Plüderhausen

Wie sinnvoll ist Nachverdichtung? Plüderhausens neuer Bürgermeister Benjamin Treiber will Grundsatzdiskussion

Keplerstraße Nachverdichtung
So könnte das Gebäude im Keplerweg aussehen. Anwohner finden, dass es sich nicht in die Wohnbebauung der Umgebung einfügt. © Wohnbau Treuhand

Das war kein einfacher Einstieg ins Amt für Benjamin Treiber. Gleich in seiner ersten Sitzung als neuer Bürgermeister von Plüderhausen hatte er es mit höchst kontroversen Immobilien-Projekten zu tun: zwei geplante Mehrfamilienhäuser im Hofacker sowie eine Bauvoranfrage im Keplerweg, mit der sich der Technische Ausschuss des Gemeinderats nun befasste.

„Sehr intensive Diskussionen“ habe es darüber im Vorfeld gegeben, sagte Treiber, „sowohl im Rathaus als auch in der Bürgerschaft“. Entsprechend viele Plüderhäuser waren als Zuschauer zu der Sitzung gekommen. „Bei beiden Projekten geht es um Nachverdichtung, das ist nichts Neues in Plüderhausen. Aber mein Wunsch wäre es, eine Grundsatzdiskussion darüber zu führen, so dass wir grobe Linien haben, an denen man sich orientieren kann.“ Dann sei es künftig nicht mehr notwendig, über jedes einzelne Bauprojekt neu zu diskutieren.

Konkret geplant sind im Hofacker 23 und 23/1 zwei Mehrfamilienhäuser in Flachdachbauweise mit jeweils vier Wohneinheiten, verbunden mit einer Tiefgarage. Die Bauherren, so berichtete es Bauamtsleiter Ludwig Kern im Gremium, sind von dem ursprünglichen Plan bereits abgewichen und haben die Fläche um 200 Quadratmeter reduziert. Das Landratsamt habe diese Reduzierungen mehrfach eingefordert „jetzt ist das Maß der Nutzung so, dass es sich aus Sicht des Landratsamts in die Umgebung einfügt“, sagte Kern.

Das Gremium müsste bei einer möglichen Ablehnung des Vorhabens deshalb gewichtige städtebauliche Gründe anführen. Diese würde das Baurechtsamt dann prüfen. „Wenn es uns nicht folgt, dann kommt das Bauvorhaben wieder ins Gremium und wir müssen uns überlegen, ob wir weitere Gründe finden“, sagte Kern.

„Nachverdichtung ist wichtig, aber es gibt auch eine Grenze“, sagt Treiber

Bürgermeister Treiber berichtete, dass aus der Anwohnerschaft ein Vorschlag eingegangen sei. Nämlich der, einen Bebauungsplan zu erstellen und dann eine Veränderungssperre zu erteilen. „Nachverdichtung ist wichtig, aber es gibt auch eine Grenze. Es muss sich einfügen in die Umgebung, das ist das wichtigste Kriterium“, so Treibers ganz persönliche Meinung.

Andreas Theinert (CDU) sagte, „ich bin der Meinung, das fügt sich nicht ein.“ Die komplette Straße verfüge über Satteldächer, jetzt sollen Flachdächer gebaut werden. Außerdem sei ihm die Verdichtung auf dem schmalen Streifen zu viel. „Zumindest das Gebäude vorne am Hofacker sollte ein Satteldach haben und niedriger sein.“

SPD-Rat Klaus Harald Kelemen meinte: „Ich bin auch nicht der Ansicht, dass sich hier der Baukörper in die Umgebungsbebauung einfügt.“ Und er begrüßte den Vorschlag von Treiber, das Thema Nachverdichtung einmal ganz grundsätzlich im Gemeinderat zu thematisieren.

„Wir können uns in naher Zukunft gerne mal über Leitlinien für Nachverdichtung unterhalten, aber den Vorschlag aus der Bürgerschaft mit dem eigenen Bebauungsplan halte ich für den falschen Weg“, meinte Silvan Vollmar (FW-FD). Denn „wir haben die ursprüngliche Planung zurückgewiesen, der Bauherr hat unsere Anregungen aufgenommen und sehr viel davon umgesetzt.“ Daher werde er dem Vorhaben zustimmen.

Technischer Ausschuss will Massivität des geplanten Baus verringern

„Wir brauchen Nachverdichtung“, meinte CDU-Rat Markus Proschka, „aber sie sollte sich einfügen“. Das Vorhaben im Hofacker ist aus seiner Sicht ein Grenzfall. „Für mich stellt es sich wie ein Fremdkörper dar. Es ist immer noch nicht das, was wir uns vorstellen für ein gewachsenes Gebiet.“

Ein Satteldach bei der Gebäudetiefe? Das wäre aus Sicht von FW-FD-Rat Peik Reitler für den Hofacker indes „eher schlimmer als besser“. Er plädierte daher für den vorgelegten Entwurf, der vom ersten Vorschlag „erheblich abgerückt“ ist und sich aus Sicht von Reitler inzwischen gut in die Umgebung einfügt.

