Plüderhausen

Wie das Christliche Zentrum Life in Plüderhausen mit der Corona-Pandemie umgeht

ZentrumLifeCorona
Haben das Gemeindeleben coronakonform umgestaltet (von links): Michael und Jürgen Knospe vom Life-Leitungsteam auf der sanierten Dachterrasse. © Gaby Schneider

Manch Trübsal und Bitternis, aber auch viel Engagement und kreative Lösungen: Die Bilanz des Corona-Jahres fällt für Michael und Jürgen Knospe gemischt aus. Die beiden sind Mitglieder des Leitungsteams beim Christlichen Zentrum Life in Plüderhausen. Und dort hat man sich während der Krise auf das besonnen, was die freikirchliche Gemeinde ausmacht: die Gemeinschaft und die Botschaft Christi.

Diskussionen über die Pandemie und den Lockdown blieben gleichwohl nicht aus. Und Kritik an den Corona-Maßnahmen ist durchaus erlaubt. „Manche haben sich dadurch regelrecht politisiert“, sagt Jürgen Knospe, dessen Frau Krankenschwester ist und der sich der Gefahren des Virus sehr wohl bewusst ist. Trotzdem fragt er sich, ob der Staat bei manchen Maßnahmen dieses Jahr nicht ein wenig zu weit gegangen ist.

Abschied nehmen von der eigenen Mutter nur am Telefon möglich

Er macht das an einem Beispiel deutlich. In der Gemeinde gab es während des ersten Lockdowns einen Todesfall. Ein Mitglied verlor seine Mutter, durfte sich wegen des Besuchsverbots in Pflegeheimen aber nicht mehr persönlich von ihr verabschieden. Der letzte Kontakt fand über das Telefon statt. „Das war schon sehr traurig.“ In der Gemeinde sei diese politische Entscheidung deshalb durchaus umstritten gewesen.

Dass sich im freikirchlichen Umfeld jetzt manche als „Christen im Widerstand“ wähnen, das ist auch den Plüderhäusern nicht entgangen. Mit dieser coronakritischen Bewegung macht sich das Christliche Zentrum Life zwar nicht gemein. „Man muss aber aushalten können, dass es unterschiedliche Meinungen gibt“, findet Knospe. In seiner Gemeinde pflege man da zum Glück eine gute Diskussionskultur.

"Wir wollen für die Gesellschaft ein Segen sein"

„Das ist aber Privatsache“, stellt Pastor Michael Knospe klar. Politik spiele im Gemeindeleben und den Gottesdiensten keine zentrale Rolle. „Unser Schwerpunkt ist das Evangelium“, betont er. „Wir wollen für die Gesellschaft ein Segen sein und eine Botschaft der Hoffnung geben.“

Das sei in diesem Jahr auch bitter nötig gewesen. Denn die andauernde mediale Präsenz einer aus seiner Sicht auch etwas überzeichneten Gefahr durch das Virus, „die macht schon etwas mit der Psyche“, findet Knospe. Bei vielen Menschen habe dies Angst erzeugt. Der Pastor vermisst positive Geschichten in den Medien. „Man hört nur Infektionszahlen, aber dass die meisten gar keine schweren Krankheitsverläufe haben, nicht.“

„Das Metaphysische wird ausgeblendet“, ergänzt sein Bruder Jürgen Knospe. Viele seien, sagt er, den Theologen Reimer Gronemeyer zitierend, „Diesseitskrüppel“, also Menschen, die für sich und die Welt nichts anderes mehr hoffen. Die Erschütterung durch das Virus sei daher auch eine Chance. In unserer „durchtechnisierten Leistungsgesellschaft“ würden sich wieder mehr Menschen mit Grundfragen beschäftigen. Genau hier setze die Gemeindearbeit an.

Ein Video-Team filmt die Gottesdienste und macht einen Livestream

„Es gab auch nicht nur Trübsal dieses Jahr“, sagt Michael Knospe. Denn nach dem ersten Schock über den Lockdown im März („das war schon krass“) habe die Gemeinde sich schnell auf die neue Situation eingestellt. Innerhalb von einer Woche bildete sich ein Videoteam, das alle Gottesdienste seitdem filmt, per Livestream verbreitet, aber auch Mitglieder zu Hause besucht und mit der Kamera Botschaften für den Gottesdienst aufnimmt. Aus den Hauskreisen wurden zeitweise Online-Foren. Außerdem hielt der Pastor telefonisch Kontakt zu den Gemeindemitgliedern, verschickte Grußkarten an die Senioren. „Es war wichtig, in Verbindung zu bleiben.“

Als dann wieder Präsenz-Gottesdienste möglich waren - wenn auch in reduzierter Größe und nur mit Anmeldung -, wurde der Livestream beibehalten. So können alle Interessierten daran teilhaben, darunter auch einige, die gar nicht im Remstal leben. Zu den Videos, die bei Youtube zu sehen sind und bis zu 500 Abrufe verzeichnen, habe man Rückmeldungen aus der ganzen Republik erhalten. Bei dem ersten Präsenz-Gottesdienst nach dem Lockdown am 17. Mai vernahm Knospe im Gemeindehaus aber auch ein „echtes Aufatmen. Du hast gemerkt, wie die Leute die Gemeinschaft aufgesaugt haben“. Die Freikirche lebe nun mal ganz stark von den lebendigen Beziehungen. Diese unter Corona-Bedingungen aufrechtzuerhalten, war dem Leitungsteam deshalb eine Herzensangelegenheit.

Mit Hilfe des Hygienekonzepts konnte dann eine Zeit lang wieder halbwegs normales Gemeindeleben stattfinden. „Besonders die Jungen waren sehr motiviert“, berichtet Knospe. Es seien so viele zu den Jugendabenden gekommen, dass der Pastor sich sorgte, ob das noch coronakonform sei. „Ich dachte, da müssen wir etwas machen im Freien.“ Und so entstand die Idee zur Sanierung der Dachterrasse des Gemeindehauses. Zwei bis drei Monate haben die Jugendlichen daran gearbeitet, acht Tonnen Splitt vom Dach heruntergeschafft, fünf wieder hoch, das Dach abgedichtet und Steinplatten verlegt. Das Projekt sei aus der Not heraus geboren, habe aber auch gezeigt, dass in dieser Krise Chancen stecken.

Im Corona-Jahr ist die Gemeinde gewachsen

Bislang blieb die Gemeinde vom Virus weitgehend verschont, niemand war schwer davon betroffen. Und trotz der widrigen Umstände ist sie in diesem Jahr sogar gewachsen. „Wir sind eigentlich entspannt“, sagt Pastor Michael Knospe. Die Flexibilität sei aber herausfordernd.

Die Pandemie erlebt sein Bruder Jürgen Knospe vor allem als ein großes Ringen. Jeder für sich, aber auch die ganze Gesellschaft müsse jetzt versuchen, Balance zu halten. „Die Leute jetzt auf das Wesentliche zu fokussieren, das ist unser Anliegen.“

Manch Trübsal und Bitternis, aber auch viel Engagement und kreative Lösungen: Die Bilanz des Corona-Jahres fällt für Michael und Jürgen Knospe gemischt aus. Die beiden sind Mitglieder des Leitungsteams beim Christlichen Zentrum Life in Plüderhausen. Und dort hat man sich während der Krise auf das besonnen, was die freikirchliche Gemeinde ausmacht: die Gemeinschaft und die Botschaft Christi.

Diskussionen über die Pandemie und den Lockdown blieben gleichwohl nicht aus. Und Kritik an den

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