Plüderhausen

Wird das Sport- und Festgelände in Plüderhausen in den Osten verlegt?

Gänswasen
Könnten hier Flächen für Gewerbe statt Sport und Feste entstehen? © Gabriel Habermann

Es war ein mutiger Aufschlag, den Bürgermeister Benjamin Treiber am Donnerstagabend im Gemeinderat wagte. Als neuer Bürgermeister sieht er sich in der Verantwortung, Plüderhausens Finanzprobleme nicht nur provisorisch, sondern ganz grundsätzlich anzugehen – und unterbreitete dem Gremium dafür einen Vorschlag, der durchaus kontrovers ist: die Verlegung des Sport- und Festgeländes in den Osten der Gemeinde bei den Angelseen, um am Gänswasen neue Flächen für Gewerbe zu ermöglichen.

Ein Vorteil dabei ist, dass für das sogenannte „Sportgelände Ost“ schon ein rechtsfähiger Bebauungsplan vorliegt. Der Gemeinderat ermächtigte die Verwaltung nun, für bis zu 50 000 Euro Planungen anzustoßen, die die Machbarkeit der Idee darstellen sollen. Nicht alle Gremiumsmitglieder waren aber von der Idee überzeugt.

Um das Projekt umzusetzen, müsste die Gemeinde einige Hürden überwinden

Ein Selbstläufer, das betont auch die Verwaltung, wären die Planungen für die Verlegung der Sport- und Freizeitflächen nicht. So müssten Umweltbelange geprüft und die Hochwassersituation berücksichtigt werden, die Gemeinde müsste Grunderwerb tätigen, die betroffenen Vereine beteiligen und natürlich prüfen, ob sich das Vorhaben überhaupt rechnen würde. Fest steht: Sollte der Gemeinderat in der Zukunft die Entscheidung treffen, das Vorhaben anzugehen, müsste die Gemeinde erst einmal viel Geld in die Hand nehmen, um dann später eventuell finanziell von neu angesiedeltem Gewerbe zu profitieren.

Die Verwaltung sieht diese Herausforderungen zwar und will erst einmal verlässlichere Zahlen schaffen, bevor eine Grundsatzentscheidung getroffen werden soll, sie argumentiert aber unter anderem mit einem möglichen Zuwachs von Arbeitsplätzen, Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer und den ihr zustehenden Anteilen der Einkommensteuer sowie der Erneuerung und Optimierung der Sport- und Festinfrastruktur für das Projekt.

Wie könnte das frei werdende Gelände einmal verwendet werden?

Für die Umsetzung des Projekts stellte die Verwaltung dem Gemeinderat mehrere Alternativen vor:

  • Das Sport- und Festgelände wird in den Osten verlegt, alle nun freien Flächen am Gänswasen werden für eine gewerbliche Nutzung veräußert.
  • Das Sport- und Festgelände wird in den Osten verlegt, die frei gewordenen Flächen werden teilweise für eine gewerbliche Nutzung veräußert. Der Rest der Fläche wird für den Gemeindebedarf genutzt, zum Beispiel für den Bau eines neuen Bauhofs. Das derzeitige Bauhofgelände könnte dann als Wohnbaufläche verkauft werden. Außerdem könnte die Gemeinde die aktuell für einen neuen Bauhof reservierten Bauplätze im Gebiet Heusee II für eine gewerbliche Nutzung verkaufen.
  • Der Bauhof wird auf die reservierten Bauplätze im Gebiet Heusee II gebaut, das derzeitige Bauhofgelände könnte als Wohnbaufläche verkauft werden.

„Ich bin der Meinung, dass wir an die großen Dinge ran müssen“, sagte Benjamin Treiber im Gemeinderat. Die Gemeinde könne sich zwar ansehen, wo noch Einsparmöglichkeiten bestehen, viele werde es aber nicht mehr geben. Zudem sei die Frage auch, zu welchem Preis man spare, wenn dafür immer mehr Freiwilligkeitsleistungen der Gemeinde gestrichen würden. „Ich glaube fest daran, dass Plüderhausen nicht für immer arm bleiben muss“, so Treiber. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden zwar viel Geld kosten, der Gedanke sei aber, jetzt zu investieren, so dass langfristig strukturelle Verbesserungen geschaffen werden könnten. Die Anwohner, die von einem neuen Gewerbegebiet am Gänswasen betroffen wären, wollte er beruhigen, indem er betonte, dass es für sie natürlich Schutzrechte gebe, so dass das Leben vor Ort nicht durch neues Gewerbe dort beeinträchtigt werden sollte. Zudem halte er es für sinnvoll, dass die gesamte Bürgerschaft im Rahmen des geplanten Gemeindeentwicklungsprozesses bei dem Thema mitgenommen werde.

