Plüderhausen

ZVW-Podiumsdiskussion: Ideen, Ziele, Herzensangelegenheiten

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Humorvolles, bisweilen spannungsreiches Podium: Die Kandidaten Friedhild Anni Miller (von links nach rechts), Christian Maier, Moderator Hans Pöschko und Kandidat Andreas Schaffer. © Schneider / ZVW
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600 Zuschauer kamen in die Staufenhalle.
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Bürgermeisterkandidat Thomas Hornauer verfolgte die Podiumsdiskussion als Zuhörer. © Gaby Schneider

Plüderhausen. Spontanität, Flexibilität und Humor: drei Eigenschaften, die Bürgermeistern im Amt und Kandidaten bei einer Wahlveranstaltung nützen. Alle drei haben Kandidaten und Moderator bei der Podiumsdiskussion der Schorndorfer Nachrichten gezeigt. Es gab im Lauf des Abends einige denkwürdige und interessante Momente.

Vier Kandidaten hatte der Moderator auf die Bühne eingeladen, drei, Friedhild Anni Miller, Christian Maier und Andreas Schaffer, sind der Einladung gefolgt. Der vierte Mitbewerber, Thomas Hornauer, verfolgte den Abend als Zuschauer.

Ladys first: Die Kandidatin machte den Auftakt der kurzen Vorstellungsrunde. „Hallo Plüderhausen. Dankeschön, dass ihr so zahlreich erschienen seid“, begrüßte sie die Zuhörer. „Ich möchte mit Euch gemeinsam nicht verwalten, ich möchte gestalten“, sagte Friedhild Anni Miller. Und erklärte, dass sie an eine Doppelbesetzung für das Bürgermeisteramt denkt, das sie mit Thomas Hornauer ausüben würde. „Mit uns wird Plüderhausen vorangetrieben.“ Miller ergänzte später, sie müsse „hier mit Thomas Hornauer aufräumen“.

Christian Maier stellte sich als Bewerber „mit frischem Wind und neuen Ideen“ vor, unterstrich seine Erfahrungen in der Wirtschaft und verschwieg nicht, dass bisherige Bewerbungen als Bürgermeister „nicht so sehr mit Erfolg gekrönt“ waren. „Ausgerechnet eine Gemeinde, in der der Amtsinhaber kandidiert“, hakte der Moderator nach. „In Urbach werden händeringend Kandidaten gesucht.“ „Diese Frage wird mir sehr oft gestellt“, räumte Maier ein. Er habe sich mit Abschluss seines Kontaktstudiums, das er nicht mit einem Verwaltungsstudium verwechselt wissen wollte, in Gemeinden umgesehen, erzählte der 45-Jährige. Er sei „in Plüderhausen reingefahren und beim Waldkindergarten hängengeblieben“, so Maier. Und fasziniert gewesen. Er habe zudem auf eine Chiffre-Anzeige aus Plüderhausen reagiert. Er wolle die „Lebensleistung nicht schlechtreden“, sagte Maier zu Andreas Schaffer. „32 Jahre, das muss man erstmal schaffen.“

Andreas Schaffer wandte sich an jene, die ihn kennen „oder neu kennenlernen wollen“. Er sei „seit 32 Jahren Bürgermeister dieser schönen, vitalen Gemeinde“, sagte der 63-Jährige. „Plüderhausen ist zu einer Herzensangelegenheit für mich geworden.“ Er habe hier ein Haus gebaut, die Kinder seien hier großgeworden und hätten hier geheiratet. „Ich will gern Ihr Bürgermeister bleiben.“ Schaffer sah Plüderhausen „in einer hochspannenden Phase“ und auf dem Weg zu einer höheren Wohn- und Lebensqualität. „Ich will mit Ihnen diesen Schritt gestalten.“

Schaffer strebt eine halbe Amtszeit an

32 Jahre sind genug? „Manche sagen auch, mehr als genug“, spitzte Moderator Hans Pöschko zu. „Dass solche Gedanken geäußert werden, dafür habe ich vollstes Verständnis“, gab Schaffer zu. War’s ein kluger Schachzug, eine halbe Amtszeit anzustreben, fragte Hans Pöschko. „Mir haben alle davon abgeraten“, so Schaffer. Er fand aber: „Vier Jahre sind nicht wenig.“

Drei gute, drei schlechte Eigenschaften: Letztere interessieren natürlich besonders. Andreas Schaffer bekannte, er sei zu schnell für etwas begeistert, rege sich zu schnell auf und werde bei gutem Essen und Trinken schwach. Schlechte Eigenschaften? „Da muss ich schon suchen“, so Christian Maier. Er räume nicht gern auf, habe eine schlechte Schrift. Friedhild Anni Miller: „Schlechte Eigenschaften habe ich keine. Die werden mir immer nur angedichtet.“

Was hat sich in Plüderhausen im Fall der eigenen Wahl nach einer Amtszeit zum Besseren verändert? „Wir fangen bei Herrn Schaffer an, er will bloß vier Jahre“, so Hans Pöschko. Dieser hob die Projekte der Gartenschau hervor, „das Bahnhofsumfeld wird völlig anders aussehen“, das Gewerbegebiet werde voll besetzt und das Wohngebiet Hohrain-Gländ fertig erschlossen sein, zählte Schaffer einige Punkte auf. „Ich find’s traurig, dass ein Bahnhof so wichtig ist“, entgegnete Friedhild Anni Miller. Plüderhausen habe zu wenig Spielplätze für ganz kleine Kinder, gab sie zu bedenken. Sie würde unter anderem die Plüderhäuser Festtage verlängern.