Klaus Harald Kelemen (SPD) brachte dann die Geschossflächenzahl als Steuerungsinstrument ins Spiel. Diese definiert, wie viel Quadratmeter Geschossfläche je Quadratmeter Grundstücksfläche zulässig sind. Und er schlug vor, diese auf 0,6 zu begrenzen (ursprünglich lag dieser Wert bei 0,8). Das heißt, dass von 100 Quadratmetern Grundfläche nur jeweils 60 Quadratmeter Geschossfläche gebaut werden dürfen. Somit ließe sich die Massivität der geplanten Gebäude begrenzen. Der Bauträger müsste, so der Wunsch des Technischen Ausschusses, also noch einmal umplanen und die Gebäudegröße nochmals verringern. Ob das Baurechtsamt dem folgt, ist aber fraglich.

Mehrheitlich schloss sich das Gremium diesem Antrag an. Ebenfalls mehrheitlich folgte das Gremium dem Antrag von Uwe Härer-Schurr (GLU), drei zusätzliche Bäume auf dem Gelände zu pflanzen. Nicht gefolgt ist es hingegen seinem Vorschlag, mindestens 20 Quadratmeter Fassadenbegrünung auf dem Grundstück vorzuschreiben.

Der Gemeinderat soll sich mit dem Bauvorhaben im Keplerweg befassen

Vertagt wurde hingegen die Bauvoranfrage für ein Mehrfamilienhaus im Keplerweg, bei dem es seitens der Anwohnerschaft große Widerstände gibt. Dabei sind auch hier die Bauherren bereits von ihrem ursprünglichen Plan abgerückt und haben das Volumen des geplanten Flachdachbaus um ein Geschoss reduziert. Vorgesehen sind auf dem Grundstück insgesamt acht Wohneinheiten. Das Gebäude soll drei Ebenen bekommen, wobei das Obergeschoss etwas zurückgesetzt wäre mit einer vorgelagerten Dachterrasse. Für das Vorhaben wäre eine bauvorhabenbezogene Bebauungsplanänderung notwendig.

Was laut Bauamtsleiter Kern für Nachverdichtung spricht – und was nicht

Bei dem Tagesordnungspunkt äußerte sich Bauamtsleiter Ludwig Kern ganz grundsätzlich: „Nachverdichtung beschäftigt uns aus ökologischen Gründen. Das Thema hat immer den Vorteil, dass neuer Wohnraum entsteht. Der Nachteil für die Anwohner ist, dass mehr entsteht als ursprünglich im Bebauungsplan vorgesehen und zu erwarten war. Als Gemeinde muss man aber immer den Blick haben für die Gesamtgemeinde und auch die Anwohner.“

Er betonte, auf das konkrete Bauvorhaben bezogen, dass dies nur eine Vorberatung sei – und eine Änderung des Bebauungsplans nur der Gemeinderat beschließen könne. „Die Reaktion der Anwohner hat aber verdeutlicht, dass wir hier im Städtebau unterwegs sind.“ Man müsse sich daher die Frage stellen: „Will man so einen größeren Baukörper in der Umgebung haben oder nicht?“

Kern schlug deshalb vor, das Bauvorhaben im Gesamtgremium zu diskutieren, und zwar vorbereitend auf einen Bebauungsplan. Weil es hier ganz grundsätzlich um städtebauliche Entwicklung geht, würde er es begrüßen, die Generaldebatte zum Thema Nachverdichtung zu halten, bevor über den Keplerweg entschieden wird.

Andreas Theinert (CDU) sagte: „Mir ist der Baukörper zu massiv und es sind zu viele Wohneinheiten“. Auch Nick Schuppert (SPD) war das Gebäude immer noch „deutlich zu groß“. Wenn die Geschossflächenzahl reduziert werde, könne seine Fraktion das Vorhaben aber durchaus mittragen.

Silvan Vollmar meinte hingegen: „Wir sind dort eigentlich schon einen Schritt weiter“, schließlich habe man schon im November den Beschluss für ein Bebauungsplanverfahren gefasst. Er gab zu bedenken, dass man als Gemeinde glaubwürdig bleiben müsse – auch gegenüber den Planern, die bereits viele der Forderungen des Gremiums umgesetzt hätten: So sei das Gebäude abgestuft, die Zahl der Stellplätze auf 13 angepasst und die Wohnungsanzahl reduziert worden.

„Wir können nicht immer wieder von vorne anfangen“, findet Silvan Vollmar

Das Gebäude steche von der Höhenentwicklung aus seiner Sicht auch nicht aus der Umgebung heraus.

„Wir können nicht immer wieder von vorne anfangen“, meinte Vollmar, auch weil man an mehreren Stellen im Ort diese Innenverdichtung bereits gemacht habe. Und „auf einem Grundstück, das 900 Quadratmeter hat, können wir nicht nur zwei Einfamilienhäuser bauen. Wir können über das Maß diskutieren, aber nicht noch mal von vorne anfangen.“

Der Gemeinderat wird sich nun mit dem Bauvorhaben befassen, so der einstimmige Beschluss des Gremiums.

Und sich dann auch ganz grundsätzlich der Frage stellen: Wie viel Nachverdichtung ist eigentlich in einem kleinen Ort sinnvoll?

Das war kein einfacher Einstieg ins Amt für Benjamin Treiber. Gleich in seiner ersten Sitzung als neuer Bürgermeister von Plüderhausen hatte er es mit höchst kontroversen Immobilien-Projekten zu tun: zwei geplante Mehrfamilienhäuser im Hofacker sowie eine Bauvoranfrage im Keplerweg, mit der sich der Technische Ausschuss des Gemeinderats nun befasste.

„Sehr intensive Diskussionen“ habe es darüber im Vorfeld gegeben, sagte Treiber, „sowohl im Rathaus als auch in der Bürgerschaft“.

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