Plüderhausen

Wieso kann der Waldkindergarten Plüderhausen seine dritte Gruppe nicht eröffnen?

Bauwagen Waldkindergarten Plüderhausen
Wartet noch auf eine Betriebserlaubnis: Der neue Bauwagen des Waldkindergartens am Sandbühl. © Mathias Ellwanger

Mitte August war auf dem Sandbühl die Freude groß. Da wurde der neue Bauwagen für die dritte Gruppe im Waldkindergarten angeliefert. 20 weitere Kita-Plätze für Drei- bis Sechsjährige sollten damit geschaffen werden. So hat es der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats im Februar 2021 einstimmig beschlossen.

Weshalb soll der Waldkindergarten überhaupt erweitert werden?

Die Nachfrage übersteigt in Plüderhausen bekanntlich das Angebot in den Kindertagesstätten, unter anderem, weil die Jahrgänge 2018 bis 2020 sehr geburtenstark waren. Auch der Waldkindergarten erfreut sich so großer Beliebtheit, dass zuletzt nicht alle interessierten Eltern dort einen Platz für ihr Kind bekamen.

Die dritte Gruppe sollte deshalb zum Beginn des Kindergartenjahres im September starten. 16 Mädchen und Jungen haben dort bereits einen Platz gebucht. Der 68 000 Euro teure Bauwagen steht jetzt zwar seit August einsatzbereit an dem Standort unterhalb des Sportgeländes am Sandbühl. Doch betrieben werden darf er noch nicht.

Wieso gibt es für die dritte Gruppe bislang noch keine Genehmigung?

Der Standort befindet sich am Rande eines Vogelschutzgebietes, sagt Leonie Graf, Pressesprecherin des Landratsamts Rems-Murr. „Dieses Gebiet verfügt über eine höherrangige Schutzwirkung und Schutzfunktion.“ Deshalb müsse zunächst geprüft werden, ob der Standort naturschutzrechtlich überhaupt zulässig ist. Dafür sei eine FFH-Verträglichkeitsprüfung erforderlich. Näheres regelt das Bundesnaturschutzgesetz in Paragraf 34. Sollte es durch den Betrieb der Gruppe zu Beeinträchtigungen für das Schutzgebiet kommen, so wäre dieser Standort unzulässig. Ausnahmen seien aber durchaus möglich, „aus zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses“, wie es in dem Gesetz heißt.

Konkret heißt das für Plüderhausen: Der Standort kann nur dann zugelassen werden, wenn „kein zumutbarer alternativer Standort mit keinen oder geringeren Beeinträchtigungen des Schutzgebietes in Betracht kommt“, so Pressesprecherin Graf.

Bis zur kommenden Brutperiode, die am 28. Februar beginnt, soll darüber entschieden werden. Die Gemeinde muss dazu bis Ende Januar eine FFH-Verträglichkeitsprüfung einreichen. Bisher liegen diese Unterlagen der Behörde noch nicht vor.

„Wir können die Erforderlichkeit eines Aufenthaltswagens für die weitere Kindergartengruppe nachvollziehen“, betont Leonie Graf. „Auch möchten wir die Gemeinde Plüderhausen bei der Umsetzung ihres naturpädagogischen Konzeptes für die Kinderbetreuung soweit als möglich unterstützen.“ Hierbei könnten und dürften die Rahmenbedingungen des Naturschutzes jedoch nicht außer Acht gelassen werden.

Wieso hat die Gemeinde dann trotzdem an diesem Standort geplant?

Die Gemeindeverwaltung hat nicht damit gerechnet, dass für diesen Standort eine FFH-Verträglichkeitsprüfung notwendig ist. Ende August sei man noch davon ausgegangen, dass eine normale Standort-Untersuchung mit der Ausweisung von Ausgleichsflächen ausreiche, sagt Bauamtsleiter Ludwig Kern. Als klar war, dass ein Vogelschutzgutachten notwendig ist, habe man sofort reagiert, aber zunächst keinen Gutachter mit freien Kapazitäten gefunden, deshalb sei es zu einer Verzögerung gekommen. Kern ist aber optimistisch, das Ergebnis der Prüfung fristgerecht bei der Naturschutzbehörde einreichen zu können.

