Rems-Murr-Kreis

1,5 Millionen Euro für Sozialwohnungen

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Die Kreisbau-Gruppe saniert ihre Gebäude im Winnender Wohngebiet Schelmenholz und verdichtet die Bebauung. Bis 2022 werden in Winnenden rund 150 neue Wohnungen entstehen. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Neue Wohnungen gibt es nicht umsonst. Bezahlbarer Wohnraum mit erschwinglichen Mieten allemal. Der Rems-Murr-Kreis gibt der Kreisbau ein weiteres Millionen-Darlehen, damit die kreiseigene Wohnbaugesellschaft in den nächsten zehn Jahren 500 Sozialwohnungen errichten kann. Der Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss gab am Montag sein Okay.

Der Grundsatzbeschluss für die Wohnbau-Initiative des Rems-Murr-Kreises mit der Kreisbaugesellschaft liegt schon länger zurück. 2015 hatte der Kreistag beschlossen, der Kreisbau fünf Millionen Euro für sozialen Mietwohnungsbau und die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. 2016 bis 2018 wurden vier Millionen Euro ausbezahlt. 2017 folgte die Entscheidung der Kreisbau, den sozialen Mietwohnungsbau zu forcieren und bis 2027 den Bestand an Mietwohnungen von aktuell 750 auf rund 1250 zu erhöhen. Dazu benötigt die Kreisbau aber Eigenkapital.

Sigel: Wohnungsbau ist keine originäre Aufgabe des Landkreises

Landrat Richard Sigel stellte im Ausschuss heraus, dass das Engagement des Kreises für den Wohnungsbau in Baden-Württemberg seinesgleichen suche. „Wir tun extrem viel“, erwiderte Sigel auf den Vorwurf von SPD-Kreisrat Jürgen Hestler, dass der Kreis doch ruhig mehr Geld investieren könnte. „Auf private Investoren zu hoffen, ist trügerisch“, so Hestler. Für mehr bezahlbare Wohnungen sei nun die öffentliche Hand gefragt. Sigel wollte den Vorwurf nicht auf sich sitzenlassen, zu wenig zu tun – zumal Wohnungsbau „keine originäre Aufgabe des Landkreises“ sei. Und den Vergleich mit den Nachbarn müsse der Rems-Murr-Kreis schon gar nicht scheuen: Die täten gar nichts für den sozialen Wohnungsbau. Sie hätten aber auch keine kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft wie die Kreisbau-Gruppe. Die beiden AfD-Kreisräte lehnten im Ausschuss als einzige das Gesellschafterdarlehen ab. Christian Throms Argument: zu teuer.

Aktuell errichtet die Kreisbau 250 Wohnungen. Ein Schwerpunkt ist Winnenden, wo sich die Zahl der Mietwohnungen bis 2022 auf fast 300 mehr als verdoppelt. Vor allem das Wohngebiet Schelmenholz wird saniert und verdichtet. Auch in Backnang (plus 50 Wohnungen), Weinstadt (40), Welzheim (30) engagiert sich die Kreisbau.

Wohnraum mit erschwinglichen Mieten fehlt

Um dies alles finanzieren zu können, braucht die Kreisbau Eigenkapital. Deshalb soll sie von ihrem Hauptgesellschafter, dem Landkreis, fünf Millionen als auf zehn Jahre befristetes Gesellschafterdarlehen erhalten. Die erste Rate über 500 000 Euro floss 2018. Nun ruft die Kreisbau zwei weitere Tranchen über 500 000 und eine Million ab, die dem Kreis mit drei Prozent verzinst werden. Insgesamt hat der Landkreis rund 50 Millionen in der Kreisbau-Gruppe stecken: als Eigenkapital (10,4 Millionen), Gesellschafterdarlehen (neun Millionen) oder Bürgschaften (23,4 Millionen).

Hintergrund für das Wohnbau-Engagement ist die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, auf dem vor allem Wohnraum mit erschwinglichen Mieten fehlt. Das hat der von Kreis und Kreisbau veranstaltete Wohnbau-Gipfel am vergangenen Freitag in Schorndorf eindrücklich gezeigt. Die Kreisbau setzt bei ihren geförderten Wohnungen auf die Kooperation mit den Städten und Gemeinden: Sie erhalten im Gegenzug für ein Grundstück das Belegungsrecht für die neuen Wohnungen und unter Umständen auch eine Kindertagesstätte oder wie in Fellbach eine Jugendkunst- und Jugendtechnikschule samt Fahrradwerkstatt.


Wohnraummangel

Die Misere auf dem Wohnungsmarkt wird anhalten. Es gibt keine Anzeichen, dass sich die Lage für Mieter wie Käufer entspannt. Wie das Statistische Landesamt schon 2017 über „Wohnbau und Wohnraumbedarf in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs“ geschrieben hat, werden weniger neue Wohnungen genehmigt, als Bedarf vorhanden scheint. „Insbesondere Wohnungen im Geschosswohnungsbau (Mehrfamilienhäuser) in Städten mit Bevölkerungszuzug dürften Mangelware bleiben.“

Diese Einschätzung teilte Dr. Ulrich Theileis, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der L-Bank, beim Wohnbau-Gipfel am vergangenen Freitag in Schorndorf. Aufgrund der niedrigen Zinsen werde die Flucht in „Betongold“ anhalten und die Immobilienpreise und mit Zeitverzögerung auch die Mieten weiter steigen lassen.

Schon allein wegen der demografischen Entwicklung – mehr Ein-Personen-Haushalte – erhöht sich der Bedarf an Wohnungen, erklärte Timo Heyn vom Forschungs- und Beratungsinstitut Empirica. Die Schere zwischen Wohnungsnachfrage und -angebot öffnet sich weiter.