eine Kiesgrube, dort wurde in der Nachkriegszeit Haus- und Gewerbemüll entsorgt. „Da hat es immer gestunken und geraucht, da wurde viel entsorgt“, erinnert sich Schaffer. Ein heute undenkbarer Umgang mit Abfall herrschte (nicht nur in Plüderhausen) in dieser Zeit. Doch ein Abfallverwertungssystem, wie wir es heute kennen, führte der damals gerade entstandene Rems-Murr-Kreis erst 1974 ein.

Im Jahr 1988 fand dann eine Altlastenuntersuchung statt. Das war eine der Vorgaben des Landratsamts im Bebauungsplanverfahren. Die Untersuchung ergab, dass das Gelände vor einer weiteren Nutzung zwangsentgast werden musste. Die Gemeinde stellte dafür ein Aggregat in ein Häuschen, das mehrere Jahre lang über ein Rohrsystem die Deponiegase absaugte.

30 000 Kubikmeter Erde auf dem Areal aufgeschüttet 

Mitte der neunziger Jahre stellte dann der Gemeinderat den Bebauungsplan auf. Doch das Landratsamt hatte noch eine weitere Bedingung für dessen Umsetzung: Das gesamte Gelände musste um zwei Meter aufgefüllt werden. Damit sollte verhindert werden, dass Wurzeln in die Bereiche der ehemaligen Deponie eindringen.

Insgesamt 30 000 Kubikmeter Erde wurden deshalb auf dem Gelände aufgeschüttet. Erst nach dem Abschluss im Jahr 2010 trat dann der Bebauungsplan endgültig in Kraft. Vor zehn Jahren konnte die Gemeinde dann endlich die ersten Parzellen für Schrebergärten vergeben. Zu dieser Zeit benötigte aber der Tierschutzverein dringend ein Gelände. Ein Teil des Areals vergab man deshalb an den Verein, der dort eine Tierauffangstation betreibt.

Das Projekt wurde immer wieder auf Eis gelegt

Ende Oktober konnte nun endlich der zweite Abschnitt der Schrebergartenanlage im Uferweg an interessierte Nutzer vergeben werden. Mit der Vergabe der 24 Parzellen endet diese schier unendliche Geschichte der Schrebergärten am Uferweg. 24 Familien aus Plüderhausen können sich dort jetzt (nicht nur mit Rettichen) selbst versorgen, sich erholen und die Zeit im Grünen genießen. Insgesamt gibt es im Uferweg damit 43 Kleingärten.

Dass zwischen den einzelnen Planungsphasen so viel Zeit verging, erklärt Bürgermeister Schaffer auf Nachfrage damit, dass man zwischenzeitlich andere Prioritäten hatte und auch immer von hohen Erschließungskosten ausging. In der chronisch klammen Gemeinde ist dies ein wichtiges Argument, um Projekte aufs Eis zu legen.

„Wir waren schon manchmal an einem Punkt, wo man sich gefragt hat: Lohnt sich das?“, räumt Schaffer ein. Aber jetzt, wo das Projekt endlich abgeschlossen ist, sei für ihn die Nachricht: „Es hat sich gelohnt!“ Der Durchhaltewillen von Verwaltung und Gemeinderat habe sich ausgezahlt, findet der Bürgermeister – die jährlich größer werdende Warteliste aber auch stets an den Bedarf erinnert.

Insgesamt 75 Schrebergärten in der Gemeinde

Neben den 43 Parzellen in der Anlage im Uferweg verpachtet die Gemeinde Plüderhausen noch weitere Kleingärten in den Bereichen Hummelbach (20), Löchle (5) und Hungerbühl (7). Damit gibt es in Plüderhausen jetzt insgesamt 75 Schrebergartenparzellen.

Die Plätze am Hungerbühl müssen zwar erst noch angelegt werden. „Der größte Bedarf ist damit aber gedeckt.“ Nach wie vor gibt es aber eine Warteliste für Schrebergärten bei der Gemeinde. „Die arbeiten wir ab.“ Denen, die im Moment noch auf einen Platz warten, kann Schaffer ein wenig Hoffnung machen: „Manche verlieren nach drei oder vier Jahren die Lust und geben die Schrebergärten zurück.“ Alle anderen dürfen sich darüber freuen, dass ihr Warten sich jetzt endlich ausgezahlt hat.

Haus- und Gewerbemüll aus der Nachkriegszeit, eine deshalb notwendige Erdauffüllung des Geländes oder Platz, den das Tierheim dringend benötigte: Gründe für Verzögerungen bei der Erschließung der Kleingarten-Anlage am Uferweg in Plüderhausen gab es seit den achtziger Jahren viele. Vor 27 Jahren haben die Schorndorfer Nachrichten deshalb getitelt: „Am Uferweg wachsen statt Rettichen die Aktenberge.“ Jetzt können die Aktenberge den Rettichen endgültig weichen.

Denn nun hat die Gemeinde

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