Auch Bürgermeister Benjamin Treiber sagt, dass es der Gemeinde im Sommer noch nicht klar war, wie massiv die Bedenken der Behörde seien. Dass die Kindergartengruppe nicht im September eröffnet werden konnte, sei „sehr ärgerlich“ und „sehr schade, weil wir die Plätze unheimlich dringend brauchen“. Für die bürokratischen Rahmenbedingungen habe er deshalb nicht immer Verständnis, sagt Treiber. Die Gemeinde sei aber dankbar, „dass die Elternschaft da so verständnisvoll reagiert hat“.

Gäbe es denn eine Alternative zu dem Standort am Sportgelände?

„Der Standort ist das Nonplusultra“, meint Bauamtsleiter Ludwig Kern. Der Platz sei, abgesehen vom Vogelschutzgebiet, „in jeglicher Hinsicht optimal“. Der Wagen steht auf einem Gemeindegrundstück und so weit vom Wald weg, dass bei Sturm kein Schutzraum benötigt wird. Einen solchen gibt es für die bisherigen Gruppen in der Schlossgartenschule, er würde für eine weitere aber nicht mehr ausreichen. Zugleich sei der Standort aber nahe genug an den beiden bestehenden Gruppen, um eine gute Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Das Schutzgebiet sei von dem Kindergarten im Grunde auch kaum beeinträchtigt, meint Kern. Denn der Hol- und Bringverkehr der Kinder werde über den vorhandenen Bereich beim Sandbühl-Gebäude ablaufen. Der Waldkindergarten werde nur von 7.30 bis 13.30 Uhr betrieben, „danach herrscht hier Ruhe“. Außerdem seien die Kinder tagsüber die meiste Zeit ohnehin nicht am Bauwagen, sondern im Wald, weit weg von dem Schutzgebiet.

Auch für die Kinder sei der Standort ideal. „Das ist ein Miniparadies“, sagt er zu dem idyllisch am Hang gelegenen Grundstück. „Diesen geborgenen grünen Charakter bekommen wir nirgendwo anders so gut hin. Wenn wir auf irgendwas anderes ausweichen müssen, wird es um Klassen schlechter sein für die Kinder.“ Davon ist Kern überzeugt.

Auch Bürgermeister Benjamin Treiber hält den Standort südlich des Sportgeländes für ideal. Und der Gemeinderat kam im November nahezu einstimmig zum Ergebnis, dass der Standort in pädagogischer, fachlicher und naturräumlicher Hinsicht „alternativlos vorteilhaft“ ist, wie es in einem Schreiben der Verwaltung an die betroffenen Eltern heißt.

Wann ist mit einer Entscheidung über den Standort zu rechnen?

Bis Ende Januar muss die Verträglichkeitsprüfung beim Landratsamt vorliegen. Sollte die Baugenehmigung dann erteilt werden, wird die Gemeinde umgehend mit den Ausgleichsmaßnahmen starten. Das könnten Nisthilfen und Nistkästen sein, die Schaffung von Lebensräumen für Eidechsen oder die Pflanzung zusätzlicher Obstgehölze im Streuobstbereich, so Bauamtsleiter Kern. Dann sei noch eine Betriebserlaubnis des Kommunalverbands für Jugend und Soziales notwendig. „Ich hoffe, dass wir im April in Betrieb gehen können“, sagt Kern.

Wie geht es weiter in der Gemeinde beim Thema Kita-Plätze?

Auch wenn die dritte Gruppe kommen sollte und die Planungen für den Umbau der Schlossgartenschule zu einem Kinderhaus zügig voranschreiten: Das Thema ist damit in der Gemeinde noch lange nicht vom Tisch, wie Bürgermeister Treiber betont. „Dazu werden wir demnächst in eine umfangreiche öffentliche Debatte im Gemeinderat einsteigen.“ Die Schaffung von Kita-Plätzen ist für ihn „die vielleicht größte kommunalpolitische Herausforderung der kommenden Jahre“. Regelmäßig kämen Eltern zu seiner Bürgersprechstunde, die keinen Kita-Platz in Plüderhausen bekommen. Klar sei daher: „Die Provisorien sollen kein Dauerzustand sein. Und Plätze müssen schnell geschaffen werden.“

Mitte August war auf dem Sandbühl die Freude groß. Da wurde der neue Bauwagen für die dritte Gruppe im Waldkindergarten angeliefert. 20 weitere Kita-Plätze für Drei- bis Sechsjährige sollten damit geschaffen werden. So hat es der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats im Februar 2021 einstimmig beschlossen.

Weshalb soll der Waldkindergarten überhaupt erweitert werden?

Die Nachfrage übersteigt in Plüderhausen bekanntlich das Angebot in den Kindertagesstätten, unter

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