Plüderhausen

Wie kommen Jugendliche durch die Corona-Krise? Drei Sozialarbeiter berichten

Juze Plüderhausen
Mit Abstand und zu zweit kann das Jugendzentrum in Plüderhausen trotz Lockdown nach wie vor genutzt werden – etwa zum Kochen, wie hier von dem 13-jährigen Justin und dem 15-jährigen Erik. © Gabriel Habermann

Im Teil-Lockdown ist es zwar erlaubt, Jugendzentren weiter zu öffnen. „Aber wir wollten die Maßnahmen nicht konterkarieren“, sagt Sozialarbeiter Bernd Fetzer. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, das Juze in Plüderhausen vorerst zu schließen. Doch ganz geschlossen ist es nicht.

Denn Fetzer und seine Kolleginnen Betty Vollmar sowie Cathrin Reyes-Thomsen sahen in dem Lockdown auch eine Chance – nämlich die, mehr Zeit für einzelne Jugendliche zu haben. „Wenn das Juze voll ist, kommt das ein wenig zu kurz“, sagt Fetzer.

Das Jugendzentrum in Plüderhausen wird in  der kalten Jahreszeit von bis zu 50 Mädchen und Jungen täglich aufgesucht. Ein breites Angebot erwartet dort die Besucher: Es gibt einen Fitnessraum, zwei Kochnischen, einen Werkraum sowie einen Box- und Catchraum. Und für gewöhnlich kommen die Jugendlichen gerne in Gruppen in das Gebäude D am Hohbergschulzentrum. Doch das ist seit Anfang November nicht mehr möglich.

Fitness oder Werken ist einzeln weiter möglich

Aber es ist  weiterhin möglich, einzeln oder zu zweit die Räumlichkeiten des Juzes zu nutzen – allerdings muss die Zeit vorher gebucht werden. Wovon die Jugendlichen regen Gebrauch machen. Besonders der Fitnessraum werde „brutal gut angenommen“, genauso die Möglichkeit, Badminton in der Sporthalle spielen zu können. Bei älteren Jugendlichen schließen die Sozialarbeiter dann einfach die Räumlichkeiten auf und nachher wieder zu.

Fetzer und seine Kolleginnen nehmen sich darüber hinaus gerade viel Zeit für die einzelnen Mädchen und Jungen – mit einem speziellen Lernangebot, beim gemeinsamen Werken, mit Wanderungen und vor allem vielen Gesprächen, für die gerade mehr Zeit ist. „Wir haben mehr Ruhe, qualitativ ist das gerade ein tolles Arbeiten“, findet Fetzer. Dass sie damit nicht alle Jugendlichen erreichen können, ist den Sozialarbeitern aber auch klar. „Manche kommen jeden Tag, für die bricht etwas zusammen“, berichtet Betty Vollmar.

Die meisten seien aber froh, dass das Juze, wenn auch unter besonderen Bedingungen, noch geöffnet ist. Und auch Vollmar sieht in der momentanen Situation durchaus Vorteile. Etwa den, dass viele jetzt mit einer anderen Haltung das Thema Corona betrachten. „Vor dem Lockdown war es schwierig für manche Jugendliche, die Regeln zu akzeptieren.“ Die Kontaktbeschränkungen seit Anfang November seien für viele eine Art Warnschuss gewesen. Kritik an den teils widersprüchlichen Regeln sei aber immer noch weit verbreitet.

Das Zocken ist in dieser ereignisarmen Zeit ein Problem

Und eine Belastung sei die Situation ohnehin gerade für alle, sagt Cathrin Reyes-Thomsen. „Manche gehen ganz robust damit um, für andere ist es richtig herausfordernd.“ Gerade das Thema Zocken sei ein Problem. „Jugendliche wollen etwas erleben“, sagt Fetzer, „sie suchen eine Peergroup. Zu zweit ist das schwer.“ Deshalb würden viele gerade vermehrt Zeit an der Konsole, dem Handy oder am PC verbringen und spielen. So schlimm wie beim ersten Lockdown, als die Schulen geschlossen waren, sei es aber zum Glück noch nicht.

Ganz grundsätzlich fragt sich Bernd Fetzer zudem gerade, was die Corona-Situation mit dieser Generation machen wird. Zwar hält dieser Ausnahmezustand erst seit einem Dreivierteljahr an, aber für junge Menschen sei das eine lange Zeitspanne. „Für diese Generation wird es schwierig, einen Weg für sich zu finden“, vermutet er. Zumal auch viele Eltern gerade eine sehr herausfordernde Zeit durchleben und selbst aus dem Rhythmus sind. „Es fehlt den Jugendlichen gerade ganz viel Struktur.“ Hinzu komme, dass es an Bewegungsfreiheit fehle – und jetzt die kalte dunkle Jahreszeit anstehe. Fetzer sieht aber nicht alles schwarz: In diesem Jahr sind bislang bei ihnen nicht mehr Fälle mit großen familiären Problemen aufgeschlagen. Und „vor Corona ging es bei den Jugendlichen oft um sehr oberflächliche Sachen, bei dem ein oder anderen tauchen jetzt tiefere Fragen auf“.

Vorerst bis Freitag ist das Jugendzentrum für den normalen Betrieb geschlossen. Die drei Sozialarbeiter haben sich diesen Termin gesetzt, weil sie abwarten wollten, wie die Zwischenbilanz aus Berlin ausfällt. Doch da es vorerst keine Beschlüsse gab, warten sie die weitere Entwicklung ab. „Solange die Schulen offen sind, ist der Zugang zu den Jugendlichen für uns einfach“, sagt Fetzer. Zumal sie in Personalunion ja auch Schulsozialarbeiter sind.

Kontakt halten - das geht auch über die sozialen Medien

Sollte sich die Situation in den kommenden Wochen verschärfen, werden Fetzer und seine Kolleginnen wieder auf den Arbeitsmodus umschalten, den sie bereits im Frühjahr hatten: also mehr im Ort präsent sein, stärker offene Jugendarbeit betreiben, mehr telefonieren – und auch wieder auf die sozialen Medien setzen.

Über Instagram halten sie ohnehin Kontakt zu den Jugendlichen. Im Frühjahr war das aber oft der einzige Weg, um im Gespräch zu bleiben. Mit einem Stadt-Land-Fluss-Spiel auf dem sozialen Netzwerk hat Betty Vollmar während des ersten Lockdowns für Unterhaltung gesorgt. Etwas Ähnliches könnte sie sich für diesen Winter wieder vorstellen.

„Wir werden unsere Kreativität nicht verlieren und das Beste draus machen“, verspricht Bernd Fetzer. „Bis jetzt haben wir die Situation ja ganz gut überstanden.“

Im Teil-Lockdown ist es zwar erlaubt, Jugendzentren weiter zu öffnen. „Aber wir wollten die Maßnahmen nicht konterkarieren“, sagt Sozialarbeiter Bernd Fetzer. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, das Juze in Plüderhausen vorerst zu schließen. Doch ganz geschlossen ist es nicht.

Denn Fetzer und seine Kolleginnen Betty Vollmar sowie Cathrin Reyes-Thomsen sahen in dem Lockdown auch eine Chance – nämlich die, mehr Zeit für einzelne Jugendliche zu haben. „Wenn das Juze voll ist, kommt

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