"Dicke Bretter zu bohren"

„Meine Fraktion sieht das Vorhaben mehrheitlich kritisch“, sagte SPD-Rat Marcel Schindler. Er persönlich sehe auch Vorteile, es seien aber wirklich „dicke Bretter zu bohren“. Einen Bauhof könne er sich am Gänswasen nicht vorstellen, die SPD plädierte schon in der Vergangenheit dafür, diesen am alten Standort zu ertüchtigen. Zudem wies er daraufhin, dass die gesamtwirtschaftliche Lage momentan sehr schwer einzuschätzen sei. „Wir haben keine Ahnung, wie Gewerbeflächen in Zukunft nachgefragt werden.“ Für wichtig hielt er es - wie auch viele der anderen Gemeinderäte - Kriterien dafür zu entwickeln, welche neuen Gewerbe am Gänswasen gewünscht wären, den ÖPNV gut zu planen und eine Stellungnahme der betroffenen Vereine zu bekommen. Benjamin Treiber gab an, dass diese dem Thema grundsätzlich offen gegenüberstehen, bei den Planungen aber gut miteinbezogen werden wollen. Das Gremium beschloss zudem, Kriterien für ein mögliches neues Gewerbegebiet festzulegen.

„Allgemein stehe ich im ersten Moment sehr positiv zu dem Vorschlag“, sagte CDU-Rat Markus Proschka. Er sah die Möglichkeit, eine neue Struktur in den Ort zu bringen. Er brauche zwar noch belastbare Zahlen, hielt die Verlegung gen Osten aber für eine „Chance, die man nicht gleich außen vor lassen sollte“. Sein Fraktionsvorsitzender Ulrich Scheurer sagte: „Es gibt bei uns keine abschließende Meinung.“ Er sprach sich aber dafür aus, offene Fragen nun zu prüfen.

Kelemen: Eingriff in die Natur nicht zeitgemäß

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Harald Kelemen ist dem Vorhaben gegenüber genauso wie sein Fraktionskollege Thomas Reißig und einige andere Gremiumsmitglieder kritisch eingestellt. Das Sportgelände Ost sei schon vor Jahrzehnten vom damaligen Bürgermeister und Gemeinderat beerdigt worden, heute sei es „aus der Zeit gefallen“, gerade was den Eingriff in die Natur betreffe. Das Freizeitgelände am Gänswasen sei dort „historisch gewachsen“ und gehöre ertüchtigt.

Er plädierte dafür, eine Bürgerversammlung abzuhalten, bevor der Gemeinderat eine Entscheidung zu den Planungsmitteln treffe. Auch zum Beispiel Elke Dannenhauer (Grüne Liste Umwelt) wünschte sich eine frühe Anhörung der Bürgerschaft. Die Plüderhäuser, noch bevor weitere Zahlen und Planungen feststehen zu beteiligen, lehnte die Mehrheit des Gremiums aber ab. Die Bürger sollen allerdings beteiligt werden, sobald konkretere Planungen und Zahlen feststehen und bevor eine Grundsatzentscheidung zur Verlegung getroffen wird. Das hat das Gremium beschlossen.

Grundsatzentscheidung frühestens in einem Jahr

„Unsere Finanzen sehen einfach nicht gut aus“, sagte Claudia Jensen, Vorsitzende der „Freie Wähler/Freie Demokraten“-Fraktion. Wenn es möglich sei, an einer Stelle mehr Einnahmen zu erzielen, dann müsse das zumindest geprüft werden. Natürlich seien die 50 000 Euro Planungskosten ein Risiko, falls das Projekt später doch nicht machbar sei, sie glaube aber, dass die Planung der richtige Weg sei.

Zwar sahen das nicht alle Gremiumsmitglieder so, mehrheitlich entschied sich der Gemeinderat aber nun dafür, das Geld in die Hand zu nehmen, um die Standortverlagerung zu untersuchen. Eine Grundsatzentscheidung, sagte Benjamin Treiber, könne ohnehin frühestens in einem Jahr getroffen werden.

Es war ein mutiger Aufschlag, den Bürgermeister Benjamin Treiber am Donnerstagabend im Gemeinderat wagte. Als neuer Bürgermeister sieht er sich in der Verantwortung, Plüderhausens Finanzprobleme nicht nur provisorisch, sondern ganz grundsätzlich anzugehen – und unterbreitete dem Gremium dafür einen Vorschlag, der durchaus kontrovers ist: die Verlegung des Sport- und Festgeländes in den Osten der Gemeinde bei den Angelseen, um am Gänswasen neue Flächen für Gewerbe zu ermöglichen.

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