Christian Maier meinte, seine ersten vier Jahre als Schultes wären „in Stein gemeißelt“, es werde eine Agenda geben, der Marktplatz werde neu konzeptioniert, Maier strebt ebenfalls einen barrierefreien Bahnhof an.

Bürgermeister sein macht beim Thema Walkersbach keinen Spaß

Stichwort Walkersbach, Befriedung von Walkersbach, präzisierte der Moderator, nachdem Andreas Schaffer zunächst allgemein die Vorteile des Teilorts gepriesen hatte. „Eine Befriedung versuchen wir schon seit Jahren. Die Dinge sind wieder eskaliert“, sagte Schaffer. Es solle ein Runder Tisch stattfinden. „Wer wirklich für Walkersbach ist“, so Christian Maier, sorge dafür, dass die kulturellen Veranstaltungen so stattfänden, wie man sie brauche. „Ich würde mir diesen einen Miesmuffel vorknöpfen“, sagte Friedhild Anni Miller. Sie würde diesem ein Haus woanders zur Verfügung stellen. „Dann kann er gehen.“ Andreas Schaffer fand: „Da ist die Rolle des Bürgermeisters anders. Der Bürgermeister tritt für Recht und Ordnung ein.“ Er sitze momentan zwischen allen Stühlen, sagte Schaffer. „Das macht keinen Spaß. Aber hier macht der Bürgermeister seinen Job.“

Die gesamte Berichterstattung zur Wahl in Plüderhausen finden Sie unter www.zvw.de/wahl-check-pluederhausen


Plüderhausen. Kanäle, Parkplätze, Jugendarbeit: Viele Themen haben die Zuhörer in der Fragerunde angesprochen. Auf großes Interesse stießen auch die Positionen der Bewerber zum Erhalt des Schlossgartenareals und zur Ostüberführung.

„Ich bin großer Anhänger des Erhalts des Schlossgartenareals“, bekundete Gemeinderat Klaus Harald Kelemen und wollte wissen, wie die Bewerber zum Erhalt des Ensembles stehen. Christian Maier hat bereits die Seniorenwerkstatt besucht, die in einem der dazugehörigen alten Gebäude untergebracht ist. „Erhalt vor Abriss“, antwortete er auf Kelemens Frage. Plüderhausen sei eine der wenigen Gemeinden, die im Zweiten Weltkrieg keine Bombenangriffe hatten, führte Maier aus. Er sei erschrocken, wie wenig alte Gebäude es gebe. „Es lohnt sich, alten Gebäuden zu neuem Glanz zu verhelfen.“ Friedhild Anni Miller würde drei Angebote von ortsansässigen Firmen einholen und auch ein Abreißen und anschließendes energietechnisches Neubauen prüfen. „Man müsste da abwägen“, sagte sie mit Blick auf Kosten und Nutzen. Andreas Schaffer betonte, es sei „nie über den Abriss der Schlossgartenschule auch nur ansatzweise diskutiert“ worden. „Schlossgartenschule und evangelisches Gemeindehaus sind wichtige Punkte. Auch das Kinderschüle ist ein Punkt, über den wir zu entscheiden haben.“ Beim Kinderschüle müsse man Kosten und Nutzen zusammenrechnen. „Der Erhalt lohnt sich wirtschaftlich nicht.“ Schaffer sprach sich für „städtebauliche Akzente, die zu dem Ensemble passen“, aus. Es stehe nicht zur Debatte, dass die Seniorenwerkstatt wegkomme, sie würde neue Räume bekommen. „Abreißen wollen Sie und neue Räume schaffen Sie auch“, sagte Christian Maier zu Andreas Schaffer und verwies auf die Schulden in der mittelfristigen Finanzplanung. Plüderhausen könne das ganze Quartier überplanen, stellte Andreas Schaffer für das Gebiet zwischen Schlossgartenschule und Brückenstraße in Aussicht. Das Gelände gehöre nahezu der Gemeinde. Er sah Bedarf für eine städtebauliche Gesamtplanung.

Ostüberführung: Anliegen von Christian Maier

Auch spannend: die Ostüberführung, ein großes Anliegen von Christian Maier. „Die Ostüberführung muss kommen“, unterstrich er. Friedhild Anni Miller fand: „Das hätte eigentlich schon lange Herrn Schaffers Thema sein sollen.“ Die Gemeinde könne aber dabei manches nicht allein entscheiden. „Wir haben durchaus Planungen, Herr Maier“, sagte Andreas Schaffer. Die seien 15 Jahre alt, eine neue Planung sei nötig. Der Bürgermeister entscheide nicht allein. Dreimal sei man mit der Ostüberführung im Gemeinderat gewesen. „Dreimal war die Antwort Nein. Ich bin trotzdem der Meinung, dass wir die Ostüberführung brauchen“, so Schaffer mit Blick auf einen verdichteten Bahntakt und Schließzeiten. „Wir wären schon längst im Gemeinderat, wenn wir einen Planer gefunden hätten.“ In den nächsten drei Monaten werde man dem Gemeinderat ein Planungsbüro vorschlagen. Bis eine Ostüberführung käme, würden acht bis zehn Jahre vergehen, schätzte Schaffer. Die Kosten sah er bei zwischen 12 und 15 Millionen Euro, von denen die Gemeinde vier bis fünf Millionen Euro zahlen müsste.